Freu, freu !

14. Mai 2012

Es ist da ! Das Russland-Visum ist da !

Nun, das ist natürlich nix außergewöhnliches, Visa nach Russland gibts wie Sand am Meer. Besonders ist nur, wie ich dazu gekommen bin. Es war mega-aufregend. Weil, ja weil –

Die Österreichische Post war involviert. Wissen Sie, was ich meine ? Das Visum ist durch die Post gekommen.

Schon als ich vor einer Woche hörte, dass die Visum-Firma in Berlin das Visum samt Pass mit der Post losgeschickt hat, war mit zum Heulen. Frauen am Rande des Nervenzusammenbruchs. Ich kenne die Post in Österreich – von zahllosen Pannen. Der letzte Pass, den ich mit Einschreiben nach Deutschland geschickt habe, war 3 Wochen unterwegs. Keiner wußte, wo er war. Die Deutsche Post schob es auf die Österreichische, und die Österreichische schob es auf die Deutsche.

Dann neulich die Geburtstagspost der Kinder. Da sie eine stattliche Geldsumme enthielt, kam sie natürlich überhaupt nicht an. Gar nicht. Seitdem hab ich eine Devise “Wenn’s wirklich wichtig ist, dann lieber nicht mit der Post”.
Zurück zum Visum. Die Zeit tickt. Der Flieger ist bestellt. Das Visum kommt nicht. Ich, den ganzen morgen zuhause, beschließe, ein Post it am Briefkasten anzubringen. “Bitte lieber Briefträger, bin den ganzen Tag da, Stiege 3, 2. Stock.” Ja, aber der Briefkasten war schon gefüllt. Und es lag auch ein schöner Zettel drin: Einschreiben aus Berlin. Bitte nach dem Wochenende abholen.

Wut, blinde, ohnmächtige Wut packte mich. Ich war den ganzen Morgen zuhause gewesen !
Ich rannte mit der Post und dem Zettel auf die Gasse. Warf mich vor ein Postauto. Durchraste im Zickzack das Grätzel. Schließlich traf ich auf einen hilfsbereiten Briefträger. “Haben Sie mein Einschreiben ????” “Na, dös macht die Kollegin.” Nachdem ich mich in einem Heulkrampf am Boden wand, erbarmte er sich, zog das Telefon heraus und fand tatsächlich die Nummer der Kollegin. Und die kam auch gnädig zurück.

Ich war zu feige, ihr ihre Faulheit an den Kopf zu werfen, warum sie sich nicht die Mühe machte, bei uns an der Tür zu klingeln WO ICH DOCH DEN GANZEN MORGEN ZUHAUSE WAR.
Ich war froh, das Visum endlich in Händen zu halten.
Und ich weiß: so wie mir geht es tausenden ! Nie klingelt einer. Ach, Post.

Eis – heute im Härtetest.

8. Mai 2012

Ja, liebe Leser, in diesem Blog dreht sich fast alles nur um Politik (Die Amici delle SVA, unsere Tolle Facebookgruppe, die gerade die WKÖ das Fürchten lehrt ) und um Genuß.

Realement, Genuß. Heute Temperatur 23 Grad Celsius, wolkenloser Himmel und da strecken sich ja schon …

… 5 aufgeregte Eislöffel in den wolkenlosen Himmel, nur so zum Beweis.
Wir trafen uns heut Abend am Schwedenplatz, um die neuen Ausnahme-Eissorten der Eisdiele Molin Pradel zu verkosten. 4 Tester im Härtesten Eistest Wiens.

Gehen wir gleich in Medias Res: Den Anfang macht Griechischer Yoghurt.

Die Hingabe, die die Schleckerin dem EIs widmet, sagt alles: Ein Hochgenuss. Das leider farblich etwas blasse Eis punktet durch karamelisierte Walnuss-Beigaben, auch ein optischer Clou. Die mollige Konsistenz – griechischer Yoghurt ist ja bekanntlich fetter als Sauerrahm, die feine Säure und die aromatischen Walnüsse lassen nur eines zu: Empfehlen ! Zugreifen, liebe Leser, so ein Eis ist durchaus in der Lage, Vanille vom Siegertreppchen zu stoßen…

Nun kommen wir zu einem weiteren Highlight:

Das SAFRAN-HONIG-EIS.
Der Tester war auf Anhieb begeistert (und vergaß leider, beim Photoshooting gut auszusehen. Deshalb hier kein Bild).
Die Farbe ein lichtes Aprikot, kräftiges Safran-Aroma, der bekanntlich auch in Österreich wächst, als Alpensafran. Wir wissen auch nicht, ob der Eismacher heimischen verwendet hat – das Eis war jedenfalls die erste und durchaus beste Wahl. Gekrönt wurde der Gaumenkitzel durch kandierte Orangenschalen, die sich großzügig verstreut im Eise tummelten. Man hat sie weder zu klein geschnitten noch an ihnen gespart. Die ganze Kreation hatte deshalb Fülle und Charakter, eine Ahnung an das legendäre sizilianische Cassatta-Eis wurde heraufbeschworen und der Honig würzte das ganze noch mit Wald- und Wiesenromantik.
Zugreifen, heißt es auch hier !!!

Leider ist der Eistest nicht nur eine Lobhudelei, denn nun kommen wir schon zu den ersten Flops.

Tja, noch lacht die Testerin, noch hält sie die Pracht in Vorfreude hoch, noch hat sie das Eis nicht gekostet.
Der Klangvolle Namen “CREMANGO – KARDAMON” läßt ja auch das Wasser im Munde zusammenlaufen. Nun, Pustekuchen. CREMANGO KARDAMON entpuppte sich als wohlklingender Reinfall. Weder konnte einer der 4 Tester eine Spur von Kardamon ausmachen, noch zeichnete sich das Eis durch besondere Farbgefälligkeit oder durch tröstliche Konsistenz aus. Die Wässrigkeit hätte man noch verschmerzen können, aber die Mango nicht. Mangos können, überdosiert, die Geschmackspest sein. Hier hätte gegolten: Weniger ist mehr. Dafür lieber mehr Kardamon.

