Wie taktvoll von Ihnen, Franz Welser-Möst.

Jauchzet, frohlocket!  Der Welser-Möst (worse than most) hat den Taktstock abgegeben und wird hinfort nicht mehr vor den Wiener Philharmonikern herumfuchteln. Die Nachricht verbreitete sich heute wie ein Lauffeuer, allerorten heißt es „Jauchzet, frohlocket!“. Aus Berlin erreichte mich die Nachricht, dass JM fürderhin wieder Kirchensteuer zahlen will – weil seine Gebete endlich erhört werden. FWM’s Rücktritt ist nämlich so etwas wie ein Gottesbeweis. Gegen die hammelherdige Mehrheit. Denn kaum ein Wiener wagte je, sein Stimmchen gegen die Krawallschachtel zu erheben. Alle taten immer so, als könne er dirigieren. Nur einige wenige Menschen, die noch nicht ein Neuroth-Hörgerät tragen, wagten das Gegenteil zu behaupten. Sie litten und manch ein Opernbesuch fiel unter den Tisch. Ein scheppernder Tristan, ein Liebestod mit 3000 Dezibel, ein Niedermachen von Ochs und Marschallin, ein Übertönen des Pilgerchores und dergl. vieles mehr.

 

„Künstlerische Differenzen“ werden als Rücktrittsgrund angegeben und das ist nicht gelogen. Ich war auch nie einer Meinung mit ihm. Vor allem hab ich meine Differenzen mit all den Schwerhörigen gehabt, die FMW auf einen Sockel hoben, als wäre er Karajan, Solti und Furtwängler in einer Person. Aber ich bin auch dankbar, dass er von selber gegangen ist. Es hätte ja schlimmer enden können.

Es hätte ja zufällig sein können, dass ein besonders engagierter Opernfreund plötzlich erfährt, dass er noch 3 Wochen zu leben hat. Der Opernfreund schickt sich holländergleich in sein Schicksal und überlegt, was er der Nachwelt noch hinterlassen kann an guten Werken. Dieser Opernfreund hätte sich Nitroglyzerin besorgen und den Orchestergraben während einer heruntergeschrammelten Götterdämmerung in die Luft jagen können.

Hätte er. Aber dann wäre Wien nicht nur von FWM befreit gewesen, sondern die Staatsoper auf Jahre – Stadthallenbad-artig – wg. Renovierung geschlossen. Und es wären auch unschuldige Geiger, Hörner und Harfenistinnen draufgegangen. Es ist wirklich besser so. Eine große Geste. Eine gute Tat.

Alles in allem kann man mit den Rücktritten in letzter Zeit sehr zufrieden sein. Der Herr Hartmann vom Burgtheater, der Herr Spindelegger vom Finanz-Theater, alles weist den Weg in eine bessere Zukunft. Eigentlich ist auch der Rücktritt von Herrn Matt in der Kunsthalle ein Glücksgriff gewesen, denn ich freu mich immer sehr an seiner Kolumne „Der Kunst-Profi“ in der Lieblingszeitung Heute. Vielleicht wird FWM jetzt Musik-Kritiker? Worse than most?

Jedenfalls: Ich bin sehr zufrieden.  Wenn ich in den Spiegel blicke, denk ich mir… “ seht, wie mild und süß sie lächelt…“.

Rache für Tristan ! Yeah!

 

 

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*