Glyndebourne.

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Glyndebourne liegt etwa 80 km südlich von London, Richtung Hastings. Da wo Willhelm der Eroberer 1066 gelandet ist. Man fährt mit dem Express-Zug von Victoria Station nach Lewes und wird dort mit dem Bus Shuttle abgeholt.

Man geht dort in die Oper. Wie man an den vielen Smokings sieht.
Die Familie Christie hat im Jahre 1934 dort ein Opernfestival gegründet. Sie haben damit unter anderem die von den Nazis vertriebenen Musiker beschäftigt. Und dieses Jahr haben sie das erste Mal Wagner gespielt. Die Meistersinger. Seit März hab ich versucht, Karten aufzutreiben, aber erst am Tag vorher hat es endlich geklappt. Es war alles in allem Sau-Glück. Das muss gefeiert werden. Mit Erdbeeren und Gewürztraminer.

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Ich hatte zum Beispiel F. gefragt, ob er keine Karte für Glyndebourne besorgen könnte. „Keine Chance. Wenn Du zur Hochzeit von Kate & William möchtest, Westminster Abbey, 1. Reihe, das wäre keine Problem. Aber Glyndebourne….nö!“

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Das Wichtigste neben der Oper ist das Picknick in Glyndebourne. Die Gärten sind herrlich und die Oper ist lang. Man braucht Champagner, wahrlweise auch Gewürztraminer aus Chile, Erbeeren und kaltes Huhn.
Das waren meine Nachbarn beim Picknicken, sie hatten es sich gemütlich eingerichtet. Und sie hatten auch wesentlich mehr Equipment mitgebracht.

Ich war natürlich viel bescheidener eingerichtet, im Handgepäck war kein Platz für Klappstühle aus Mahagoni.

Manche Gentlemen waren extrem gut angezogen.

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Er kam extra aus Schottland, und ich erzählte ihm, dass ich extra aus Wien käme. Er lachte und meinte „Suche Karte“. Alle in Glyndebourne sprechen deutsch, schließlich sind sie heute ja Wagnerianer.

Abgesehen von sporadischem Nieselregen war der Tag ein einziges Fest. Man picknickt, betrinkt sich, hört die wunderbarste Musik und lustwandelt im wunderschönen Garten.

Die Engländer haben die sicherlich feinste Art der Gartenkunst erfunden. Alles sieht völlig wild aus, wie im Paradies, und dabei macht das sicher die meiste Arbeit, alles so aussehen zu lassen, als habe man keinen Gärtner.

In den Wiesen hoppelten die Hasen, Fasane stolzierten einher und in diesen Baum hab ich mich regelrecht verguckt.
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Und die Oper? eigentlich sind die Meistersinger ja nicht meine Nr.1-Oper. Aber wenn sie die Engländer aufführen, bekommt man einen anderen Zugang zu gewisser Deutschtümelei. Es wird stimmiger. Die Personenführung war toll, alles hatte Schmackes, wie eine Opera Buffa, was die Meistersinger ja auch streckenweise sind. Eva, Hans Sachs und der Beckmesser waren wirklich berührend schön. Aber das ist fast schon Nebensache beim Gesamtkunstwerk Glyndebourne.

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