Die Helmut-Qualtinger-Gasse

Qualtinger

 

Weit und breit keine Bank!

Die Helmut-Qualtinger-Gasse liegt im 3. Wiener Gemeindebezirk und ist keine Gasse, an der man so zufällig vorbeikommt. Zum Glück! Denn die Gasse ist nicht wirklich schön. Fremdenführer von Wien -Tourismus werden selten einen Umweg machen, um den Touristen die Helmut Qualtinger-Gasse zu zeigen.
Die Gasse ist gottseidank recht kurz, etwas länger als die Essiggasse und die Blutgasse zusammen. Also, wenn man Helmut Qualtinger-Fan ist, hat man die Besichtigung schnell hinter sich gebracht.
Es liegt mir natürlich fern, die Stadtväter und Stadtmütter zu kritisieren, dass sie dem Qualtinger ausgerechnet diese Gasse gewidmet haben. Vielleicht haben sie das alles vom Schreibtisch aus entschieden, ohne jemals den Genius Loci dieser Gasse eingeatmet zu haben.
Oder – die Gasse ist ja relativ neu und bei der Neugestaltung des Geländes der ehemaligen Wiener Großschlachthöfe entstanden, und es war ganz eilig, einen Namen zu finden.

Die Gasse musste ganz plötzlich benannt werden und dann gab es politische Streitereien. Wir können es uns lebhaft vorstellen: Die Blauen wollten, wie immer, eine Adolf-Hitler-Gasse, weil Schlachthof und Schlächter passt ja gut zusammen, aber wie immer hat Rot „Nein“ gesagt. Die Schwarzen wollten vielleicht eine Martin-Heidegger-Gasse, weil das „Geworfensein in die Kälte der Moderne“ von dieser Gasse vorzüglich symbolisiert wird.

Die Grünen nahmen diesem Vorschlag jedoch den Wind aus den Segeln und riefen lautstark nach der „Fahrradständergasse“, weil wirklich, die Fahrradständer sind das dominanteste Stadtplanungs-Element des ganzen Qualtinger-Quartiers.
Das hat dann wieder zu internen Diskussionen in der grünen Fraktion geführt, weil die Gender-Beauftragte der Grünen sich am „Ständer“ stieß.
Der Bürgermeister Häupl hat dann vermutlich den Namen „Leberzirrhose-Gasse“ vorgeschlagen, um, wir alle sind ja etwas abergläubisch, um mit dieser Geste die Götter zu beschwichtigen und derlei Unheil von sich und seiner Stadt fernzuhalten. Leberzirrhose war ja die letzte Krankheit von Qualtinger. Und das wurde es dann auch, die Qualtinger-Gasse, und die Leberzirrhose fiel durchs Rost, leider. Denn ehrlich gesagt: Ein paar Alkoholiker mit Bierdosen und Doppler hätten gut zur Gasse und zum Qualtinger gepasst, aber: Wo sollen die denn sitzen? Es ist ja, wie überall in Wien, nicht an die Bänke gedacht worden. Überall Fahrradwege und Fahrradständer, aber keine Bänke, auf denen man sich ein wenig mit seinem Doppler unterhalten kann.

Übrigens könnte man die Gasse jetzt wieder umbenennen, weil Filip Gregorowicz dort, mit Iris Dostal, eine Ausstellung gemacht hat. Super-Arbeiten. Filip Gregorowicz-Gasse wäre doch nicht schlecht, und dann bitte den ganzen Beton bemalen, Filip!

Gregorovitch

Außerdem ist mir noch etwas eingefallen: Europa-Gasse. Denn ums Eck ist der alte Eingang zu den ehemaligen Schlachthöfen, wo gerade ein Stier niedergerungen wird. Gleich wird man ihm das Messer in den Hals stoßen. Europa-Gasse. Mein Vorschlag.

Schlachthof

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