Nun griff der Zen-Meister unter den Eistestern zum Eis seiner Wahl “JAPANISCHER MATCHA TEE”

Natürlich war er sofort von unseren Eislöffeln umringt – alle wollten kosten. Das Fazit: Sattgrüne Farbe, eine Augenweide, sehr bissfestes Eis, weniger cremig als vielmehr kuchig, wenn man das so beschreiben kann. Ein Eis mit “Body”. Den Geschmack kann man durchaus mit exotisch beschreiben, keine Säure, dafür ein paar anregende Bitterstoffe, wie es Grüntee so an sich hat.
Ein Experiment, aber ein gelungenes. Für die Happy Few. Es wird die Schololade wohl nicht von der Beliebtheitsskala verdrängen.

Zum nächsten: INGWER LEMONGRASS.
Ein Eis mit Hindernissen. Erst fand es die Verkäuferin nicht, dann drückte sie uns eine Tüte in die Hand, die wir nach mehreren Porbier-Gängen schließlich als KOKOS enttarnten.
Natürlich trug ich das halbgegessene Eis zurück, Kokos ist wirklich keine Offenbarung.
Die Verkäuferin entschuldigte sich, Lemongras wäre ausverkauft, aber ich log, wir wären extra aus Tulln gekommen, wegen dieses Eises, und da fand sich doch noch ein Kügelchen.

Nun, was soll ich sagen ? So schlimm wie Schlumpf-Eis ist es nicht. Aber ein normales Zitroneneis, oder Zitronen-Sorbet, ist besser. Der Ingwer war genauso nicht vorhanden wie vorhin der Kardamon, das Eis war blaß wie ein zu Tode erschrockener Eisbär.

Schließlich brachen wir unsere Zelte am Schwedenplatz ab und checkten die Eis-Greisslerei in der Rotenturmstrasse.
Es heißt Greisslerei, nicht, weil das Eis so graißlich ist, sondern weil das alt-österreichisch für Krämerladen ist.
Die Eis-Greisslerei ist also eine Konzept-Eisbude, die vermutlich auf Filialbildung und Franchise-System hinaus will. Der Flagship-Store ist frisch, klein, appetitlich und von Konzept-Gastronomen eingerichtet. Eine Schlange windet sich dreimal die Rotenturmstrasse hinauf und hinab, so groß ist der Andrang.

Die Eislöffel zum Beispiel sind in den CI-Farben gehalten, weiß und grün, und nicht so hippiehaft bunt wie am Schwedenplatz.

Aber jetzt höre ich mit dem Genörgel auf: Das Eis kann was. Butterkeks zum Beispiel, Zotterschokolade und vor allem: Himbeer !

Die Himbeere ist eine Wucht. So, und jetzt können wir eine Woche kein Eis mehr sehen.

Die 3. Innereien-Offensive…

5. Mai 2012

… muss leider ohne alles Bildmaterial auskommen. Bries ! Kalbsbries ! war die Devise am 3. Mai und leider hab ich nach dem Sacherkochbuch operiert, so dass keinerlei Zeit zum Fotografieren blieb.

Innereien, so sagt man, sind “Arme-Leute-Essen”. Einerseits. Andererseits ist es auch etwas für Kenner und Connaisseure, wie man auf Global-Niveau so sagt. Kalbsbries, die Thymusdrüse des Rinder-Kindes, ist sicherlich das Nonplusultra der Innereien-Freaks. Ich hab also erstmal recherchiert.

Beim Radatz kostet das Kilo 23.- Euro. Danach ging ich zu Julius Meinl am Graben, da kostet das Bries 30.- Eulen.
Dann ging ich zum Supermarkt meines Vertrauens (Der Sparmarkt in der Salesianergasse) und da kostet das Bries 12,95 pro Kilo.

3 mal dürft ihr raten, wo ich bestellt hab ( bei allen Lieferanten dauert Bries 2 Tage. Das ist natürlich zu berücksichtigen.)

Jedenfalls, das Sacherkochbuch empfahl 24 Stunden wässern und danach 2 mal kochen, 20 min.
Grundfalsch. Nie wieder. Das Bries war hart wie das genmanipulierte Huhn, das man heutzutage so kriegt, und ich hätte es machen sollen wie Opa: frisches Bries in Butterpfanne werfen, kleingehackte Zwiebel dazu, Salz und Pfeffer aus der Mühle. Großartig! Man kriegt ein bisserl Gicht danach, aber das kann man verschmerzen.

Verpasste Chance. Ich steinhartes Bries in Scheiben schneiden und panieren und wie Schnitzel braten. Gäste tun entzückt (weil wenn man eingeladen, macht man das so )
In Wirklichkeit Debakel. Und keine Zeit, die entzückenden Gäste zu fotografieren….

Aber- auch die Innereien-Offensive , so ernst sie sich nimmt, ist ja nur ein Vorwand. Man lädt ja nicht ein wegen des Essens. Sondern nur wegen des Gesprächs.

Die wunderbare Schauspielerin Claudia Sabitzer….

30. April 2012

…. hier im Kreis ihrer Fans (Ausschnitt) anlässlich der Premierenfeier von “Kinder der Sonne” im Wiener Volkstheater. Die Schauspielerin leider hier nur im Profil. Umso deutlicher erkennbar Herr Goran (der sein Preisschild “Cheap” trägt) und daneben die teure Frau Mandy.

Zum Stück: Bühnenbild super, Kostüme ok, Regie locker, Claudia super als liebeshungriger gefallener Engel. Maxim Gorkis Revolutionsstück über die Vogel-Strauss-Politik der herrschenden Klasse erfuhr manch wohltuende Modernisierung. Ein kleiner Schwachpunkt war die Performance von Nanette Waldmann. Die “Junge Naive” des Volkstheaters ist wohl bereits so auf ihre Naivität eingeschliffen, dass sie die Lisa zu opferhaft gab. Das revolutionäre Potential dieser sensiblen Dame kommt nicht wirklich zum Vorschein, so dass das Ende wie angeklatscht wirkt.
Schade.

Der Blog für die Dame: Jetzt Vintage-Handys tragen!

30. April 2012

Mesdames: Was ist das? Es ist teuer, es ist empfindlich, und das ärgste: Ein jeder hat es!
Richtig, wir reden über das IPhone.
Das letztere ist das Schlimmste: 12-jährige Knaben, 50-jährige Hausfrauen, ambitionierte BWL-Studenten und verschlurchte Grafiker, geltungssüchtige 3.-Liga-Fußballer, Grünen-Politiker mit Migrations-Hintergrund, ÖVP-durchtränkte Weinbauern, und. und. und. Wenn Sie Vertreter dieser Gattungen treffen, dann können Sie ruhig Haus und Hof darauf verwetten, dass das IPhone aus der Tasche gezogen – und in Sichtweite auf den Tisch gelegt wird.

