Im Bett mit Herrn Novak

Da ich in einer Glückshaut geboren bin, kam GZ (wie gute Zeiten) heute vorbei, verzehrte meinen Broccoli und verehrte mir eine Festwochenkarte für „Faces.“

2 Tage hintereinander ins Theater – ob das wohl gut geht? Es ging. Es stand zwar Freitag auf der Karte, aber Freitag kann ich nicht, also ging ich Donnerstag und niemand hatte was dagegen. Ich mußte bloß meine Schuhe abgeben. Ich hab die Socken auch gleich mit abgegeben, denn sie hatten ein Loch und da hätt ich mich geniert. Das lustige an Faces ist, dass die Zuschauer zu dritt in Doppelbetten placiert werden und zwar nach dem ZUFALLSPRINZIP. Schon mal ein Punkt an Faces. Man muß also zu einem wildfremden Menschen ins Bett steigen, genau wie im richtigen Leben. „Hallo, Grüß Gott“ begrüßte mich der Herr mittleren Alters, der in meinem Bett lag. „Novak, sehr angenehm!“ Er lag äußerst links, ich rückte ganz außen rechts. Er sah zwar sehr humorvoll aus, aber ich hab gedacht, vielleicht kommt ein noch appetitlicheres Wesen und ließ diskret den Platz in der Mitte frei.
Ha, die Strafe folgt der Untat auf dem Fuß! In unsere Mitte stieg eine leider sehr ungraziöse Dame, Typ „Ich bin zwar häßlich, aber dafür werd ich mit meiner Dissertation nicht fertig“. Der Herr Novak schob mir einen bösen Blick über die Kissen. Ich hab dann mit dem Doppelbett gegenüber geflirtet. Das Stück spielte zwischen den Betten, so eine Art Schnitzlers Reigen, in die amerikanische Mittelschicht transponiert. Alle wollen nichts sehnsüchtiger, als sich gegenseitig betrügen, aber weil das Über-Ich so stark ist, schaffen sie es nicht und hauen sich dann aus Frust entsetzliche Gemeinheiten um die Ohren. Außerdem haben sie dauernd geraucht. Ich rauch auch gern im Bett, aber als Zuschauer durfte man das nicht. Das Zigarettenrauchen verkommt immer mehr zu einem Theater-Trick.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*