Venedig. November.

Tristan meinte, Venedig ist „Disneyland für Erwachsene“. Keine Autos, kein Industriegebiet, kein Wahlkampf, keine Nazis. Eine entrückte Enklave. Licht. Kirchen. Kunst. Gehen. Ich finde das wunderbar. Ich hoffe, dass ich das noch erlebe, dass alle europäischen Städte keine Autos mehr haben….

Meine lang vertraute Kundin von Trust&Travel hatte mich eingeladen, die neuen Ferienwohnungen im Palazzo Ca`Nova zu inspizieren. (im Eingangsbild der letzte Palazzo auf der linken Seite vom Canale Grande, gegenüber der Punta della Dogana, der so golden leuchtet). Da es Platz für 7 gab, hatten wir auch volle Hütte. Ich kann gar nicht genug betonen, wie schön Venedig im Spätherbst ist, und noch schöner ist es, wenn man ein Refugium hat, wo man sich aufwärmen kann, eine Minestrone kochen, auf Sofas lümmeln, und andere Wiener, die grad in der Stadt sind, zum Frühstücken einladen kann. Donna Elvira, die Hausmeisterin, stellt morgens um 8.00 frische Croissants vor die Tür. Sie füllt auch die Kaffee-Tabs nach und macht die Betten, wenn man sie lässt… Aber wir hatten abends immer so viel zu reden, und Donna Elvira hatte Verständnis, wenn sie nur Croissants und Kaffee auf die Kommode stellen durfte.

 

Hier – clockwise –  Marnie, Tristan, Marianne, Markus, Stefan, Sebastijan. Ich hab fotografiert. Deshalb hier zum Ausgleich ein Foto nur von mir.

Hier waren wir grad auf dem Weg zu San Francesco della Vigna. Im Dunkel der Kirche sieht man die Bilder von Paolo Veronese nicht, deshalb gibt es Opferstöcke, wo man für 50 Cent einen Halogen-Strahler einschalten kann. Stefano hat herausgefunden, dass der Kontakt-Mechanismus schon mit einer 1-Cent-Münze funktioniert. Wir rasten zickzack durch das Längsschiff, und brachten alles für 1 Cent zum Leuchten. Vermutlich werden wir dafür in der Hölle schmoren, aber da treffen wir wenigstens Paolo Veronese.

Auch die zeitgenössische Kunst kam dran. Biennale. Im Arsenale kann ich den Pavillon von Neuseeland empfehlen, in den Giardini den finnischen Beitrag und den schweizerischen. Der deutsche hat mir gar nicht gefallen, der britische unglaublich gut, aber im Nachhinein schäme ich mich für beides.

Lob des Kapitalismus : Damien Hirst hatte zwei Super-Locations mit einer tollen Geschichte bespielt: Ein fiktiver freigelassener Sklave, vermutlich inspiriert von der Neureichen-Bibel Cena Trimalchionis hat es zu Reichtum gebracht und ist Kunstsammler geworden. Nichts ist amüsanter als unglaubliche Aufhäufungen schlechten Geschmackes, er hat sich nämlich viel Plunder andrehen lassen. Das damit beladene Schiff, die Unbelievable, ist untergegangen und alles wurde durch Meeresflora und -fauna verziert. Wie diese zwei Gestalten.

Weil wir schon so gut dabei waren, sind wir auch noch nach San Giorgio gefahren und haben die Pistoletto-Ausstellung im Franziskanerkloster angeschaut und dann sind wir noch in die Fondazione Prada gegangen, wo Alexander Kluge, Anna Viehbrock und Thomas Demand sich zum Thema sinkende Schiffe, lügende Kapitäne austoben durften.

Prada

Und sonst: Italien ist Genuss! Minestrone-Kochen ist ein Vergnügen , weil es diese tollen Mischungen aus Bohnen, Rollgerste, Linsen und Erbsen gibt. Integrale, bitte schön, das heißt Bio!  Dann noch

frischen Porree und Tomaten und Zucchini dazu, geht schon. Der Markt am Rialto ist empfehlenswert wegen Casa di Parmiaggio, 100gr für wohlfeile € 2.- und es gibt dort auch eine Marcelleria Caballo, wo man noch die wunderbar weiche, köstliche und seltene Esels-Salami bekommt. Ausserdem den Tarvisio-Salat, das ist der dunkelrote mit den Tintenfisch-Tenatakel-ähnlichen Blättern. Crush! und ein bisschen bitter.

Wenn einem der Sinn nach einem Imbiss steht, gibt es nur eines: die Rosticceria bei der Rialto_Brücke. Sie liegt etwas versteckt im Sortoportego de la Bissa, aber es lohnt sich, sie zu suchen. Nur Einheimische da und 30 Sorten Tramezini für nur 1,50 das Stück, gebackenen Mozzarella für € 2.- und Cynar-Spritzz gibt es auch. Die Fritto Misto sind butterzart! Das Weiße auf dem Teller ist Polenta, die haben wir natürlich nie ganz geschafft.

Fazit der Reise: Ich geh jetzt bis Jänner in keine Kunstausstellung mehr, weil ich völlig überkunstet bin. Wenn ich in 2 Jahren wieder Lust hab, auf die Biennale zu fahren, werde ich wieder im Spätherbst fahren und wieder bei Trust & Travel wohnen. 2 Terrassen. 4 Schlafzimmer, 3 Bäder sind wohl nicht von der Bettkante zu stoßen. Die Wohnung erstreckt sich über 2 Etagen – herrlich, weil man die Kinder ins Dach schicken kann, welches die Dimensionen eines Ballsaales hat. Und unten ist dann Raum zum Kuscheln in den weichen Sofas.

Und das Licht im Venedig-November ist unglaublich, wie man am Foto ganz oben sieht. Sternstunden der Fotografie,  von Stefan Röhrle, dem genialen Bühnenbildner und Fotografen. Mir ist auch eines gelungen: Nach dem Regen-Tag gab es von der oberen Terrasse Alpenblick. Im Norden die Alpen, im Osten der slowenische Karst. Hier der Beweis…

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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