Denn das Iphone macht nervös. Der App-Friedhof, den man so mit sich herumträgt, verlangt nach Wartung. Dauernd muss ein neues App appgeloaded oder ein altes App upgraded werden. Außerdem könnte man ja gleich den Google oder den Navitgator brauchen.
Ein Mensch ohne Iphone gleicht dahingegen einem Zen-Buddhisten, der seine ungeteite Aufmerksamkeit dem momentanen Gespräch widmet, sich der Kunst des Arbeitens widmet oder den einen oder anderen Gedankengang verfolgt…..

Neulich hatte ich nämlich 2 junge Damen zu Besuch. Wie auf Kommando zogen sie ihre Mobiltelefone aus der Tasche – und ich zögerte nicht, mein deutsches Telefon dazuzulegen.

Diese 3 Vintage Modelle haben überzeugende Styling-Argumente auf ihrer Seite. Erstens stellt sich beim Anblick Sentiment und Nostalgie ein, Gefühle, die fruchtbarer Boden sein können. 2. zeigt man Stil, denn Understatement in einer Wüste an Phony Protzerei ist die wohltuende Aussnahme. 3. hat kaum jemand noch so ein Telefon.
Keiner. Man kann sich darauf vorbereiten, dass dereinst Unsummen für diese netten, robusten Geräte gezahlt werden.

Wobei wir beim Requiem für die Marke Nokia wären. Was ist aus diesem Brand geworden ?
Wie hat man ihn verkümmern lassen ? Wir alle hatten eins. Haben es geliebt. Haben um es gekämpft, wenn es Mucken hatte. Der Nokia Communicator war einstens das StatusSymbol für erfolgreiche Unternehmer, und jetzt ? Nokia, Nokia, da hat wohl irgendein Brand Manager nicht wirklich aufgepasst. Gut, dass die 3 Damen in meiner Küche die Fahne hochhalten!

Andere schleppen nun halt das IPhone mit uns herum, diesen Alessi-Kessel der 10er Jahre.
Mode ist schon komisch, deshalb ein kleiner Abschweif:
Neulich begegneten mir die Flaschenpudel.

Das muss gut 30 Jahre her sein, dass man Schnapsflaschen im Pudel-Look umhäkelt hat. Oder 40. Der Pudel ist leider sehr aus der Mode gekommen, obwohl man sagt, dass in Düsseldorf oder München schon wieder welche gesichtet werden. Oder New York, aber da nur Königspudel.
Die Schnapsflaschenpudel sind im Vergleich hierzu nur die Proleten-Pudel, irgendwie muss man sich ja von der Bourgeoisie abheben, wenn man einen pudelt.

Die Schnapsflaschenpudelsammlung appears with Courteousy from Herrn Josef, und soll uns gemahnen, dass, vermutlich noch zu unseren Lebzeiten, jemand eine skurrrile Vitrine anlegen wird mit den verschiedensten Ipone 3, 4, 4S und 5 Varianten…..

Die Innereien-Offensive

24. April 2012

Nachdem die Zufallsproduktion feststellen musste, dass das Leben generell aus dem Rhytmus “Ein Schritt vor, zwei zurück” besteht, rückten die Überlebensstrategien der Vorväter wieder mehr ins Bewusstsein. Mein Großvater beispielsweise ernährte sich ausschließlich von Innereien. Weshalb auch die Gicht sein ständiger Begleiter war. “Schau mir den Fuss nicht an, das tut weh”

Also, die Gicht ist nicht mehr die Geißel der Menschheit, deshalb die Innereien-Offensive. Vor der Fastenzeit haben wir 2erlei Nierndln gekocht, eine traditionell in Karamell-Einbrenn, die andere nouvellig in Creme Fraiche. Die traditionellen Nierndln waren besser.

Nun trafen wir uns zum Beuschel.

Hier links die Köchin Frl. Doris und die Gästin Frl. Karin.

Die Köchin und ich, die Beiköchin, schnitten geschlagene 3 Stunden Herzen und Lungen. Daraus besteht das Beuschel. Dann schnitten wir noch stundenlang Zwiebeln, Salzgurken, Essiggurken, Thymian, Karotten und Sellerie. Daraus besteht das Beuschelkräutel. Plus Majoran.

Arbeitsintensiv, deshalb muss auch die Beiköchin (ich) erwähnt werden.

Dazwischen haben wir noch ein Gulasch gekocht, weil ein Wiener Salonbeuschel bekommt ja immer einen Löffel Gulaschsaft obendrauf.

Die Gäste waren angetan. Z.B. Herr Lukas.

Weil da ja ein sehr intellektueller Blog ist, kommt jetzt die Literatur-Empfehlung:
Claude Levi-Strauss. Das Rohe und das Gekochte. Teil 2 der Mythologica. Wer von Euch Iphone-Besitzern macht sich noch die Mühe, nachzudenken über all die Verfahren, die ersonnen wurden, um mittels Hitze aus Rohstoffen etwas völlig Neues zu schaffen?

Ein Punschkrapferl beispielsweise ? Welch ein Zusammenspiel von Nüssen, Zucker, Alkohol, Farbe und diversen Temperaturen ?

Jedenfalls machte es Spaß, das Beuschel-Essen, wo wir alle der Kindheit gedachten, der Ahnen, die nur ungern Geld für Lebensmittel ausgaben. Frl. Karin erinnerte daran, dass es zwischen Fischamend, Haslau und Bruck an der Leitha 27 verschiedene Ausdrücke für den Krauthobel gab. Weil ununterbrochen Kraut gehobelt wurde. Der Krauthobel – die Glock des Kleinen Mannes. Die Überlebensstrategie schlechthin!

So besinnlich ging der Beuschel-Abend zu Ende.

Und so sah es aus. Gemäß der Methode “zwei zurück, eins vor” hat mich Herr Robert mit einem neuen App vertraut gemacht: tooncamera. Da sieht alles aus wie illustriert. Und nicht so grauslig, wie Herzen und Lungen nona so aussehen.

