Tragödien und Komödien…

Gestern war ich im Theater.

Theater. Furcht und Mitleid. Deshalb geht man ins Theater. Das Kon (servatorium) in der Johannesgasse 4 dramatisierte den ersten aktenkundigen Amoklauf der Neuzeit. 1913 erschoss ein Dorfschullehrer, Ernst August Wagner, seine Frau, seine 4 Kinder, 12 Dorfbewohner, 2 Kühe und etliche Hühner. Er hatte die Tat ( wie Kaiser Wilhelm den 1. Weltkrieg ) 12 Jahre lang geplant. Die Schauspieler versuchten, in deutscher Manier eine Distanz zum Ungeheuerlichen zu schaffen, indem sie brüllten. Und kreischten. Und dennoch – Tragödie hin, Tragödie her- der Irre war zu komisch. Als Amok-Läufer rechnete er mit seiner schnellen Hinrichtung. aber die Psychiater fanden ihn als Beute. Den kann man doch nicht aufs Schafott schicken, der kann uns doch noch manche Planstelle sichern. Ernst August Wagner, der seinen jüngsten Sohn Richard nannte, lebte noch 22 Jahre  nach seiner Tat in der Psychiatrie. Fast fasst einen Mitleid an.

Fast genauso wie beim Wochenende -Kurier: Da fand man ein Interview mit dem entlassenen & gedemütigten Burgdirektor M. Hartmann und seiner engelsgleichen Gattin. Eine Tragödie. Deshalb beeilten sich die beiden, den Kurier-Lesern eine Komödie vorzuspielen: die liebende Gattin und der verkannte Gatte. Irgendwie erinnert das stark an das Schauspieler-Ehepaar Christian & Bettina Wulff in ihren letzten Amtstagen. Scheidung, Dung, Fehlbesetzungen- oh,wir hoffen alle sehr, dass Herr Hartmann vor Gericht Recht und die 2 Millionen bekommt. Damit es ihm so gehe wie Ernst August Wagner. Damit er noch 22 Jahre in den Händen seiner Feinde sei.

Furcht und Mitleid. Und hier noch ein Foto von der Premieren-Feier:

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Die Credits:  Autor: Johannes Hoffmann, Regie: Krzysztof Minkowski, Bühne und Kostüm: Stefan Röhrle.

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