Du hast mich in Drachenblut gebadet.

Die tiefer liegende Sonne stellt die Uhren auf Lesezeit. Gewärmt hat mich kürzlich Kitty Kinos Roman Die kleinste Berührung. Die Wiener Filmemacherin erfindet eine Welt, in der Menschen, die sich magisch anziehen, bei der kleinsten Berührung in einer Art Urknall in Flammen aufgehen. Auf jeden wartet ein Anti-Mensch, den er heftigst begehrt, der ihm jedoch den Untergang bescheren wird.

Ohnehin schon vorhandene Berührungsängste werden dadurch potenziert. Die Autorin kann ihre cineastische Herkunft nicht verleugnen und schildert das Dilemma äußerst bildhaft, dramaturgische Cliff-Hanger inbegriffen. Wenn die Aufzugtür im brennenden Schacht die Rauchwolken ausschnaubt wie ein zunehmend ärgerlicher Drache… Die beiden Liebenden lösen sich peu a peu aus ihren Ängsten und Verhärtungen, das Drachenblut wird von der Sehnsucht abgewaschen und die sich durch die Liebes-Kugelblitze verändernde Gesellschaft mit strenger Geschlechtertrennung sorgt für komisch-ironische Kontrapunkte. Eine Utopie, die, wie jede gute ihres Genres, nicht sehr weit von der Wirklichkeit entfernt ist. Vielleicht wurde Frau Kino auch von der #metoo – Debatte inspririert ? Ja bitte, lesen! Sehr vergnüglich, sehr liebevoll, sehr nachhaltig.

Um gröbere Berührungen geht es in Reinhard Kleists neuer Graphic Novel Knock Out. Reinhard stellte das Buch vergangenen Freitag im Literaturhaus Wien vor, und er brachte jede Menge Material mit, um die Legende Emile Griffith wieder auferstehen zu lassen.

Reinhard Kleists Hommage an den schwulen Boxer Emile Griffith

Kleists melodramatischer Strich fällt niemals ein Urteil über die Licht- wie auch die Schattenseiten eines Menschen, im Gegenteil, er fügt beide versöhnend zusammen. Hier im Falle des homosexuellen Boxers Griffith. Weltmeister im Welter- , Mittel- und Halbschwergewicht, ging er nur 2 Mal im Laufe seiner Karriere K.O. Ein so gut gebautes wie gut gelauntes Kind der Karibik, war er durch seine schnellen, nicht durch seine harten Schläge erfolgreich. Jedoch einmal wurde er bei Wiegen vor dem Kampf von einem Gegner als Schwuchtel beleidigt, die Wut ließ Griffith ausrasten. Er prügelte los, bis der Gegner ins Koma fiel und später seinem Trauma erlag.

Kleists Biografie handelt natürlich vornehmlich von Schuld und Sühne. Aber natürlich auch von der Unmöglichkeit, Schwarz, homosexuell und unbesiegbar zu sein. Griffith war übrigens auch ein begnadeter Designer von schrillen Damenhüten, eine Leidenschaft, die Wikipedia leider vergisst zu erwähnen.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*