Vom Weinberg nach Starnberg.

Das war eine Tour de Force! 3 Länder in 4 Tagen. It’s Thursday, it must be Munich….

Also, die Ferien haben begonnen und man kann ja nicht genug reisen.
M. und ich machten uns auf nach München, im schönen Bayern, um bei Ludwig Beck am Rathaus-Eck, dem Wäschegeschäft meines Vertrauens, einen Badeanzug zu kaufen.

M. war dafür zuständig, dass ich keinen Fehlgriff tat und sie hat ihre Aufgabe meisterhaft erfüllt. Das Resultat des München-Ausflugs kann man ab morgen im Wiener Stadion-Bad bewundern.

Der Freitag führte uns an den Bodensee. Badeanzüge wollen getauft werden.
Wir besichtigten das schöne Meersburg, Heimat der Anette von Droste Hülshoff. (Ich bezweifle, dass ein einziger Österreicher mit Matura Anette von Droste Hülshoff kennt, aber die Meersburger sind sehr stolz auf sie).
Meersburg liegt schon in Schwaben und besitzt ein großartiges Weingut mit süffigem Riesling. Nach einer monatelangen Schlechtwetterfront war auch in Meersburg der Sommer ausgebrochen, und bei der Hitze verdunstete der Riesling entsprechend schnell im Glas.

Der Abend sah uns in Überlingen. Das ist auch in Baade-Wöddebersch. (Baden-Württemberg für Nicht-Badener) Da wurde im Sommertheater Carl Zuckmayers „Der fröhliche Weinberg“ aufgeführt.

Weinberg

Hier ein Bühnenbild nach meinem Geschmack: Ein einfaches Baugerüst, behangen mit Kunstlaub und sehr fröhlich-tricky illuminiert. Die Schauspieler kraxelten die ganze Zeit innen und außen auf dem Baugerüst herum und offenbarten hübsche Popos und akrobatisches Geschick.

(Die Kostüme waren noch schöner als die Bühne, weil liebevoll von Stefan Röhrle designt, aber das sieht man leider nicht. Man will sich ja den Theatergenuss nicht durch fotografieren verderben lassen)

Die Überlinger Sommerspiele werden übrigens bespielt vom Stadttheater Konstanz. Das ist das Theater mit dem großartigen Prinzipal Christoph Nix, der in seiner vergnüglichen Ansprache auch noch den letzten Statisten über den Grünen Klee lobt. Ein Theater-Direktor, der Teamarbeit liebt, wertschätzt und propagiert. Und nicht „Ich, ich ich“ schreit.

Wie erholsam für uns Wiener und Münchener .

( letzteren wird grade vom Ich-ich-ich Kusej das Theatergehen verleidet, ersteren von Bondy’s bösem Abschiedsgeschenk, dem ekligen Tartuffe).

Jedenfalls: Das Theater Konstanz, knapp eine halbe Stunde per Schiff von Überlingen entfernt, besteht seit 1607 und ist schon darob bekannt für Qualität. Der Fröhliche Weinberg war bereits ausverkauft, bevor eine einzige Kritik im Süd-Kurier erschien.

Ich hab mich erkundigt, was man 1607 so gespielt hat, es gab ja noch keinen Shakespeare oder keinen Lessing. REFORMATIONS-Dramen, das war die Antwort. Böse, zwielichtige Jesuiten, die intrigieren, Jungfrauen verführen und alles Geld von Bade-Wöddebersch an die römischen Borgias ausliefern. Und die dann von guten protestantischen Bürgern entlarvt werden. Richtige Schmonzetten, wunderbar.

Wunderbar auch überhaupt Bade-Wöddebersch.

Schwabenbank

Die internationale Banken-Aufsicht der Zufallsproduktion ist begeistert: Keine Bankenkrise weit und breit. Frisch gestrichen und einladend. Und sie sind auch in die richtige Richtung aufgestellt, nämlich zum Bodensee-Blick. Nicht so wie in Niederösterreich, wo sie dauernd auf die Autobahnauffahrt blicken.

Jedenfalls, der Nach-Premieren-Abend war lang, der Riesling verdunstete in Rekordgeschwindigkeit in den Gläsern und hier noch ein letzter Blick auf Überlingen: Die Eierwärmer beim Frühstücksbuffet.

