Kürbisse mögen keinen Wagner.

Jetzt kommt Lob für die Sitcom-Oper „Das Leben am Rande der Milchstrasse“ im Wiener Konzerthaus!
Eigentlich habe ich ja Angst vor moderner Konzerthaus-Musik.
Henze, Zimmermann & Co – alle wollen mir weh tun. Schrilles Gegeige, heimtückische Bläser, die einem das Trommelfell auswedeln wollen, schrille Stimmen und melodiöse Eintönigkeit bis zur Folter. Das hab ich am eigenen Leibe wiederholt erfahren müssen.
Denn der Bildungsbürger zeichnet sich ja auch durch Experimentierfreude und das berühmte Loslassen von Vorurteilen aus. Und so geht man immer wieder hin, ins Moderne Musiktheater, wohl wissend, dass einem da übel mitgespielt wird.

Bei der Sitcom-Oper von Bernhard Gander war das ganz anders: Herrlich war’s ! Ich liebe Oper, also alle Opern bis Weill, und ich liebe Sitcoms. Alle Sitcoms.

Die Sänger (meine Lieblinge sind der Countertenor und die Koloratur-Sopranistin), spielten also eine Mischung aus Stromberg, Dexter und Rigoletto. Zum Glück wurde nicht jeder Dialog gesungen, es gab auch Erzähl-Teile. Sie spielten temperamentvoll, stiegen auf Schreibtische und fielen in Serien-Stereotypen, das Seelchen, die Furie, der abgeklärte Eigenbrötler – dass es eine Freude war. Bühnenbild und Kostüme waren Heiterkeits-Erfolge.

Sitcom2

„Das Leben am Rande der Milchstraße“, die erste Staffel, besteht aus 7 Teilen, gestern gab es nur Teil 1 bis 3. Ein EU-Beamter aus Brüssel, begleitet von seiner blonden Praktikantin, kommt in ein Büro aus Zukunftsforschern, allesamt komische Vögel. Man arbeitet u.a. an einem Konzept zur Trennung des Extraterrestrischen Abfalls. Doch nun soll das Büro evaluiert werden.

Teil 1, der Pilot sozusagen, war noch etwas müde, man musste sich erst kennenlernen. Es gab auch keinen Cliffhanger am Ende. Nach einer kurzen Pause ging es dann ins Archiv zu den geheimen Akten. Der Eu-Beamte findet allerdings nur Leere vor. Der Countertenor, ein richtiger Nerd, verzweifelt bei seinem Versuch, das ultimative Kompositions-Programm zu entwickeln. Im dritten Teil geht die Post ab, es ist Halloween und im Büro steigt eine Party.

Hier ist sie, die Party. Halloween gibt’s Kürbisse, und die, so erfährt man, mögen keinen Wagner. Der Parzifal wird nämlich ausgiebig zitiert, damit sich die Kürbisse fürchten müssen.

Musikalisch ging es nämlich ebenfalls im Laufe der Serie bergauf. Die schrillen Kadenzwechsel hielten sich im Rahmen, es gab freie Interpretationen von Beethovens Neunter und ein köstliches Duett „Revolutionsevaluierung“.

Das Phace Ensemble spielte lässig und temperamentvoll, ein Schlagwerk größer als 2 Sitcom-Sofas, tolle Streicher und ein sehr seltsames Instrument, ein Kontrabass-Klarinette.

Kontrabassklarinette

Schlecht fotografiert, wie Usus auf diesem Blog, aber sehr interessant.

Resümierend kann ich sagen, dass ich als Serienjunkie mich sehr auf Teil 4 bis 7 von „Das Leben am Rande der Milchstrasse“ freue. Ich bin angefixt. Und fast versöhnt mit moderner Musik. Ich hoffe, der Drehbuchautor arbeitet schon an den neuen Folgen. Und der ORF kauft die Serie an. Oder Servus.tv.

Wenn es noch etwas volkstümlicher werden soll, dann könnte man in kleinen Dosen Lachen vom Band einspielen. Nur so als Vorschlag.

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