Die Grenzen des Roten Wien

Jetzt herbstelt es schon in Wien und man hat Zeit, die Eindrücke des Super-Sommers zu verarbeiten. Zum Beispiel den letzten Ausflug nach Hietzing. Zur Werkbund-Siedlung. 1931/ 1932.
Ich hatte Frau bbb um eine Führung gebeten, und bekam auch eine.
fom feinsten.

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Ja, da blättert schön langsam der Lack ab. Die Werkbund-Siedlung war ein Prestige-Projekt des „Roten Wien“, diesem Stadtplanerischen Rundumschlag, der in den 20er Jahren nicht nur unglaublich große Gemeindebauten hervorbrachte, sondern auch sich an einer Art Bürgerlichem Glück versuchte. Die Architekten waren alles, was Rang und Namen hatte: Loos, Adolf und Walter, Geriet Rietfeld, Schütte-Lihotsky, Josef Hoffmann (der von der Secession), Clemens Holzmeister und und und.

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Hier der coole Bau von Herrn Hofmann, zum Glück renoviert.

Andere Häuser haben da nicht soviel Glück, die kümmern vor sich hin.

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Zum Beispiel die. Von Arch. Sobotka. Eine Traurigkeit und ein Fall für den Denkmalschutz. Warum tut da keiner was? Warum stehen immer noch welche leer? Wo doch die PR-Agentur von Wiener Wohnen 2010 und 2011 dauernd Meldungen herausgab, dass sich da was tut?

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Das Haus von Richard Neutra, LA, ist super-renoviert. Da möchte man doch glatt einziehen, mit so einer coolen Dachterassse. Aber die anderen?

Ach, Du Beginn der Moderne, warum lässt Dich das heutige Rote Wien verkommen?
Man kann nur mutmassen, dass es an Hietzing liegt.

Für alle Leser aus Kanada und Moldawien: Hietzing, der 13. Wiener Gemeindebezirk, ist ja sowas wie das Bel Air von Wien. Ein Pro Kopf-Einkommen von 15 Millionen, kein Schulkind ohne Hummer und keine Villa ohne Pool. Mit Fug und Recht kann man bei Hietzing – für unsere Leser aus Russland – vom Rubljowka Wiens sprechen.

Hier nistet allerdings auch ein flächendeckend ausgebreiteter Unwille, die Partei zu wählen, die dauernd mit der „Reichensteuer“ droht. Sicher handelt es sich bei der Werkbund-Siedlung um so eine Art Grenzstadt. Die Roten, d.h. die Gemeinde Wien, steckten Sozialhilfe-Empfänger in die Werkbund-Siedlung, damit der Anteil der Hietzinger Rot-Wähler steigt. Dann haben sie herausgefunden, dass die gar nicht rot wählen, sondern blau. Pech aber auch. Und dann lassen sie die Häuser lieber leer stehen.

Außerdem gründen sie, die Roten, dauernd Spekulations-Firmen und Vermarktungs-GmbH’s, um sich aus der sozialen Pflicht zu stehlen. Ja, ganz traurig. Eine Bürgerinitiative muss her, sonst verfällt die Pracht.

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Hier noch einmal der großartige Hoffmann-Bau, der renovierte. Damit man sich nicht in Sicherheit wiegt, hier auch der Shabby Chic der Häuser von Clemens Holzmeister.
Holzmeister hat immerhin Ankara projektiert. Vielleicht gibt der Erdogan ein bisserl Geld für die Sanierung?

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