Die Lodengrün-Premiere in der Wiener Staatsoper.

Eben noch waren wir deprimiert  in der orientalischen Plunderbude im MAK, also im grauslichen Teppich-Saal, und schon lenken wir unsere Schritte EUPHORISCH gen Opernring. Denn es gibt 2 Gründe, gut gelaunt zu sein: 1. ist Franz Welser Möst nicht auf dem Theaterzettel zu erblicken und zweitens gibt es Wagner, die Neu-Inszenierung vom Lohengrin.

Ein guter Kalauer unter Wagnerianern und Nicht-Wagnerianern ist ja immer der Lodengrün. Man kann es auch Lodengrien schreiben. Klar, wegen der Deutschtümelei in manchen der Wagnerischen Verse. Man muss halt immer die Ohren zuklappen, wenn Heinrich der Vogler auftritt, ok.

Wagnerianer haben ja ohnehin so sehr klare Prioritäten, erst kommt der Tristan, dann kommt der Ring, dann kommt lange nichts, dann vielleicht der Parsifal, dann vielleicht die Meistersinger, dann kommt lange nichts, und am Ende der Fahnenstange dann der Lodengrün, weil der in jeder amerikanischen Romantic-Comedy bis zum Erbrechen durchgeorgelt wird. Bäh.

Aber das der Andreas Homocki , der Regisseur des Abends, das derart wörtlich genommen hat mit dem Lodengrün, und alle Protagonisten, vor allem den 130 – Mann & Frau starken Chor, in Dirndln und Lederhosen gepackt hat, und sie dann auch noch von Kurz-Dirndl auf Langdirndl und von Knie-Lederhose auf Lang-Lederhose hat umstellen lassen, das riecht schon sehr verdächtig:

Homocki hatte wohl einen Vertrag mit Loden-Frey!

Die Bühne war ok, sie erinnerte mich an die tolle Burgtheater-Inszenierung von Thomas Bernhards Theatermacher, ein holzverkleideter Wirtshaus-Saal. Und da zeigte sich wieder, dass Homocki ( Trotz geldgierigen Vertrags mit Loden-Frey) doch einer von den Guten ist. Wie sie die Tische umdeuten, Kampfarenen und Kirchen andeuten, und vor allem: wie sie spielen! Die Schauspielführung ist so berührend. Wie die Sänger geboren werden, wie sie intrigieren, wie Telramund sich wichtig macht, wie präsent die alle sind, zauberhaft. Homocki hat auch keine Angst vor der Liebe, er zeigt sie, und keine Angst vor der Dummheit, weil die gehört ja dazu.

Das Schöne an Wagners Opern ist ja, dass sie unkaputtbar sind. Die Staatsoper führt seit 1955 eine Statistik, wer der meistgespielte Komponist ist, (Wagner) und sie wollen das anscheinend ändern. Der vorherige Lodengrün war neongelb und eine Katastrophe. Der Tannhäuser ist ein kleinteiliges Klein-Geister-Haus. Der Parsifal der Frau Mielitz wird nach jeder Wiederaufnahme dümpelnder. Der Ring- eine bildgewordene Manifestation dessen, was die Raiffeisenkasse unter Kunst versteht. Und dann noch Welser-Möst, der alles in Grund und Boden schrammeln lässt.  Alles haut sich auf ein Packerl, um uns Wienern den Wagner auszutreiben. Aber wir halten durch.

Heut Abend auf Stehplatz Galerie, unter Connaisseuren: Für 3 Euro bist Du dabei und es machst Spass. Denn die Kritiker dort wissen genau, wenn eine Ortrud floppt. (Ja, Frau Martens, leider sehr) und wenn ein von Fernsehen und Radio gehypter Bariton (Ja, Herr Groissböck) nur wegen seiner langen Beine angestellt wurde. Das Dirigat von Herrn Mikko Frank fand ich ok, aber auch da gab es Buhs, aber der Herr Vogt als Lodengrün wurde echt umjubelt. Der hat ja was. Auch schöne lange Beine und keinen Bauch, und sehr freie Fahrt in der Körperlichkeit. Auch toll, wie schön er artikuliert, man versteht jedes Wort. Mir ist er eine Spur zu sehr Sopran, zu hoch. Ein toller Orlowsky wäre das.

 

 

 

 

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