Ich Indien.

Wo beginnen? Ich war in Indien. Das ist ein Gewusel! Also, zuerst waren wir in Delhi, was eine gepflegte Beamtenstadt ist. Die Restaurants sind klasse.

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Da waren wir eingeladen, es heißt Veda. Sie kochen gut, neben einem Restaurant in Bangalore ist es das einzige, was vom Conde Nast Verlag in Indien wirklich empfohlen wird.
Wir hatten nur Schwierigkeiten, Kingfisher Beer aufzutreiben.

Wir, das war die Klasse Grafik-Werbung der Angewandten. Es handelte sich um eine Studienreise. Der angenehme Nebenbei -Effekt war, dass die Firma Kingfisher Beer jetzt nach unserer Abreise wieder genug Geld in der Kasse hat, um ein neues Flugzeug zu kaufen. Sie haben nämlich auch eine Airline, die Sympathischste der Welt. Vermutlich kriegt man während des ganzen Flugs Kingfisher Beer eingeflößt, und danach kann man nur Gutes über den Flug berichten.

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Wir können auch nur gutes berichten. Wir waren, wie gesagt, wegen Werbung unterwegs. Etwa 50% der Inder können nicht lesen, deshalb reichen oft Bilder.
Die Wahlwerbung ist oft sehr romantisch. Eigentlich kann man sagen: Schleimig. Wenn man glaubt, die Österreichische Wahlwerbung wäre an Schleimigkeit nicht zu toppen, dann bitte, geht nach Indien.

Bei Ogilvy in Bombay haben sie uns erklärt, dass Gefühle in Indien heftig übertrieben werden müssen. Also, so schaumgebremste Gefühle gibts da nicht. Entweder man ist voll verliebt oder am Boden zerstört.

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Oder völlig stolz, wie hier Dr. Peter Stöckl, mit dem Blumenstrauss, den er vom WLC-College New Delhi verehrt bekam. Eine sehr idyllische Schule für Marketing und Kommunikation, privat natürlich. „There is no business like education“, sagt man in Indien und das gilt sicher auch anderswo.

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Werbung anschauen, Werbeagenturen und Kunsthochschulen besuchen war unser Auftrag. Im Bundesstaat Rajasthan hatten wir auch Zeit für Sightseeing. Hier sind wir im Innenhof einer Moschee, die sich nicht zu schade war, Werbung für Mannerschnitten zu machen.

Mit irgendwas muß man sich ja trösten, denn hier darf man kein Kingfisher Beer trinken. Im restlichen Indien ist es schwierig, aber möglich. und auch ziemlich teuer, die Preise schwanken zwischen 70 und 160 Rupien. Dafür kann man 3 Mahlzeiten bekommen.

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Ja, wenn man nicht aufpasst, steht man da ganz schnell mit leeren Händen da. Wie die Wahlwerbung oben andeutet.

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Diesees Bild haben Sie vielleicht schon im Reiseführer Lonely Planet gesehen. Aber bestimmt ohne Mitch.

Das Taj Mahl haben wir auch besucht. Das sehen Sie auch besser, wenn sie googeln. Hier nur ein Detail.

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Die Muslims haben 18% Marktanteil an der indischen Bevölkerung, aber ansonsten haben sie – wie im Rest der Welt – grad die Arschkarte gezogen. Keine Bildung, keinen Boom, kein Budget und keinen Humor.

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Aber großartige Marktstände. Hier einer, der lustig im Südwind flattert. Kingfisher Beer haben sie, wie gesagt, auch keins, deshalb wenden wir uns jetzt der hinduistischen Götterwelt zu.

 

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Das ist Ganesha, mein Lieblingsgott. Gott der Werbung, des Wohlstandes und der positiven Geschäftsentwicklung. Dieser hier steht in Juhu, einem Stadteil, wo Filmstars eine irdische Heimat finden können. Er wirkt unweit der Statue von Dadasaheb Phalke, dem Erfinder Bollywoods.

