Voilá: Der große Out-Kneipen-Führer ist da!

Jetzt, nachdem die Rating-Agenturen ein großes Hungertuch über unser schönes Europa breiten wollen, muss ich endlich ein lang gehegtes Projekt in Angriff nehmen:
Den aktuellen Out-Kneipen-Führer für Wien und Umgebung.

(für Wiener: Out-Beisl-Führer)
Es gibt ja schon genug Führer für In-Kneipen, In-Restaurants und Szene-Clubs.

Aber einen Führer durch die Kneipen, die hoffnungslos OUT sind, gibt es bislang noch nicht.

Mein erstes Studienobjekt befindet sich im traditionsreichen Arbeiterbezirk Favoriten, in der Quellenstraße. „Aelbigs Weinhaus“ steht in Neon draußen und alles deutet darauf hin, dass es outer schon gar nicht mehr geht. Die Nacht ist kalt und naß, kleine Schneeflocken sterben auf der Quellenstraße einen schmutzigen Tod, und da freut es uns doch sehr, dass draußen auf der Tür das „Raucher“-Schild steht.

Hier im BIld: Das It-Girl in der Out-Kneipe.

Ja, es war alles da, was vor 40 Jahren mal IN war und nun das glatte Gegenteil: Butzenscheiben, altdeutsche Holz-Lamperie, dicke Gäste. Zentral im Bild: Die Maggi-Flasche.

Der Wirt trug ein blütenweißes Hemd, kein T-Shirt, und fragte nach unseren Wünschen. „2 Achtel Rot“ orderten wir, doch halt: Was er denn empfehle. Zweigelt, Blaufränkischer? Eine Cuvée ?
Nein, es gäbe nur einen Roten. Naja, eigentlich steht ja „Weinhaus“ draußen, heimelig leuchtend über die ganze Quellenstraße. Da denkt man doch, das man irgendwie an einer reichlich sprudelnden Quelle säße. Aber der singulare Rotwein kam, in Out-Gläsern natürlich, nix langstielig, aber die fallen ja auch nicht so leicht um.
Wir scherzten dann noch, dass wir ja auch noch einen Weißen trinken könnten, damit der Magen zu seiner Cuvée käme, also zur Information „Rosé“, aber der Rote war ziemlich gut. Sehr gut, sozusagen. Wir tranken jeder 3 Achtel!!!

Jetzt noch ein Blick in die Speisekarte: Herrliche Out-Gerichte wie der Vanille-Rostbraten. Zu zivilen Preisen. Sensationell günstig sogar die Tiroler Leber.
Leider mussten wir um 22.00 Uhr das Feld räumen, eine frühe Sperrstunde. Nunja, Out – Kneipen haben eben offen, wenn kein In-Typ ausgeht.

Fazit: Diese Out-Kneipe ist super.
– Man spart sich lange Entscheidungen und nutzloses Gegrübel, weil es nur eine Weinsorte gibt.
– Man spart sowieso, weil das Achtel nur € 1,10 kostet. Wenn alle nur noch in Out-Kneipen gehen würden, könnten die Rating-Agenturen zusperren!
– Ich würde sofort wieder hingehen, aber leider muss ich noch 50 anderen Out-Kneipen meinen unbestechlichen Besuch abstatten.

Aligator

Nachtrag: Aelbigs Weinhaus liegt um die Ecke vom angesagtesten Art Space von Wien, der ehemaligen Anker Brotfabrik. Dort gibt es eine Brotkunsthalle, und vor selbiger warteten aus orangem Eis geformte Alligatoren. Das war auch schon das einzig gute Kunstwerk.
Oben, in den In-nigen schicken Loft-Räumen, bei der Ausstellung „Russian Renaissance“, gab es manch Interessantes und viel langweiliges zu sehen, aber ärgerlicherweise gab es keinerlei Beschriftungen und, unglaublich bei einer russischen Eröffnung, Almdudler.
Almdudler.
Ja, Almdudler.
Wo war der Wodka? Wo der Kaviar?

Ärmlich russelnd war diese Eröffnung, einzig die sibirische Punk-Art-Group BLUE NOSE hielt die Fahne der Dekadenz hoch mit ihren Swarovsky-Kristall-Palästen. Herstellungskosten alleine eine halbe Million € ! Ja, da lacht das Sammler-Herz, da kann man noch richtig Geld bunkern.

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