Dank an Herrn Robert für die tollen Fotos. Und Dank an Frl. Doris für die Kochkünste. Und ihre abschließende Bemerkung, nach Bier, Wein und Schnaps: Ein guter Tag für die Lunge, aber ein noch bessere für die Leber. Unsere Leber….

Sic transit Gloria Mundi…

17. April 2012

Ich hab, pünktlich nach Ostern, ein neues Fahrrad. Für € 55 beim Falter – Gebrauchtfahrrad-Flohmarkt erstanden. Schlank wie ein Rennrad aus den 70ern. Überzeugendes Farbkonzept: Fahrrad Lila, Bremskabel hellblau, Schloss Wiener Orange. Man könnte zufrieden dem Sommer entgegensehen.

Aber was ist das ?

- ich ahnungslos bei Sport Experts einen Korb für Gepäckträger besorgend, kommt mir diese Broschüre entgegen. “Wien radelt zur Arbeit”.
Der Offenbarungseid !

Wir können uns kein Benzin mehr leisten, Diesel auch nicht mehr ! Und Öffis sind dank der Grünen auch viel zu teuer ! Wer arbeitet, muss jetzt auch noch Muskeln mitbringen – und aus eigener Kraft dahin kommen !

Diese Großräumige Propaganda-Offensive des bankrotten Wien ( gelegen im Östlichen Drittel des bankrotten Staates Österreich ) läßt mich leicht schaudern. Ich war ja Fahrradfahrer der ersten Stunde, in 1993, als es in Wien noch keinen einzigen Fahrradweg gab, bin ich mit dem Zug, Koffer und Fahrrad aus Hamburg angereist. Der Fahrradfahrer von Damals fuhr auf Straßen und Gehsteigen. Tote gab es kaum.

Heute muss man einen Helm tragen, wenn man einen Fahrradweg benutzt, weil Hinz und Kunz sich kein Auto mehr leisten kann. Und die Radwege wie eine Pistensau zur Formel-1-Strecke macht.

Jedenfalls: Mein biblisches Alter hat auch Vorteile. Wenn die Stadt Wien jetzt das “Radeln zur Arbeit” propagiert, denk ich an China. An Millionen Chinesen auf Fahrrädern. Irgendwann in den 70ern.

Solche Fotos hat man uns damals präsentiert: Als Beweis für die Überlegenheit des Westens, der Volkswagen fuhr. Kleine dumme blaue chinesische Ameisen.

Auf Millionen von schwarzen Fahrrädern. Na danke.

Sic transit Gloria Mundi – so ändert sich der Ruhm der Welt. Die Wiener fahren Fahrrad – und bringen sich damit gegenseitig um – und die Chinesen fahren 7er BMW. Und retten nebenbei unsere Traditions-Marken Rolls Royce, Mercedes und Maserati.

Deshalb meine Bitte: Das Fahrrad nur zu Shopping verwenden. Niemals zur Arbeit damit. Zur Arbeit nur im BMW Z3 Cabrio. Ehrgeiz ist angesagt.

Die Amici delle SVA tanzen auf ! Sparpakets-Walzer und Tango Korrupti !

30. März 2012

Am 28. war es soweit, wir trafen uns bei strahlendem Sonnenschein am Heldenplatz.
Protest gegen die Sozialversicherungserhöhung.

Ursprünglich wollten wir uns ja am Parlament treffen, aber weil Sparpakets-Verabschiedung war, war Bannmeile.
Die Polizei gab mir aber eine Genehmigung für den Heldenplatz.

Ja, zum Glück hatte ich eine polizeiliche Genehmigung. Der Beamte hat mir nicht geglaubt, aber ich hatte es schwarz auf weiß. Sogar der Ghetto-Blaster war genehmigt.

Den Ball eröffneten Christian & Brigitte, in bekannt bester Laune.

Weil der Ghetto-Blaster nicht wirklich Agit-Prop ist, kamen Stefan Sterzinger und Martina Winkler mit ihren Akkordeons. Echter Tango Argentino !

Ich hätte nicht geglaubt, dass ich Tango tanzen kann, aber der Schatzl hat es mir im Schnelldurchlauf beigebracht.

Das Fräulein Doris hatte sich besonders in Schale geworfen – Hier mit Herrn Horvath.

Echte Südamerikaner waren auch da: Rosa und Riccardo. Eine Augenweide.

Hier halte ich meine erste Politische Rede. Vermutlich etwas zusammenhanglos. Ich muss noch üben, 12-Stunden-Reden wie Fidel Castro zu halten, natürlich extemporiert.

Danach hieß es: Alles Walzer.

Es war lustig, sinnlich und schön wie Frau Margit.

Hier ein nettes Gruppenbild mit lästigem Moskito.

Das war der Tango Korrupti gegen das Sparpaket am Heldenplatz. Hier 2 besonders gutgekleidete Heldinnen.

Danke an Alessandra Appel-Palma für die tollen Fotos. Mehr davon gibts auf Facebook unter Amici delle SVA.

Flashmob Tango Korrupti – am 28.3. um 17.30 Uhr vor dem Parlament.

26. März 2012

Herzliche Einladung an alle Dancing Stars, Freiberufler, SVA-Mitglieder und sonstige Anständige Leute:
Wir tanzen vor dem Parlament gegen die 5,71 % mehr Pensions-Versicherungs-Beitrag, den uns die Banken-Affairen der letzten Jahre eingebracht haben. Wir finden, diese “Umverteilung” der Schulden auf den prekären Teil der Bürger nicht angebracht ! Wer Lust hat, einen Tango zu schieben, zieht sich gute Schuhe an und kommt ans Parlament !

Schon wieder Cheap & Out: Lokale im 7. Bezirk.

19. März 2012

Der Wunsch, dem geschätzten Leser möglichst viel Abwechslung zu bieten, spornte uns zu einer neuen Folge “Die Sparpaket-Lokale Wiens” an. Mit bekannt schlechten Fotos, aber genial netten Beschreibungen.
Da S. von einer langen Reise mit dem Flugzeug zurückkam und jetlägerig war, nahmen wir uns diesmal seine unmittelbare Nachbarschaft vor. Das bunte Quartier Lerchenfelderain, zwischen Lerchenfelder Straße und Neustiftgasse.
Auswahlkriterien waren wieder: Günstig, muss aber nicht gut sein.

Wir starteten im Kultur-Café Dialog.

