Die Wunderkammer und der Steuerzahler, Teil 2

Wo waren wir stehen geblieben ? Bei der Vergänglichkeit des Steuerzahlers.
(Zum Glück ist der Steuerzahler genauso vergänglich wie der Steuerprofiteur )

In der so wunderbaren wie trostlos didaktischen (sowie entsetzlich beschrifteten) Wunderkammer findet man so Wunderbares wie das älteste Habsburger-Sammelstück:

Den Saphir-Ring. DATIERT 1400.

Saphirstone

Wunder über Wunder. Kaum 150 Jahre ist es her, dass die armen Habsburger den katholischen Römern den Stephansdom hinstellen mussten. Und ihn bezahlen mussten.
Und schon haben sie sich wieder derrappelt.
Hat der Österreichische Steuerzahler jemals in der Schule erzählt bekommen, wie viel Steuergeld die Habsburger nach Rom überweisen mussten, um diesen romanisch-germanischen Phallus in die slawische Welt zu treiben ??? Ich fürchte, nicht.
Wenn sie es erzählt bekommen hätten, würden sie zweifellos mit jedem Herrn Novak und Nawratil sympathisieren.

Egal, die Habsburger haben sich einen Saphir-Ring geleistet. Ganz rundum. The Oldest Thing in the Kunstkammer.

Bitte schauen Sie sich, wo Sie auch sind, das Bild noch einmal an.
Der Saphir – Ring ist rundum. Keine Metall-Einlagen.
Kein Silber, kein Gold, kein Kupfer, kein Steuerzahler.

Datiert Venedig 1400. Klarste Byzantinische Ware, vermutlich wurde der Rohling im 14. Jahrhundert von Venezianern aus Istanbul geraubt. Und an ehrgeizige Habsburger verkauft. Also, die „Vergänglichkeit“ in Holz ist super. (siehe voriger Beitrag) Aber Begehrlichkeit weckt sie nicht. Aber der Saphirstone. Den hätte ich schon gern. Nicht nur wegen Polanski’s “ Rosemary’s Baby“.

Übrigens schauen wir vom Kunsthistorischen Museum gern mal hinüber zum Naturhistorischen.

Die haben auch manche Wunderkammer. Alle dem Steuerzahler abgeschwatzt.
Saurier, ausgestorbene Walrösser, Rekonstruktion der ersten Humanoiden. Und die Venus von Willendorf…

Veneri2013

Das ist die wohlgefüllte Handtasche der Zufallsproduktion. Voll mit 3 exakten Nachbildungen der Venus von Willendorf. Geschätzt 25.000 vor Christus. Das heißt: Noch kein Steuerzahler weit und breit.

Der CCA (Creativ Club Austria) hat die in der Wachau gefundene Fruchtbarkeitsgöttin trotz ihrer überdimensionierten Schamlippen, die vielen Ästheten pervers erscheinen, als Trophäe für Wachstum und Kreativität erwählt. Und CCA-Ehrenmitglied Gert Winkler hat, obwohl ich keine von ihnen gewonnen hab, sie mir in die Handtasche gestopft. Das nenn ich Wunderkammer.

Alle Veneri gehen an Alessandri Design. Ich bin als Steuerzahlerin sehr erfreut, weil das eine Firma mit Chefin ist.

Übrigens war die CCA Gala 2013 großartig: alle Venüsse, die nicht von Cordula Alessandri gewonnen wurden, gingen an Demner, Merlicek & Bergmann. Für grossartige Arbeiten. Ein gutes Jahr.

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