Alles gratis: La belle Grad Belgrad.

Die Reise nach Belgrad begann schon mal mit einem Hindernis. Nachdem wir wir bei der wunderbaren Autovermietung Sixt stundenlang Anträge ausgefüllt hatten und es uns schließlich gelungen war, durch stetiges Genörgel den grauen Peugeot gegen einen saftig grünen Fiat 500 umzutauschen, erfuhren wir, dass Sixt keine Autos nach Serbien verleiht.
Nicht nach Serbien, noch nicht einmal mit Vollkasko.

Was tun? Das kann ja lustig werden. Wir nehmen den Gastarbeiter-Bus. Kostet ja auch fast nix, im Vergleich zu Sixt mit Vollkasko.

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Wir, also die 3 Reisenden auf diesen Bildern, waren gut ausgerüstet. Mit dem Rundum-Sorglos-Paket.

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Bier, Wein, Brot, Wasabi-Chips, Radieschen. Die lagen zwar daheim auf dem Küchentisch, aber das wussten wir noch nicht, als wir in den Bus stiegen.

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Im Bus war es voll, weil in Belgrad das Serbisch-Orthodoxe Osterfest begann. Aber da die Verpflegung ausgezeichnet war, focht das uns nicht an. Außerdem gab es ein tolles Fernweh-Programm. Erst Serbischen Pop, dann eine Komödie, in der eine deutsche Urlauberin in Serbien vorkam und dann ein ganz toller Film über eine Busreise in Serbien im Jahre 1941. Wundervoll. Man kam kaum zum Schlafen.

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8 Stunden später waren wir im berühmten Nachtclub Black Panther. Er befindet sich auf einem Hausboot auf der Donau und es gibt Live Musik. Zigeuner-Musik. Das Bild ist dunkel, aber so auch der Nachtclub. Man kommt über eine lange, schwankende Brücke dorthin und es ist besser, wenn man nicht allzu betrunken ist auf dem Heimweg.

Da wir noch kein Heim hatten, zu dem wir den Heimweg antreten konnten, und da uns der Black Panther erbarmungslos um kurz nach 4 Uhr vor die Tür setzte, beschlossen wir eine Stadterkundung.

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4 Uhr 30: Das ist die berühmte neue Brücke von Belgrad. sie spannt sich über Donau und Sava, ist 6-spurig und hat 500 Millionen gekostet. Um diese Zeit war nichts los.

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Um 5 Uhr fanden wir in einer Auslage dieses Motorrad. Es ist aus Windeln gebastelt. Leider war das Geschäft geschlossen.

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Um 6 Uhr bekamen wir Hunger. Leider waren alle Imbisse geschlossen, so auch dieser. Die Nachtclubs schlossen gerade, und die Kaffeehäuser machten noch nicht auf. Wir wurden unsere Dinare einfach nicht los. Was man für Geld sparen kann in Belgrad!

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7 Uhr, inzwischen waren wir durch die ganze Stadt gewackelt. Im Universitätspark erfuhren wir, dass Tristan entlaufen ist. Ganz tragisch.

Um 8 Uhr fanden wir dann ein Café vor der Oper. Die Oper hatte zu, und es gab im Kaffeehaus auch nur Kaffee, und nichts zu essen. In der Oper hätte es übrigens Carmen gegeben. Eine schöne Oper. Für Opernfreunde hier der Besetzungszettel.

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Um 9 Uhr, endlich! erreichten wir den Markt von Belgrad Zentrum. Endlich etwas zu Essen in Sicht.
Der Markt sieht von oben schon sehr einladend aus. Irgendwie osmanisch. Oder auch nicht.

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Auf dem Markt war fast alles fast gratis. Ich erstand 3 Knoblauch-Zehen für 50 c und ein halbes Kilo Speck für 2,50. Und die herrlichen serbischen Ostereier.

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Wie gesagt, es war Oster-Samstag. L erstand Brot und Ajvar und Kren. D. erstand nichts. Sie sparte also am meisten.

Nach unserem Frühstück wurden wir müde, wir waren ja schon länger auf den Läufen, und fuhren zu unserem Hotel nach Novi Banovci. (Man spricht es aus wie Novi-Bahnhofsky.)

Das Hotel empfing uns mit Donau-Blick nach links …

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… und nach rechts.

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Ja, jetzt ein Omelett und ein Jelen Fresh. Jelen ist der Platzhirsch unter den serbischen Biermarken. Und Fresh bedeutet mit Zitronensaft. Also ein serbisches Radler.
Das Hotel war unbeschreiblich günstig für das, was geboten wurde. Interesse? Hotel Kondor, Novi Banovci.

Nach einem kleinen Mittagsschlaf ging es dann zum eigentlichen Reisegrund, dem Musej Macura, eine Art serbisches Guggenheim. Der Sammler Macura hatte eingeladen zur feierlichen Enthüllung der Skulptur „Der Namenlose“.

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Das Rot-Kreuz-Haus hat ein bewegliches Dach. Normalerweise sieht man das rote Kreuz nicht, es muss erst aufgeklappt werden.
Dieses witzige Gebäude beherbergt die Ikonen-Sammlung.

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Das Museum mit ein paar von den über 500 Gästen. Die Straße, an der es liegt, heißt Zenit, Hausnummer 1. Da muss ich gleich an Zenita denken.

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Eine schöne Besucherin.

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Zwei schöne Besucherinnen.

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Hier der Künstler, Peter Pilz. Ganz rechts.

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Und hier noch ein paar Arbeiten anderer Künstler, sie hängen auf dem Museums-Klo. Wie durchdacht! Auf dem Klo hat man ja Zeit, Kunst zu betrachten. Im Garten des Museums sind ja die Leute viel interessanter und der Blick auf die Donau sowieso. Wer hat da noch Augen für Kunst?

Jedenfalls: Hier ist sie. Die Skulptur „Der Namenlose“ von Peter Pilz, enthüllt am 5. Mai 2013, an Titos 33. Todestag. Hat aber das eine nichts mit dem anderen zu tun.

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Man sieht vom Museum aus nur ein Teil von ihr, weil, ja richtig, die Skulptur wendet sich den Donauschiffern zu. Am besten, man betrachtet sie vom Wasser aus.

Es war ein herrlicher Abend mit vielen neuen Freunden und vielen Gläsern Wein und Käse und Äpfeln und zum Schluss noch Calamari. Alles gratis natürlich. Die Serben sind echt gastfreundlich. Herzlich. Und meistens auch noch musikalisch. Wenn man auf serbischen Pop steht.

Andertags, auf dem Weg zum Bus, fiel uns noch eine Anzeige der Hypo Alpe Adria Bank auf.

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Wie jedes Kind in Österreich weiß, hat ja die Hypo Alpe Adria den Steuerzahler um etwa eine halbe Milliarde erleichtert. Die bayerischen Steuerzahler haben auch ihr Scherflein dazu beigetragen. Und jetzt endlich wird offenbar, was die blauen Nilpferde mit dem schönen Geld machen: Sie haben es hier in Serbien eingemauert. Damit keiner drankommt.
Die Serben brauchen es jedenfalls nicht: Hier ist ja fast alles gratis.

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