Oh Jemineh, wie bieder ! schüttelten wir uns. Das klang doch sehr nach Migrationsweibchen und saftlosen Wienerinnen, die dem Häupl aus der Stadtkasse einen Obulus abgeschwarzt hatten, wegen Integrationsfeigenblatt etc. Die Furcht, sich dauernd kultiviert zu unterhalten und nix da mit sich einfach kulturlos zuschütten ergriff uns- aber wir dachten, da wir ja noch stocknüchtern waren, sind wir noch dialogfähig. So betraten wir mutig diesen Ort der Zivilisation. Aber, wer sagt’s denn: Eine echte Laser-Show in Grün und Rot und Blau !

Die Chefin hatte sehr viel Aufmerksamkeit auf ein stimmiges Farbkonzept gelegt, das Türkis der Aschenbecher harmonierte sehr gut mit dem Türkis der Wandverbauung. Wir vermuteten, dass Türkis auf griechischen Migrationshintergrund hinweisen könnte, wurden aber von Chefin, Chef und anwesenden Gästen eines Besseren belehrt: es ist kurdisch. Griechische Farben wirken nur so frisch und mediteran, deshalb.
Deshalb beredeten wir dialogmäßig noch kurz die Griechisch-Europäische Situtation, die PKK, die Dialekte und die dialogische Dialektik Deutschlands und Österreichs – in Bezug auf Kontakt ist das Kultur-Café Dialog echt kein Etikettenschwindel.
Man kommt ins Gespräch. Dann nahmen wir noch ein Achterl und dann noch einen riesigen Teller frisch gemachtes Hummus, dann bekamen wir zum Kosten noch ein gefülltes Weinblatt spendiert, und – ja, ganz super. Das Achtel kostet 1,60 – aber vom Feinsten !

Aber wir wollten ja weiter.

Über die Strasse leuchtete uns Frido entgegen. Und obwohl S. mich am Ärmel zog, und wirklich mit Körpereinsatz versuchte, mich davon abzuhalten, stürmte ich dem “Gemütlichen Pub” entgegen. Ich sollte es bitter bereuen.

Dieses Bild sagt alles aus: Himmel und Hölle liegen eng beieinander. Ich war entzückt von Fridos Bierdeckel-Sammlung – aber die super-langstieligen Weihngläser hätten mir zu denken geben sollen. Wein in Out-Kneipen darf maximal seinen Schwerpunkt 8 cm über dem Tresen haben.

Ja, er war grottenschlecht. Kostet genauso 1,60 wie im Kulturcafé, war aber von der Art, die nie einen Weingarten gesehen hat. Wir versuchten zu trinken, indem wir uns die Nase zuhielten, um die Mischung aus Moderkeller und Formaldehyt wenigstens olfaktorisch auszuschalten, allein, es nutzte nix.

Frido soll jetzt nicht am Europäischen Gerichtshof wegen Rufschädigung klagen: Wer Bier mag, ist sicher dort gut aufgehoben. Wein – niemals. Aber Bier. Die Bierdeckelsammlung ist übrigens sehr lustig.

Wir ließen 3/4 des Achtels stehen und suchten das Heil in der Flucht in die Neustiftgasse. Unter uns: die unwirtlichste Strasse Wiens. Den Charme von Bukarest und die Grazie von Sofia wird man hier vergeblich suchen. Immerhin gibt es für Ästhetikgeschädigte die Apotheke.

Ich sag ja immer, mit 50 steht man am Scheideweg. Links ins Wirtshaus, rechts in die Apotheke.
Wie gut, wenn da ein Wirt steht mit Apotheke drauf.

In der Apotheke ist es so dunkel, dass man die liebevolle Deko nicht erkennen kann: Die ganze Decke ist mit Psychopharmaka-Schachteln ausstaffiert. Was für eine tröstliche Idee. Die Gäste sind aufgereiht und haben ihre eigenen Whiskey-Flaschen, wo der Name draufsteht, falls man mal nicht in der Lage ist, die Flasche an einem Abend zu leeren.

Aber weil das Achterl 1,70 kostet, zogen wir gleich weiter. Zu Claudia. Ein klassisches Non-Profit Lokal.

Allen 7.- Bezirklern kann man Claudia nur ans Herz legen. Man findet das Lokal, indem man von der Neustiftgasse zur Lerchenfelder geht, und die erste Stichstraße nach rechts abbiegt. Das Lokal heißt Bernhard (typisch Claudia, die Herren haben immer Vortritt) und es ist sowas von geputzt und gepflegt, dass man nur den Hut ziehen muss.

Claudia bringt einem das Achterl (1,30, sehr gut !) und deutet an, dass das die letzte Runde ist, weil sie ja Frühdienst hat. Während sie einem noch 2 Achterl bringt, bringt sie das Lokal auf Vordermann. Das im Übrigen voll besetzt ist, was das Putzen erschwert.

Hier 2 von Claudias glücklichen Gästen.

Wir machten auch da nette Bekanntschaften, unter anderem eine Dame im besten Alter, die in Claudias Haus wohnt. Sie beklagte sich, dass schon Claudias Vater keinen Aufzug eingebaut hat, als Aufzug-Einbauen noch 200.000 Schilling gekostet hat. Heute kostet Aufzug-Einbauen 200.000 Euro, aber mit 1,30 pro Achterl (Selbstkostenpreis) ist der Aufzug natürlich wieder in weite Ferne gerückt. Die Dame wird wohl dem Gesundheitssystem mit einer Hüftoperation zur Last fallen. Wir finden das auch irgendwie besser, als Claudia zu einem Kredit zu zwingen.

Außerdem besuchten wir noch eine 5. Kneipe, schräg vis-a-vis von Claudia, aber da hat dann das Iphone beim Fotografieren versagt und so richtig nett war es auch nicht.
Ich fiel in ein Taxi und anderntags konnte ich feststellen, dass der Abend (inklusive Taxi ) 21 Eulen gekostet hat. Also: Auf in den 7. Bezirk.

Out-Lokal-Testers Rehabilitation.

19. März 2012

Ja, eins muss man sagen: Wer Tag und Nacht durch die Lokale Wiens zieht, vor allem durch die unschicken, die nicht-angesagten, der spielt wahrlich mit seinen Kräften. Eigentlich setzt man dabei in nicht geringem Maße seine Gesundheit aufs Spiel. Denn – wenn man 10 Achterln konsumiert, kann man mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit sagen, dass mindestens ein Schlechtes dabei ist. Wenn nicht sogar zwei. Das saugt. Kleine Augen, das ist das mindeste, was man davonträgt.

