Nachtrag zum Weltfrauen-Tag.

Den verdanken wir ja den Kommunisten und den Sozialisten. Mit ihren Rosen… Aber immerhin, ich muss jetzt eine Geschichte erzählen. Vor 3 Jahren war ich auf dem Sommerfest eines meiner Lieblingskunden, der Evotec AG in Hamburg. Ich lernte eine bezaubernde junge Frau kennen, Chemikerin und Französin. Sie war Abteilungsleiterin einer Forschungsgruppe mit 12 Mitarbeitern. Und – sie hatte ein 2. Kind bekommen. Und war Hölle nervös, ob sie ihren Job noch schaffen würde. Sie hatte sich nämlich auf 30 Stunden zurücksetzen lassen – sie wollte ja Zeit mit dem Kind verbringen.

Die Nervosität ist das eine. Der Wille, beides, nämlich Kinder und Karriere unter einen Hut zu bringen, das andere. Wenn ihre ehrgeizige Rechnung aufgeht, macht die Firma Gewinn – denn sie muss ja nur noch 30 Stunden bezahlen. Toll, was da am Mehrwert für Unternehmen entsteht. Was ich aber noch interessanter fand war, wie ihre Familie diese Entscheidung aufgenommen hatte.

Die deutsche Schwiegermutter war entsetzt: „Du willst immer noch 30 Stunden arbeiten? Die Kinder brauchen Dich doch. Geh doch bitte mal für 2 Jahre in Karenz. Dein Mann verdient doch mehr als genug und es gibt das Ehegatten-Splitting. Bitte, denk doch mal an die Kinder. Für Chemie ist doch später Zeit genug.“

Ja, soweit deutsche Ansichten. Das Mutterkreuz sitzt uns noch tief im Nacken. Die französische Mutter der Chemikerin war noch mehr entsetzt. „Was, Du willst nur mehr 30 Stunden arbeiten? Was meinst Du, was Dir später dann an der Pension fehlt? Willst Du als unbezahlte Kinderschwester enden? Haben wir Dich deshalb zum Studieren geschickt, damit Du mit Spinatflecken auf der Bluse auf Spielplätzen rumsitzt? Ich wette, da spekuliert eine kinderlose Dame oder ein junger Herr auf Deinen Job. Wenn Du den behalten willst, solltest Du genauso lange wie die im Labor bleiben. Dein Mann verdient doch mehr als genug. der kann doch locker eine Kinderschwester und später ein Au pair bezahlen.

Also, soweit zu Kultur-Unterschieden. Ich hab, als die Kinder klein waren, immer nachts gearbeitet. Briefings musste ich natürlich tagsüber abholen. Als ich den Vater meiner Kinder mal fragte, ob er auf die Kleinen aufpassen kann, schrie er mich an: „Ich bin doch nicht Dein Au pair!“.

Der Kindsvater hat 1.500 Euro Künstler-Pension. Auf diese Summe werde ich vermutlich niemals kommen, weil ich zu oft mit Spinatflecken auf der Bluse auf Kinderspielplätzen herumsaß. immerhin hab ich dabei Krieg und Frieden gelesen, während die Kinder mit blutigen Nasen bei Migranten-Familien Kekse schnorrten. Die waren stets unglaublich großzügig. Schöne Erinnerungen sind auch eine Altersvorsorge. Kulturell bedingt kann man sich manches schönreden.

Vive la France.

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