Tristan-Junkies.

Die wunderbare Woche 14 enthielt nicht nur 3 Parties, sondern auch 2 Opern. 2 Opern innerhalb von 6 Tagen, und keine unter 5 Stunden. Ich verdanke GZ (wie Gute Zeiten) den Slogan „Tristan-Junkies“ und verwende ihn hiermit mit Freuden. Denn, liebe Freunde, ist es nicht eine Wonne, in einer Stadt zu wohnen, in der 1000 Menschen nachmittags um 5 in die Oper strömen, um Geldderwerb Gelderwerb sein zu lassen und sich dem Vergnügen hemmungslosen Selbstmitleids hingeben? Untermalt von hemmungslos schöner Musik? Letzteres mit Vorbehalt, denn eine Wagner-Oper ist ja wie eine wirkliche Liebesgeschichte in Echtzeit, lange muß man warten auf die wirklich guten Momente, quälende Zweifel ziehen sich in die Länge, kaum zu ertragende Spannung wird aufgebaut, mit kleinen Ahnungen der Süße, die irgendwann kommen wird, aber bevor sie kommt, schlupft sie ach so oft wieder weg, in den Orchestergraben zurück. Kurzum: Man wartet endlos auf die 6 Takte, auf DIE SECHS TAKTE, die einen dann wieder daran erinnern, dass man sie auch kennt, die tiefen Gefühle, unerwiderbar, die da über uns allen schweben, out there, somewhere. Manchmal genügen ein paar Küsse, um sie wieder herzuholen, manchmal muß es eben Tristan und Isolde sein, und dann ist man froh, dass man nicht alleine da sitzt, sondern mit 1000 anderen Tristan-Junkies inmitten der erlösenden Wolke. Noch einmal eine Viertelstunde Tristan, bitte. Gibt nichts besseres. außer vielleicht der Parsifal.
Da bin ich natürlich nicht nur aus inneren, sondern auch aus Status-Gründen gegangen, weil ich der einzige Parsifal-Junkie bin, der noch nie den Herrn Thielemann live gehört hat. Aber der Herr Moser, der den Parsifal gesungen hat, hat dem leidenschaftlichen Dirigenten die Suppe gründlich versalzen. Das Stimmchen blieb schwach, die Wolke kam nur halb, um uns zu entführen und der Herr Thielemann hat auch verkünden lassen, dass er wie wieder im Herrn Hollaender seinem Wirkungsbereich spielen will.
Dennoch: Tristan und Parsifal in einer Woche – echt gute Kombi. Tristan ist natürlich erlösender. Aber Parsifal kann man dann dauernd vor sich hinsummen….

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