Maskenpflicht, erträglich mit Bertram Lerche.

Wo uns die Grundrechte dauernd mehr abgeschnürt werden, muss man dem Abschnüren ein bisschen Lust abgewinnen, oder? Wo das Atmen abgewürgt wird, muss man dem Abwürgen auch ein bisschen Lust abgewinnen – Bertram! Ich vermisse Dich. Und jetzt schreib ich eine Hommage an Dich. Du, der Maler, Künstler, Maskenbauer, bist uns 2016 irgendwie abhanden gekommen, gestorben, tot, begraben. Nie mehr interviewbar. Aber Deine doppeldeutigen Artefakte leben irgendwie noch. Und kommen jetzt wie gerufen.

Als ich die Arbeiten das erste Mal sah, war ich fassungslos und gleichzeitig fetischisiert. Bin ja Ethnologin. Die Maskierung des Verlangens ist eine reife Kunst, und bei Dir war es immer so doppelbödig. So ironisch. Ambivalent und asynchron.

Das Profil drängt nach vorne. Weder die Nase noch der Phallus wollen ihre Kontur, ihre Anarchie und ihre Kraft verlieren.

ist das jetzt ein Gesicht, das zum Geschlecht wird oder ein Geschlecht, dass zum Gesicht wird? In Deinen Arbeiten, lieber Bertram Lerche, wird offensichtlich, dass Du nach beidem suchtest und es zu vermählen gedachtest. Harmoniesucht ist ja per se nicht schlecht. Nicht immer schlecht. Die Maske – für den Ethnologen der irrste Fund. Aber mit Fundstücken begnügst Du Dich nicht. Du entwickelst eine neue Sprache, einen neuen Stamm. Einen neuen Code.

Augen verschmelzen mit Eiern und bekommen dann Biss.

Weil Du tot bist, kannst Du das nicht mehr korrigieren, was ich hier schreibe, mir nicht mehr widersprechen. Du hast Deine Artefakte hier gelassen, damit sie antworten. Oder auch nicht. Oh, ich hoffe, die Archäologen des Verlangens werden sie entdecken. Und über die Schamlosigkeit einer Maske nachdenken, die eigentlich ein Ausdruck der Scham sein sollte.

Hole in one. Es gibt noch Kassetten mit Bertram Lerches Hypertrophäen, wer sie erwerben möchte, wende sich vertrauensvoll an die Zufallsproduktion. Mehr Infos gibt es bei Silkes Website ,

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