Offene Luft.

 

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Der bestirnte Himmel über mir und der damit verbundene Geschäftssinn setzen mich tagtäglich in Erstaunen. Klimawandel sei dank, überall gibt es im Sommer Sternguckerei, und damit einem nicht langweilig wird, gibt es eine Musi dazu: Richtig, wir haben Open Air Saison. Auch die Zufallsproduktion kann sich dem Sommer nicht entziehen – eine kleine Reminiszenz ist die Stadion-Bad-Saisonkarte, in dieser Saison eine glückliche Geldanlage. Da es jeden Tag ein halbes Stündchen regnet, meiden die Wiener das Stadion-Bad. Es ist erfrischend leer und man kann seine Bahnen ziehen, ohne dass Buckelwal-ähnliche Kinder dauernd ihre Wasserbomben vor unsereins Nase platzieren. Man schwimmt ungestört auf die sehr nett gestaltete Ottakringer Reklame zu. Ein Kompliment an die Grafiker und Fotografen, welche die Plörre im besten Licht erscheinen lassen.

Doch zurück zum Thema: Die Open Air Saison. Letzte Woche gleich zweimal. Erstens kam M. an und hatte 2 Tickets für den Steinbruch St. Margareten. Man gab Aida, die Creme-Schnitte unter den Verdi-Opern. Da kann man ja nicht nein sagen. Wir organisierten fahrbaren Untersatz, schlüpften ins kleine Schwarze und zogen los. Schon auf dem Parkplatz bemerkten wir die aufsehenerregenden Kulissen – halb Luxor war da in Papier Maché wiederauferstanden und an den Steinbruch geklatscht worden ! Huhu, Tamtam !  Wir waren zeitig, dabei konnten wir noch die Infrastruktur bewundern – Gastronomie, Andenken-Läden und Wolldeckenverkauf, man hatte an nichts gespart.

Außer an den Sängern – die waren leider nicht besonders. Außerdem gab es ein komisches Echo, was weniger an der Akustik des Steinbruchs lag, sondern an der Technik. Sie wurden nämlich verstärkt, aber leider nicht in Echtzeit, sondern, ja, Schall ist langsamer als Licht, zeitversetzt. Im Burgenland scheint das Auge den Vorzug vor dem Ohr zu bekommen, denn weder an Kulissen noch an Kostümen wurde gespart. Der Stoff-Diskounter Müller in Kritzendorf ist auf einen Schlag mehrere Kilometer Lurex losgeworden. Es standen teilweise 120 Mann auf der Bühne. seltsam nur, dass keiner den Mund bewegte. Verdi, der „Vater der Chöre“, hat ja ein gutes Händchen bei der polyphonen Komposition. Aber die Chöre schienen vom Band zu kommen. Orchester war auch keines in Sicht, dafür gab’s ein Feuerwerk und einen Gefangenentrupp aus Traiskirchen.

Wir trösteten uns, dass man im Burgenland einen Musikanten-Stadl nicht von Heavy Metall unterscheiden kann und dass die Leute eh im Öl sind, wegen des guten Rotweins der Esterhazys. Wir  flohen in der Pause, gleich nach dem scheppernden Triumph-Marsch.

Wochenends drauf war Lunz am See angesagt: Das kleinste Open-Air Festival Österreichs, More Ohr Less, auf dem Herrn Kuppelwieser seiner findig konstruierten Seebühne. Großen Dank hier an die Family Roedelius und an B.Geyer, die das Copyright auf das Sommerliche Bild hier hat.

Der Sternenhimmel war klar wie der Lunzer See, aber nicht ganz so kalt. Und die Bands waren ein Ohrenschmaus, allem voran die entzückende Mira Lu Kovacs mit Schmieds Puls.

 

 

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