Ja, ein Minimum an Glamour ist da, ein Touch “Anna Magnani beim Casting für Bitteren Champagner” aber im Großen und ganzen ist Rehab angesagt. In der Betty Ford Klinik Österreichs, dem Austerncamp Maria Ellend.
So setzte ich mich am schönen Samstag Mittag in dem luxuriösen Shinkansen ab Wien Mitte ins Grüne, wo man mir die Austern aufbrach und mich dem Sonnenlicht aussetzte. In Folge gab es noch Fußzonen-Reflexmassagen, die erste Hummel des Frühlings, Qualitätsachterln aus Göttlesbrunn (in der Rehab scherzhaft Godless genannt, aber wenn man aus Höfles, genannt Hopeless kommt, ist das schon ein gewisser Aufstieg.)
Die Godlesser glauben wenigstens an ihren Wein, obwohl der Sauvignon blanc eine barbiehafte Rosa-Färbung zeigte. Geschmacklich natürlich tadellos.

Die Austern waren ebenso formidabel.

Man muss sich ja ranhalten mit den Austern, die man ja bekanntlich nur in Monaten mit RRRRR essen darf. Von Mai bis August kommen sie auf Reha und dürfen sich vermeeren. Vermeehren. Oder so.

Jedenfalls: Ein herzliches Danke an die Klinikleitung. Mit welcher Umsicht man hier auf Rosen gebettet wurde, das volle Verwöhn-Programm. Fotos: RH

The best bar is the next bar / der neue Out-Lokal-Bericht.

9. März 2012

Der 826. Weltfrauentag verlief gemütlich, aber weitgehend unspektakulär, kein rauschendes Fest wie letztes Jahr. Aber ein bisserl wollen die Frauen ja gefeiert sein und deshalb gingen Frl. D und ich am 8. März auf einen Pub Crawl.
Im Grätzl, weil da kannte ich ja auch noch nicht alles.

Wir starteten im Malipop, Ungargasse Ecke Beatrixgasse. Die Frau Mali legt nur Vinyl auf (hinten links hochgestapelt) und es rockt und soult nur so. Leider keine echte Out-Kneipe, weil das Achtel Rot kostet 2,20. Fast schon so schlimm wie am Naschmarkt. Es gibt auch kein Achtel Rot, sondern man muss sich entscheiden: Zweigelt, Blaufränkisch oder Cuvée. Das ist schonmal ein Minuspunkt. Ausserdem waren – ungelogen – 9 ehemalige Studenten von mir da. Und wir bekamen, wegen Überfüllung, nur einen Hocker für Zwei. Also – kein Out-Lokal.

Deshalb zogen wir die Ungargasse nordwärts. Richtung Raiffeisen-City. Ein Ottakringer-Schild wies uns den Weg. Die sind meist ein Garant für Out-Lokale…

Schummrige Beleuchtung, da denken wir. im “El Patio” sind wir richtig. Ein Mexikanisches Restaurant, das von einem Kolumbianer namens Hernando geführt – und von chilenischen Gästen frequentiert wird.

Terrra incognita. Wir kamen uns vor wie Alexander Humboldt kurz vor der Besteigung des Chimborazzo. Das war ein Weltfrauentag! Wir unter dicken Südamerikanern, die uns herzten und drückten…

Leider kein echtes Out-Lokal, weil das Achterl Rot kostet € 2,40 ! Zwar hat man nicht die dumme Auswahl zwischen Zweigelt und Blaufränkisch, aber das ist ja doch ein bißchen viel. Deshalb orderte Frl. D. “White Russian”

Dann stießen wir an auf “The Big Lebowsky” und wie viele heitere Stunden wir mit ihm auf der Bowling-Bahn verbracht haben. ( Und dachten mit wohligen Schauern daran,dass, während wir hier White Russian konsumieren, jemand auf unseren Teppich pinkelt. Wie aufregend! )

Nachdem wir von den Chilenen und Kolumbianern fast zu Tode geherzt wurden, entkamen wir noch in die Salesianergasse.
Zu Satchmo.

Innenarchitektonisch ein echtes AHA- Erlebnis. Außerdem gähnende Leere.
Der Chef gewährte uns mürrisch noch eine halbe Stunde, wir konsumierten Tequila, weil uns das die vorherige Kneipe spendiert hatte. Unterhaltungsmäßig kamen wir vom Hundertsten ins Tausendste, und der arme Wirt bekam für eine Stunde umgerechnet € 10.-

Wobei das Achterl 1,80 kostet.

Fazit des Weltfrauentags: Wirte sind super.
2. Fazit: Weltfrauentag und Out-Lokal-Recherche sind nicht unbedingt unter einen Hut zu bringen. Man kann nicht immer alles gleichzeitig haben. Aber die Terra Incognita vor der eigenen Haustüre hat uns doch schon sehr berührt.

Der sinnvolle Out-Kneipen-Führer…heute im Gasthof Unsinn.

6. März 2012

Während die Regierung liebevoll ihr Sparpaket zur Rettung der Rolls-Royce-Besitzer schnürt, wird er wertvoller denn je, der kleine Führer zu den “Cheap & Out”-Lokalen.

Diesmal ist das Beisl wortwörtlich out, es liegt nämlich ganz weit draussen. Weiter draussen geht es eigentlich nicht mehr. Stadtgrenze, sozusagen. Frau M. und ich besuchten einen Biobauernhof, wo wir den Sommer über Ackerbau betreiben möchten. (Viehzucht heben wir uns für 2013 auf.)

Da mussten wir gleich einen Lokal-Augenschein vornehmen. Wer so weit gefahren ist, braucht eine Erfrischung.

Ja, wenn ein Gasthaus “Friedrich Unsinn” heißt, kann man bestimmt nichts falsch machen! In bester Laune betraten wir das Lokal, schließlich war Aschermittwoch.

Ja, da sammer daham ! Die Deko könnte nicht besser sein, ein “Freistaat Bayern” Schild neben der Edlen Edelstahl-Schank ließ mich einen Kloß in der Kehle spüren. Das ist nämlich die Heimat von mir und Kaiserin Sisi.
Der Kloß der Rührung mußte hinuntergespült werden.

