Die goldgefasste Finsternis Tirols.

Von dem da, meinte Herr K. , seines Zeichens Schnapsbrenner und Skilehrer,  und deutete auf den liebevoll in Tiroler Todesanzeigen eingewickelten Vogelbeer-Brand, von dem da bitte immer nur ein einziges Glasl. Das ist nix zum Feiern.

Was soll ich sagen? Das war für uns antiautoritäre Kinder das Fanal, die Flasche ganz auszutrinken.  Skifahren und Schnaps, untrennbar wie Romeo und Julia.Und am anderen Tag wieder auf die Piste. Mit in Alpbach waren die Goldgefasste Finsternis des Tiroler Autors Arno Taurinen. Ein fulminantes Werk, schwer wie die Durchquerung eines Wort-Sumpfes, dauernd bleibt man knietief an bleischweren Adjektiven hängen, Pickel wird wortreich beschrieben und mehr als 2 Seiten kann man nicht auf einmal lesen. Die Dichte des Textgewebes offenbart natürlich herrliche Schätze, wie zum Beispiel die ungelesenen Autoren, die über ihren Papieren hungern und dennoch immer mehr produzieren… Aber dieser Blog kümmert sich ja eher um Koinzidenzen. Zufällige Übereinstimmungen. Als wir den Vogelbeet-Brand aus den Todesanzeigen gewickelt hatten, las uns JN gerade die Martenstein-Kolumne der Woche vor – es handelte von einer App, die einem tägliche Memento Mori – Botschaften schickt.  C. hatte gerade bei einem Illustrator ihre Parte in Auftrag gegeben und ich und JN kaufen uns bald ein Grab in Berlin, am schönen Friedhof Ackerstrasse. Was ich auf meine Parte schreibe, weiß ich noch nicht.

Alpbach ist ja eigentlich mehr berühmt für Sex als für Tod. S. hatte eine Tante, die immer zum Beritt nach Alpbach fuhr, alle Bauern und Holzknechte konnten sich bestens an die wilden Tage mit ihr erinnern. Und auf dem Forum Alpbach lässt man ja auch nix anbrennen. Am schönsten aber war doch unser kleiner Ausflug nach Innsbruck, nach Schloß Ambras, wo die patente Philipine Welser eine Badewanne bewohnte. Ferdinand II, ihr Gatte, hat eine beeindruckende Wunderkammer angesammelt, mit absurden Musikinstrumenten und schaurigen Bildern. Hier eines, das mit auf Anhieb gefiel: Venus bringt Amor das Schwimmen bei.

 

Hier noch eine kleine Koinzidenz: Memento Mori in der Kapelle, die wir festlich geschmückt hatten, weil wir wieder kein Bein gebrochen haben.

 

 

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