Todesmutig.

Hurra! Museen sind endlich wieder offen. Sofort geht’s ins Bestattungsmuseum am Wiener Zentralfriedhof. Der Tod macht das Leben erst rund: Feinde heulen, weil Kontrahent sich verabschiedet, Freunde feiern, weil sie einen los sind. Am Mittwoch war ich leider der einzige Besucher, die Mitbürger sind noch im regierungsverordneten Dämmerschlaf. Rausgehen heißt sterben. Und das dürfen wir derzeit nicht.

Todesmutig konnte ich mich im Bestattungsmuseum vielen Gefühlen des Verlustes hingeben. Die Videos von Kaiserin Zitas Begräbnis. Die Parten von Herrn Lueger. Der Leichenzug von Baron Rothschild. Den Beschluss, die Bestattung in Wien der Stadtkasse angedeihen zu lassen und den Undertaker-Scharlatanen diese Einkommensquelle abzugraben. Und, neben pekuniären Interessen gibt es auch Musik. Die braucht man für das Gefühl.

Time to say Goodby führt die Hitliste am Zentralfriedhof an.

Sonst hab ich noch gelernt: 3 Millionen Tote. 4.000 Beerdigungen im Jahr, 80 km Straßen- und Wegenetz, 4000 aufgelassene Gräber im Jahr. Und eine Freude am Sterben. Und da kann ich als Werbetexter nur verbleichen vor Neid.

Ich sterbe vor Neid. Das Tascherl der Bestattung Wien. Warum ist mir das nicht eingefallen.

Dennoch freut es mich ein bisschen, das ich bei Jm und Jn in der Berliner Ackerstraße zu liegen komme. Das Grab auf dem St. Elisabeth Friedhof ist fürchterlich teuer, aber immerhin in protestantischer Erde. Weil keep you informed.

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