Übereier

Jetzt ging es schnell mit dem „See-Hänsele“, so der Kosename des Bodensee-Zuges, nach Friedrichshafen, Heimat des Zeppelins. In Friedrichshafen endete das See-Hänsele, weil da ja schon wieder Bayern. Der Bayern-Regio brachte mich nach Lindau. Und die S-Bahn nach Vorarlberg, nämlich Bregenz.
Was noch erwähnt werden muss: Der Bayern-Regio war natürlich verspätet. Die Bayern sind gern später dran bei allem, das ist ihr Beitrag zur Nachhaltigkeit: Zwei, drei hysterische Zukunfts-Stufen auslassen. Vermutlich nicht das Schlechteste.

Jetzt, nach 8 min Verspätung, rannte ich natürlich, weil ich die S-Bahn nach Bregenz erwischen wollte. Aber: Die S-Bahn fuhr an. 2,3,4 Meter.
Ich wollte schon resigniert das Rennen beenden, aber Sie werden es nicht glauben: Da hielt sie wieder. Nur für mich! Sie hielt!
(Wiener Strassenbahn-Lenker, lest das mal und lasst es Euch auf der Zunge zergehen: Die S-Bahn hielt für einen Kunden. Sie hielt für mich!).

Als ich einstieg: Überall glückliche Gesichter! Alle Mitfahrer freuten sich, dass die S-Bahn noch für mich gehalten hatte. Und so beschwingt fuhr ich nach Bregenz – zum Hochzeits-Brunch.

Karinbrunch

Der Hochzeits-Brunch fand auf der Milrütti bei Götzi statt, und eine von diesen 3 Freundinnen hatte geheiratet. Raten Sie mal, welche.
Die Milrütti ist sehr schön und hölzig und liegt auf 1200 m. Der Tina-Shuttle brachte uns bis zum Bus-Shuttle, und der Landbus kurvte dann hoch, in den Bregenzer Wald.
Man muss einen guten Magen haben. Erstens für die waghalsige Busfahrt und dann für das üppige Buffet beim Hochzeitsbrunch.

Zum Glück brachte mich der Tina-Shuttle wieder gut nach Bregenz, am Abend, und da haben wir noch den Kub vom Zumthor besichtig und die Bühne für die Zauberflöte.

Zauberflöte

Da hat man doch gleich wieder einen Grund, nach Vorarlberg zu fahren: Die Monster auf der Bregenzer See-Bühne. Man sieht sofort: Die Monster des Unterbewusstseins können dargestellt werden. Aufklärung, schön und gut, Jesuitendramen auch, aber das ist THEATER! Auf nach Bregenz.

Aber zuerst an den Starnberger See. Am Sonntag (it must be Munich) hatten wir uns zur Pilgerfahrt nach Ambach verabredet. Ambach ist die Heimat von Sepp Bierbichler, der den schönen Roman „Mittelreich“ geschrieben hat. Und von seiner Schwester Annamirl Bierbichler, die Herbert Achternbuschs Filmen die Grazie und die Wildheit der bayerischen Töchter verliehen hat. Ohne Annamirl, wir wissen es nicht, aber es ist schwer zu vermuten, hätte es keine bayerische Phase von Achternbusch gegeben.

Für Annamirl und Herbert und Sepp haben wir die Pilgerfahrt gemacht. Alle 3 sind irgendwie Opfer von Bayern, Märtyrer Bavariensis, aber auch Bayern-Versteher und vielleicht auch Bayern-Erneuerer.

Nun kommen wir Pilgerinnen und Pilger zum Fischmeister in Ambach. Es ist Biergarten-Wetter,  und das Weißbier verdunstet in den Gläsern. St, M, und Ann Poppel, die langjährige Kostümbildnerin von Annamirl.
Wir hatten zum Bier einen Schweinsbraten gegessen. (Die drei wichtigsten Dinge für den Bayern sind Essen und Trinken) und sind dann lange am See spazieren gegangen. Lange. Der See ist nämlich sehr lang. Der See ist auch sehr verbaut, denn wer in München auf sich hält, der hat ein Seegrundstück. Aber alle 7,5 km gibt es ein kleines, etwa 2 m breites Stück See-Zugang, für alle Wanderer ohne Villa.

Beim Wirten in Umbach gibt es auch einen 1 m breiten Bootsanlegesteg. Deshalb hier noch ein Super-Erinnerungsfoto.

Starnberg3

Und da haben wir dann den Badeanzug endlich getauft und S & M meinten, der Starnberger See ist viel wärmer als der Bodensee.

starnberg

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