Die Arena oder das Ende der Spasskultur…

Zunächst einmal: Wir sind Fans. Patrick-Wolf-Fans. Wir lieben seinen satten Sound, der ELO-Dimensionen annehmen kann, seine Ethno-Pop-Romance-Melodramatik, seine Punk-Beats, die irische Harfe, die uns automatisch an Guinness erinnnert, sozusagen als wären wir vom wärmenden Schaum eines Guinness umhüllt, und nicht zuletzt schätzen wir seine hysterisch-byronsche Bühnenpräsenz.

Wir kriegen einfach nicht genug von Patrick Wolf.

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Da begeht man natürlich Fehler. Einen Fehler, den Leute auf der Suche nach Glück immer wieder begehen, ist laut Glücksforschung derjenige, dass sie versuchen, Glücksmomente zu wiederholen. Und so trapsten Herr S. , Frl. K., Frl. I. und ich am 1. Advent in die Arena.

Weil wir dachten, dem wunderbaren Abend im April, als Patrick Wolf im Wiener WUK gespielt hat, eine 2. Auflage folgen zu lassen. Ach. Ja.

Damit hier keine Missverständnisse aufkommen: Patrick Wolf war großartig wie immer. Es war die Arena im ehemaligen Wiener Schlachthof, welche die Mißtöne aufkommen ließ.
Schon als wir ankamen, herrschte eine Gschaftlhubrigkeit und eine straffe Organisation, die an Jugendclubkonzerte der ehemaligen DDR erinnerte. Diese Tür nein, die Mittlere Tür, da dürft ihr nicht stehen, nicht neben der Tür rauchen, nicht hier anstehen.

Ja, da kommt echt Stimmung auf. Patrick rockt und leidet und wälzt sich fast, die PA- Anlage ist natürlich um Meilen besser als im Wuk, und das Publikum steht da wie auf einer Gewerkschaftstagung. Stocksteif.

 

Ich hab ein bißchen getanzt, was manche natürlich peinlich zu berühren schien. Herr S. und ich waren auch die einzigen, die Bier holten. Die vereinsamte Bardame wollte ihren Laden schon bei der Hälfte des Abends schließen. Wir diagnostizierten beginnenden Besinnlichkeitsterror, immerhin war es der 1. Advent und da beginnt ja immer eine unlustige Zeit.

Aber es war nicht der Advent. Es ist die Arena. Nach der letzten Zugabe – wo tatsächlich so etwas wie Bewegung in die Betschwesternversammlung geriet und sogar ein paar Leute mitsangen – wurden wir quasi wie die Schlacht-Ochsen hinausgetrieben, zur Garderobe getrieben ! Keine Unterhaltung wird zugelassen, das Bier fließt nicht in Strömen, die durch die Musik evozierten Gefühle dürfen sich nicht auf den Mitmenschen stürzen.

Wie in einer Kulturfabrik läuft die Stechuhr. Frustriert ziehen wir heimwärts – und suchen eine Cocktailbar, einen Ort menschlicher Wärme und geistiger Getränke.
Herr S. findet trotz seiner Ernüchterung tröstende Worte: „Ich garantiere Dir – In der Arena spielt Patrick Wolf bestimmt nicht mehr.“
Wollen wir es hoffen, sonst spielt er dort ohne seine größten Fans. Denn meine Theorie ist: Die Arena wurde klammheimlich von einem Hedgefonds aufgekauft.

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