Die Innereien-Offensive

Nachdem die Zufallsproduktion feststellen musste, dass das Leben generell aus dem Rhytmus „Ein Schritt vor, zwei zurück“ besteht, rückten die Überlebensstrategien der Vorväter wieder mehr ins Bewusstsein. Mein Großvater beispielsweise ernährte sich ausschließlich von Innereien. Weshalb auch die Gicht sein ständiger Begleiter war. „Schau mir den Fuss nicht an, das tut weh“

Also, die Gicht ist nicht mehr die Geißel der Menschheit, deshalb die Innereien-Offensive. Vor der Fastenzeit haben wir 2erlei Nierndln gekocht, eine traditionell in Karamell-Einbrenn, die andere nouvellig in Creme Fraiche. Die traditionellen Nierndln waren besser.

Nun trafen wir uns zum Beuschel.

Oben links die Köchin Frl. Doris und die Gästin Frl. Karin.

Die Köchin und ich, die Beiköchin, schnitten geschlagene 3 Stunden Herzen und Lungen. Daraus besteht das Beuschel. Dann schnitten wir noch stundenlang Zwiebeln, Salzgurken, Essiggurken, Thymian, Karotten und Sellerie. Daraus besteht das Beuschelkräutel. Plus Majoran.

Arbeitsintensiv, deshalb muss auch die Beiköchin (ich) erwähnt werden.

Dazwischen haben wir noch ein Gulasch gekocht, weil ein Wiener Salonbeuschel bekommt ja immer einen Löffel Gulaschsaft obendrauf.
Gulasch

Die Gäste waren angetan. Z.B. Herr Lukas.
Luke

 

Weil da ja ein sehr intellektueller Blog ist, kommt jetzt die Literatur-Empfehlung:
Claude Levi-Strauss. Das Rohe und das Gekochte. Teil 2 der Mythologica. Wer von Euch Iphone-Besitzern macht sich noch die Mühe, nachzudenken über all die Verfahren, die ersonnen wurden, um mittels Hitze aus Rohstoffen etwas völlig Neues zu schaffen?

 

Punsch

Ein Punschkrapferl beispielsweise ? Welch ein Zusammenspiel von Nüssen, Zucker, Alkohol, Farbe und diversen Temperaturen ?

Jedenfalls machte es Spaß, das Beuschel-Essen, wo wir alle der Kindheit gedachten, der Ahnen, die nur ungern Geld für Lebensmittel ausgaben. Frl. Karin erinnerte daran, dass es zwischen Fischamend, Haslau und Bruck an der Leitha 27 verschiedene Ausdrücke für den Krauthobel gab. Weil ununterbrochen Kraut gehobelt wurde. Der Krauthobel – die Glock des Kleinen Mannes. Die Überlebensstrategie schlechthin!

So besinnlich ging der Beuschel-Abend zu Ende.

Gemäß der Methode „zwei zurück, eins vor“ hat mich Herr Robert mit einem neuen App vertraut gemacht: tooncamera. Da sieht alles aus wie illustriert. Und nicht so grauslig, wie Herzen und Lungen nona so aussehen.

Dank an Herrn Robert für die tollen Fotos. Und Dank an Frl. Doris für die Kochkünste. Und ihre abschließende Bemerkung, nach Bier, Wein und Schnaps: Ein guter Tag für die Lunge, aber ein noch bessere für die Leber.

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