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Das ist der Ganesha der Agentur Oglilvy. Für’s liebe Geld gibt es nochmal eine extra Göttin, die heißt Lakshmi. Neben diesen beiden Ur-Sympathen lieben und verehren wir auch Shiva, Lord of the Dance.

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Dieser Shiva lebt auf Elephant Island vor Bombay. Man beachte, wie hoch er das Bein heben kann, und wie ramponiert er ist. Er wurde im 6. Jahrhundert aus Sandstein gemeißelt und im 16. hat man dann in den Tempel-Höhlen ein Munitionslager untergebracht, worauf er sehr litt. Leider gibt es immer wieder Zeitalter, wo man den Waffen mehr vertraut als den Göttern. Natürlich völlig zu Unrecht. Götter sind billiger, effektiver und eleganter als Waffen.

Shiva gilt übrigens als vorbildlicher Ehemann. Er tanzte mit seiner Frau Parvati, er spielte mit ihr Schach, und wenn sie beim Tanz nicht mithalten konnte oder beim Schach verlor, hat er sie immer ermuntert, nicht aufzugeben und es morgen nochmal zu probieren. Die Inderinnen gehen immer Montags in den Tempel und beten dort zu Shiva, er möge für einen guten Ehemann sorgen. Auch das natürlich völlig umsonst.

Bevor ich es vergesse: In Indien gibt es entsetzliche Armut. Aber zum Glück schwebt man nach ein paar Tagen durch die Landschaft wie ein Oberschichts-Inder und nimmt sie überhaupt nicht mehr wahr. Der Oberschichts-Inder ist nicht dumm: Er meint, mit Almosen und Geldgeschenken greift man in das Schicksal (Kharma) des Einzelnen ein. So man eingreift, muß man den Rest seines Lebens Verantwortung für den Beschenkten übernehmen. Gott bewahre! Dieser Verantwortung ist natürlich niemand gewachsen, deshalb gibt man lieber gleich gar nichts. Oder höchstens Bananen.

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Das ist Eva O., noch nicht ganz Oberschichts-Inderin, mit bettelnden Kindern am Strand von Juhu. (Sprich Dschuhu).

Das Meer liegt an einer beneidenswerten Stelle, aber es ist so graubraun, dass niemand Lust auf Erfrischung hat. Warum haben die Idioten keine U-Bahn? Dieser Kleine-Fahrzeug-Hinduismus hat grausliche Nachteile. In Bombay kommt man im Schnitt auf 20 Stundenkilometer, wenn man Auto fährt. Eine entsetzliche Umweltverschmutzung, die zur miesen Kanalisations-Situation hinzukommt. Aber was jammere ich über das verkommene Bombay, es heißt ja jetzt Mumbai. Sie haben es umgetauft, weil sie die Engländer restlos loswerden wollen. Zwar will niemand so recht an Mumbai glauben, aber wir glauben wenigstens an die Engländer. Wie wir im Taj Mahal Palace Hotel den Engländern ein Lakh Gin Tonic geopfert haben, davon erzähl ich später.

3 Comments Ich Indien.

  1. Bildersammler

    Meine Beste,
    es ist wahr, ich wurde an der Kommentarpforte anscheinend schmählich abgewiesen. Dies also ein erneutes Flehen um Gehör, selbst wenn mir natürlich überhaupt nichts zu Indien einfällt.

    Mit besten Grüßen aus der Beliebigkeit

  2. Jürgen MN

    Besten Dank für die Schilderungen. Man sollte sich wirklich vornehmen, nach Indien zu reisen und ein Schelm müßte ich mich schimpfen, täte ich das nicht ebenfalls. Ich warte jetzt nur noch, dass in Bombay ein funktionierendes U-Bahnnetz eingeweiht wird und dass man an einem der sicherlich zahllosen Opernhäuser den Ring des Nibelungen in weniger als sieben Tage aufführt: Dann schnüre ich mein Bündel und reise los. Gruß aus Berlin: Jürgen MN

  3. Daniela

    Kein Bier und nur zwei empfehlenswerte Restaurants? Bedenklich. Und fraglich, ob es sich beim bereisten Land tatsächlich um Indien handelte. Gruß aus Delhi, Daniela

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