Die 10-fach überbuchte Götterdämmerung

Ja, die Leute standen schon seit Mittwoch, mit ihrem „Suche Karte für die Götterdämmerung“ -Schild.

Tja. da lächelt man huldvoll, wenn man, gesponsort vom Gönner, in die Oper schlenzt. Ganz entspannt: In die Proszeniums-Loge.

Das ist schon ein bißchen ein anderer Ausgangspunkt als der Stehplatz auf der Galerie. Schön, dass man den Meistern direkt auf die Seiten schauen kann. Und dem Herrn Thielemann direkt auf den Taktstock.

Die Proszeniums-Loge. Es handelt sich um einen größeren Salon, in dem man kleine Kammeropern aufführen könnte.

Leider war die Direktions-Minibar abgesperrt. Aber dafür war man entre nous. Links saß der Gönner, und rechts der Opernkritiker der Wiener PRESSE mit seinem Chefredakteur. In der 2. Reihe kamen noch 2 Japaner, aber die haben nicht weiter gestört. Wir saßen ja vorne.
Da haben wir jeden Make-up-Fehler registriert. Und konnten den Meister Thielemann sehr genau studieren.
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Hier der Gönner und ich, von links nach rechts. Die Vorfreude steht uns ins Gesicht geschrieben, oder?

Doch nun zu den harten Wahrheiten. Frau Watson war ein Notnagel als Brünhilde, sie gab sich wacker, aber eine Kleinigkeit fehlt noch, damit sich das kathartische Heulen einstellt beim letzten Akt. Herr Gould ist ein hehrer Siegfried, aber auch ein eherner Mechaniker. Göttlich war Ildiko Raimondi als Norne, aber leider singt sie nur ein Viertelstündchen. Gurtune ein Flop, aber zum Glück singt sie nur 10 Minuten. Die anderen ? Besser als passabel. Nun können wir uns ausgiebig dem Dirigat widmen.

Dem Gönner verdanke ich nämlich eine Einsicht. Ich empfinde Welser-Möst als völlig überschätzten Wagner-Dirigenten, und der Gönner legte mir dar, dass Welser-Möst ein APOLLINISCHER Dirigent sei, Thielemann hingegen ein DIONYSISCHER. Das hochgeistige Prinzip gegen das Triebhafte. „So einen teutonischen Rausch kriegt der Welser-Möst nicht hin“, so der Gönner.
Da schau ich mir wieder die Haltung an, des Herrn Dirigenten, und freu mich, dass er beginnt, sich fallen zu lassen. Er streckt seinen Bauch heraus, und er hampelt weniger. Toll ist eh schon die Kollegialität mit dem Orchester, die Musiker wollen gefordert werden und nehmen ihn an.

Auch wenn ich noch ein paar Jährchen warten muss, bis Herr Thielemann schlafwandelnd dirigiert – das Wiener Publikum war’s zufrieden. Sie tobten und applaudierten und schrieen die Bravis im Stakkato. Und dann holte der Meister die Musiker auf die Bühne.
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Das war atemberaubend. Danke, Herr Wagner, für diese Fülle !

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