Von November 2001 bis Mai 2003 hatten die Zufallsproduktionen ein Schaufenster adoptiert.
H.H. (nicht Humbert Humbert, sondern Hermann Huber) hatte ein leerstehendes Gassenlokal in der Schleifmühlgasse 6-8 angemietet, monatelang entrümpelt und dann gab es Kunst, Dennis machte hinreißende Clubbings und das Schaufenster führte ein Eigenleben unter meiner Regie.
Ganz diszipliniert ging ich jeden Monat Deko wechseln und sang Loblieder auf Sex, Liebe, Änderungen und den Schneid.

Das “Endlich wieder Merz, Anna” – Fenster war eine Hommage an Kurt Schwitters – und seine Anna Blume.

Diese Zufallsproduktion widmete sich dem Sommerloch – ich erfand feine E-Mail-Adressen (Lieber.Gott@hotmail.com) und schrieb an alles und jeden.

Im Sommer 2002 drohten wir der Bevölkerung, den kleinsten Swingerclub Wiens zu eröffnen – für Singles, die es auch bleiben möchten. Die Giraffen sangen ein Requiem für Linda Lovelace, die um diese Zeit verstorben ist.

Budget gabs natürlich keines, ich organisierte mir Papier und Farbe. Das war mein popigstes Fenster, es widmete sich dem Eskapismus.

Oft gab es einfach nur Texte.
Der unter Änderung lautete etwa so:
Es wird nichts mehr geändert.
Vieles, was für die Ewigkeit gedacht war, ist schon geändert worden. Auch in diesem Änderungsschaufenster ist schon vieles verändert worden. Nur die Änderung wird nicht mehr geändert. Die Änderungsschneiderei ist weggezogen, aber das Schild wird nicht mehr geändert. Schluß. Es ändert sich eh schon genug. Änderung bleibt. Unverändert.
Warum sich der Änderungsschneider verändert hat, ist klar: im 17. oder 18. Bezirk wollen die Leute noch äußerliche Veränderungen. Sie tragen Jacke wie Hose zur Änderungsschneiderei und lassen sie den Gegebenheiten anpassen.
In unserer modernen Gegend ändern die Leute sich lieber selber. Sie suchen vielleicht jetzt gerade dringend eine MEINUNGSÄNDEREI?? (etc) ….
Unter Schneiderei stand dann:
Schneid zu verkaufen.
Auch wenn der Schneider ausgezogen ist – dieses Schaufenster ist gut geschnitten. Länge zu Breite kann man auch ungeübten Auges den goldenen Schnitt erkennen. Warum nicht eine EHRABSCHNEIDEREI draus machen? Ein gutaussehneder Ehrabschneider, heimtückisch den Passanten zublinzelnd, das wär doch was? (…)
Weihnachten hab ich mir natürlich ganz viel Mühe gegeben, damit den Leuten warm wird. Ich warb für Rock-Musik und gegen unplugged Ladies.

In der linken Vitrine hing dieses Foto, ganz groß, von Isabella, (danke,I) und in der rechten Vitrine gab es Platten-Tipps für die Feiertage und die Aufforderung, keine Dame lange unplugged zu lassen.

Leider hab ich nicht alle Fenster aufgehoben, aber hier ist ein Teil der Deko der sinnigen Installation “Wer sich beschwert, fühlt sich erleichtert”.
Ein Leitfaden, wie man alltäglichen Kränkungen begegnet.
Mein Liebling ist auch verschollen, das “Standpunkt oder Punschstand?”-Fenster.
Irgendwann in 2003 wurde das Fenster dann – mitsamt Kunstraum und seinen Aktionen und Auktionen – wieder der spielenden Jugend entzogen und einer arbeitsamen kommerziellen Nutzung zugeführt. Damals hab ich echt gedacht, die Welt geht unter.