Ja, so liebe ich meine verborgenen Wiener Beisln – Zweigelt 1,50 ! Das Beuschel hätte € 4.- gekostet, aber es ist ja leider Fastenzeit…. Nun zu den kundenfreundlichen Zweigelt-Preisen: natürlich teuerer als in der Quellenstrasse, aber dafür ist das Schild auch sehr schön. In der Quellenstrasse hat es sich ja auch nicht um Zweigelt gehandelt, da gab es nur 1/8 Rot. Vermutlich kommen durch den Biobauern jede Menge BioBobos raus in den Franzosenweg, da lohnt sich schon die Anschaffung eines Zweigelts.

Im Marketing sagen wir immer: Zusatznutzen. Der Zweigelt hat einen Zusatznutzen. Wie man auf diesem leider sehr unscharfen Bild erkennen kann, ist Tattendorfer Rotwein eine Quelle der Gesundheit. Ein eindeutiger Zusatznutzen, herkömmliche Rotweine heitern nur auf. Vielleicht sollte ich an die SVA schreiben, dass ich den Zweigelt auf Krankenschein bekomme ? Da würde ich auch die 20% Selbstbehalt ohne Murren, ja, ausnahmsweise ohne jedes Murren, hinnehmen.

Ich hab natürlich Tattendorf gegoogelt, es liegt hinter Baden und bietet ein Agility-Training für Hunde an. Ob die Hunde ebenfalls ihre Fitness dem Tattendorfer Rotwein zu verdanken haben?

Empfehlenswert: Wir zahlten für Zweigelt, Obi G’spritzt und 1 Frittatensuppe € 4,60, durften rauchen, bei gleichzeitig sehr angenehmer Raumluft. Der Herr Ober war jung, schön und herzensfreundlich und das Lokal war ausschließlich von dicken Männern besucht.

Requiem für die Dittatura Erotika

6. März 2012

Vor 2 Wochen war der Staatsbankrott der kleinen Microstaaten auf dem Karlsplatz.
Und hier kommt endlich die Verfassung der DITTATURA EROTIKA.

Dittatura Erotika / Ausser Verfassung.

Geographische und sonstige Lage.
Die Dittatura Erotika entwickelt sich spontan und eruptiv auf jedwedem Längen- und Breitengrad, ganz ähnlich der Schreckensherrschaft des Geldes. Während letzteres aber immer auf Invasion aus ist (je mehr Opfer, desto besser) verfolgt die Dittatura Erotika eine klaustrophobische Exklusivität.

Die durchschnittliche Einwohnerzahl ist eins (hysterisch) , zwei (neurotisch) oder drei (normal).
1 –Quadratmetergerecht. Die Dittatura Erotica kann sich auf kleinstem Raum entfalten.

Wo sie regiert, muss man auf das Schlimmste vorbereitet sein.

Verlust der Würde, Verlust der Fassung, Verrat an Freunden, Paktieren mit Feinden. Schmerzen, Qualen, Wahnsinn, Psychosen. Kontrollverlust.
Mord. Mord des Geliebten, Mord des Nebenbuhlers, Kindsmord. Mord an unbeteiligten Dritten. Amokläufe. Selbstmord. Lüge, Betrug, Vertragsbruch, Sachbeschädigung, Raubmorde, Kriegszüge, innere und äußere Verwahrlosung, Alkohol und sonstiger Drogenmissbrauch, Tod durch Ertrinken in Selbstmitleid, Stalking, Ärger mit der Polizei, Ehr- , Gesichts- und Geldverlust bis zum völligen Ruin, Verlust von Status. Vergewaltigung, Nötigung, Erpressung, Keller. Diverse sonstige Abgründe und Höllenschlunde.

Hitler, Stalin, Pinochet, Marcos, Kim Yun Il, Mao: Kein Tyrann kann so grausam sein wie die Dittatura Erotika. Wer ihr anheim fällt, dem raten wir, sich folgenden 7 rettenden Gesetzen zu unterwerfen. Solange Sie noch ihre Sinne beisammen haben. Vielleicht können Sie das Schlimmste verhindern.

Ausser Verfassung.

§ 1. Gestehen Sie sich absolute Ohnmacht ein. „Dagegen bin ich machtlos“, sagte Marquise de Merteuil.

§ 2. Nehmen Sie den Rest Ihrer Selbstbestimmtheit zusammen und üben Sie sich in Geduld. Hätte Romeo doch nur 3 Minuten an Julias Sarg warten können !

§ 3. Genießen Sie die Segnungen der Literatur. Von Ovid bis Rosamunde Pilcher gibt es genug Erbauung & Trost für die Opfer und Märtyrer der Dittatura Erotica.

§ 4. Gehen Sie unter Leute. Es gibt außerhalb des Dreiecks, welches Sie in der Dittatura Erotica gefangen hält, noch ca. 2 Milliarden alternative Objekte der Begierde. Halten sie sich dabei vor Augen, dass sie bei Objektwechsel lediglich den Teufel gegen den Beelzebub tauschen, dabei aber ihre Widerstandskräfte stärken. Vielleicht.

§5. Machen Sie sich schön. Wenn schon Opfer, soll man es ihnen nicht ansehen. Greifen Sie nicht zum Messer – greifen Sie zum Make up. Nehmen Sie keine Schlaftabletten, nehmen Sie ab!

§6. Kompensieren Sie. Es gibt noch Arbeit, Lyrik, Rosenzüchten, Erfindungsreichtum, Musik. So überstehen Sie das Allerschlimmste.

§7. RÄCHEN SIE SICH NIE ! Egal, wie erniedrigt und beleidigt Sie wurden
(oder wie erniedrigt und beleidigt Sie sich fühlen ) …..

…rächen Sie sich nicht. Weder durch Mord noch Verleumdung noch durch Selbstmord. Sie können sich weder an Hormonen noch an Genen rächen, und wenn sie sich an Menschen rächen, geht der Schuss nach hinten los. Scham, Schande, Schuld und Schabrackentum breitet sich aus über dem, der sich rächt.

Verzeihen Sie den Hormonen, den Genen, den Göttern, dem Objekt ihrer Selbst-Tyrannei und sich selbst.

Amici delle SVA : Der politische Kampf hat grade erst begonnen….

