Wir sollten sofort auswandern.

ach Du liebe Schweiz! Ein Land zum Verlieben. Und als wir von Vals nach Chur fuhren, da schickte uns der Zufall dieses schöne Haus.

Es ist zu verkaufen! Es liegt an einer Bergstrasse, die unglaublich kurvig ist und jeder zweite Tourist stürzt unweigerlich in die Schlucht. In die tiefe Schlucht. Da hat man immer was zu gucken, wenn die Touristen abstürzen und wenn sie geborgen werden.

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Dem Auerhahn gefällt es auch sehr, das Häuschen. Im Hintergrund steht übrigens, ganz in weiss, Mitzi Buschi. Sie ist nicht in die Schlucht gestürzt, sondern hat ihren Rekord unterboten. Die 594 km von Kronach nach Vals mit 37,1 ltr.
Braves Mädchen.

Unser anderer Reisebegleiter war, wie gesagt, der Auerhahn.
Der Auerhahn fristete Jahrelang ein kärgliches Dasein auf einer Schrankwand in Oberfranken. Wir hatten gedacht, er muss mal raus. Und haben ihn in die Schweizer Alpen gebracht. Er ist total aufgeblüht, nicht wahr?
Das Haus ist jedenfalls echt super.
So viele Meter Balkon, die wir dann, als geübte Zaun-Streicher, schnellstens Limettengrün gestrichen hätten. Unten gibt es eine Werkstatt, in der man seinen Schwingschleifer und seinen Akkuschrauber unterbringen kann.

Endlich könnte ich meinen Traum von einer pornographischen Paravent-Produktion Wirklichkeit werden lassen.
Lorenz, der tolle Puppenspieler, hat uns ausdrücklich animiert, das Häuschen zu erwerben. Er träumt von einer Bandsäge, die natürlich auch Platz hätte in der pornographischen Paravent-Werkstatt.

Und ein weiterer Grund spricht für den Umzug in das nette Schweizer Häuschen:

Der Rhein. Der Rhein heißt ja so, weil er nach Deutschland rheinfließt. Aus der Schweiz kommend. Er fließt erstmal sehr lange durch Graubünden. Und dann in den Bodensee rhein.
Die Deutschen hätten ihn natürlich auch Rhaus nennen können, denn irgendwann fließt er ja wieder aus Deutschland rhaus und nach Holland. Aber diesen Verlust muss man nicht an die große Glocke hängen.

Jedenfalls fließt der Rhein am Häuschen vorbei, und immer, wenn man abends ein Fläschchen RheinRiesling geleert hat, kann man sich gefühlsdusslig an einen Liebesbrief setzen, den in die Rieslingflasche stecken und ab gehts mit der Flaschenpost in den Rhein. Und dann kann man Wolf in Düsseldorf oder Georg in Köln oder Oki in Rotterdam Bescheid geben, dass sie mal nach einer Flaschenpost Ausschau halten. Man muss den Liebesbrief natürlich ein bisserl neutral halten, damit jeder was davon hat.

Jedenfalls: Das Häuschen sollte man kaufen. Wir haben uns jetzt erstmal vorgenommen, im Dezember wiederzukommen. Man muss sich das Ganze mit Schneeketten und bei 17°minus anschauen. Wenn die Südseite dann immer noch im Sonnenlicht liegt, schlagen wir zu.

Aber jetzt kommen wir zum eigentlichen Grund unserer Schweizreise, Die Oper. Die Aufführung der Traviata in Schloss Haldenstein. Hier die Violetta im Anblick ihres Triumphes – in den Armen von Stefan Röhrle, dem begnadeten Bühnen- und Kostümbildner. Die Aufführung, die Derniére, war ein ganz großer Erfolg, und dem Ensemble sind noch eine Reihe von sehr prominenten Gastspielen sicher.

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Ach ja: Es gibt noch einen weiteren Grund, in die Schweiz auszuwandern. Wenn das Konkürsli kommt, was bei den Schweizer Lebenshaltungskosten unausweichlich ist, kann man immer noch mit der Stütze ins Sand-Badi gehen.

Huhu, Chur ist die wärmste Stadt der Schweiz, und es war richtig saunig den ganzen Tag. Aber das Wasser im Sand-Badi stammt von der Plessur, dem Churer Fluss. Es ist rein und kalt wie Sau. Aber man sieht die Kathedrale und die Alpen von da. Noch ein Grund zum Auswandern.

 

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