Mode vs. Fussball

Ich hab nicht WM-Eröffnung geguckt, sondern die Show der Angewandten. Nö, Frau Professor, das kam aber alles ziemlich indistinctive über den Laufsteg gewackelt. Ausgerechnet am Tag, an dem beim PremierenSpiel 6 Tore fielen, gab’s da Fadesse. Was Fußball für Männer, war Mode mal für Frauen, eine Art bedingungslos verschwenderische Kriegs-Simulation mit nicht überschaubaren Side-Effekts. Aber langsam wundere ich mich nicht, dass immer mehr Frauen lieber Fußball schaun als sich gut anziehen.

Ich wär ja gerne Mode-Kritiker, aber es gibt ja keine, nur eine Bande geschmackloser Hofberichterstatter. An allem finden sie nur Gutes, so als ob alle Designer doppelseitige Anzeigen bezahlen. Abgestraft werden Designer nur, indem man sie gänzlich verschweigt. Das ist tödlich, (für die Designer) aber leider überhaupt nicht lustig (für das Publikum). Eine ideale Modekritik hackt auf offen zutage liegende Wunden ein, stellt Blößen der Phantasie und Beleidigungen des Auges fest und macht sich einen feinen Lenz. … (Wunschtraum)

Zurück zur Modeklasse. Kon-Form trotz Inhalt. Am Anfang und am Ende gabs Experiment, (dem Publikum Grund zum dankbaren Jubel) aber dazwischen kopieren die meisten H&M. Wer braucht denn sowas? H&M gibt’s doch schon! Von Show konnte man leider auch nicht sprechen. Wenn die Models mit den High Heels überfordert waren, hätten sie doch eine Paris-Mailand-Satire draus entwickeln können. Wo war der Choreograph? Stoned? Jedenfalls: keiner sang, keine rezitierte, niemand wagte ein Tänzchen. Bierernst alles. Gesponsort von UO Ottakringer.

Aber weit und breit keine Kritik. Beim Fußball dürfen Journalisten Partei ergreifen, beim Theater darf ein Kritiker zur Freude des Publikums eine Produktion in den Abgrund schreiben, ins Aus-und-Vorbei- loben, Stars demontieren. Warum gibt es keine solchen Mode-Kritiker? Vergeigte Stücke bleiben ja züchtig hinter Theatermauern und richten volkswirtschaftlich kaum Schaden an. Aber Mode! Miese Mode evoziert Rückgang der Geburtenzahlen, bewirkt fatale Konsum-Verweigerung, wirtschaftlichen Niedergang, hohe Scheidungsraten, offensive Beleidigung des ästhetischen Empfindens, Zunahme der Brillenträger. Leider ist das allen wurscht. Schande!

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