24. Februar 2012

Na bitte: wir (die Amici delle SVA) haben 3004 Mitglieder. Sie kümmern sich um einen Umbau der Gesellschaft, vom Versorgten Beamten hin zum nischenfindenden Entrepreneur. Wir finden: Langweiliger Beamter sein darf nicht länger belohnt werden, erfinderischer Unternehmer darf nicht länger bestraft werden. Wenn Sie ebenso denken: amicidellesva.com

Please join now

Rosenmontag. Staatsbankrott der 1 qm Staaten…

21. Februar 2012

Alles ist lückenlos dokumentiert: Am vergangenen Freitag holte die wunderbare Firma Jüli die 18 Micro-Staaten ab, die 3 Wochen lang den Wiener Karlsplatz beherrscht hatten.

Ein Abtransport mit Folgen…

Also, die Folgen waren großes Bedauern. Könnt ihr die Häusln nicht noch ein bisserl stehen lassen, hieß es von Seiten der Karlskirche. Wirklich. Und ich frag mich: Hätte ich die Dittatura Erotica nicht ankaufen sollen ? So in einer Altbauwohnung kann man doch ein bißchen zusammenrücken, Möbel zusammenschieben, um Platz für einen Quadratmeter Staat zu schaffen….

Jedenfalls: zu spät. Immer das Bedauern, wenn etwas vorbei ist. Wir trafen uns also am Rosenmontag im Künstlerhaus, um clock 12, um Abschied zu nehmen von der Utopie.
Links im Bild Lena von Lapschina und Herr Julius Deutschbauer. Die anderen kann man nicht erkennen, wg. Dunkelheit. Dunkel umflorte Traurigkeit….

Peter Pilz hatten einen Karst-Schinke aus Istrien spendiert, ein ganzes Schweine-Bein, sehr lecker, und ich hatte ein letztes Mal den Cocktail “The Stateless” gemixt. Es gab Staaten-Lose von Marianne Enzensberger und dann hatte Ronnie Zechner seine Ratte mitgebracht.

Die Ratte trug ein politisches Transparent und war richtig schön polemisch. Außerdem war sie auf Rollen, man konnte sie wie einen Hund ausführen… tolle Arbeit.

Außerdem: Rückblickend auf 3 Wochen Micro-Staaten am Karlsplatz kann man schon sagen: Es war eine Hetz. Klirrende Kälte, strahlender Sonnenschein und sogar die Touristen hatten etwas davon. Hier im Hirnstaat von Peter Pilz.

Außer Touristen kamen noch allerhand andere Leute vorbei, auch sehr liebe darunter, zum Beispiel diese 2 netten Delegierten der Künstlergruppe Die Luntisten.

Im Hintergrund: Ronnie Zechners Bankomaten-Ratten-Staat.

Der grosse OUT-Kneipen-Führer. Heute in der Westbahnstrasse.

13. Februar 2012

Lang ersehnt, endlich da: Ein neues attraktives Beisl, völlig vergessen und ohne jeden Szene-Touch. Die Pizzeria xy in der Westbahnstrasse 15, im heimeligen 7. Wiener Bezirk.

Man sieht: Wir haben das Wochenende prima mit Drogen aller Art verbracht. Kennzeichen Nr. 1 für eine gute OUT-Kneipe ist nämlich das Raucher-Zeichen an der Tür. Ja, da kann man sich von Helsinki bis Dublin eine gute Scheibe abschneiden.

Kennzeichen Nummer 2:

GÄHNENDE LEERE . Keiner drin. Da geht der Out-Kneipen-Gänger ganz besonders gern hin. Der Zimmerbrunnen-Designer an der West-Front hat sich zwar einiges einfallen lassen, aber ein Publikumsmagnet ist es nicht geworden. Egal. Wir haben uns amüsiert.

Dabei wären wir bei Nummer 3 der untrüglichen Out-Kneipen-Indikatoren: Kurzstielige Gläser. Da man in Out-Kneipen stets abgefüllt ist, sind kurzstielige Gläser praktisch. Sie fallen nicht so schnell um , wenn man betrunken gestikuliert. Und wenn doch: dann sind sie kostengünstiger zu ersetzen.

Wer trinkt, wird hungrig:

… und, mit Verlaub gesagt, mehr out geht nicht als “Pizza Hawaiiiii”. Ein wahrer Jungbrunnen, fühlt man sich doch mit diesem längst vergessenen 80er-Jahre Gericht in die unbeschwerte Jugend zurückversetzt.

Und damit wären wir auch mit unserer aktuellen Out-Kneipen-Kritik am Ende…
Und das Ende ist die Rechnung…

6 Achtel für 7 Euro 20. Da muss ich sagen, da haben die Hedgefonds mit unserer allgemeinen Enteignung geschlafen. In dieser Pizzeria kann man noch als eleganter Freiberufler mit SVA-Versicherung ausgehen. Chapeau !

Allerdings hatte Out-Kneipen-Tester Stefan kleine Mängel festgestellt:
Die Raumausstattung.

Was da so an Kunst an Wänden und Decken hing, war nicht soooo besonders. Vielleicht eher abturnend, wie man in Berlin so sagt.

Vielleicht liest diesen Blog zufällig ein neuseeländischer Kunstmaler auf der Durchreise…
Bitte gehen Sie in die Westbahnstrasse 15 und drängen Sie den Leuten Ihre Dienste auf !

1 qm Staat: Schnee von gestern…

8. Februar 2012

Ja, das war einmal – bis zum 8. Februar 2012. Da war das United Micro-Art-Nations Visa- Headquarter noch am Wiener Karlsplatz, bei mörderischen Bodentemperaturen und strahlendem Sonnenschein.

Hier die wunderbaren vielfältigen Visa-Stempel der 34 Micro-Nationen im strahlenden Sonnenschein, im Hintergrund Hunderte von Asyl-Suchende. Auf der Flucht vor SVA und anderen österreichischen Ärgernissen.

Wie gesagt, Schnee von Gestern. Ab 9. Februar gibt es die Visa für die UMO Micro-Nations bei Karin Wimmer von Visum.at im Büro Am Modenapark 7, 1030 Wien

Und die Anträge gibt es als PDF-Download auf www.visum.at
Einfach auf Land auswählen gehen und die UMO anklicken. (United Micro-Art-Nations-Organisation.

www.visum.at

Ab

1 Quadratmeter Staat, Fortsetzung.

8. Februar 2012

Nun haben wir vor eine Woche die feierliche Gründung der 37 Micro-Staaten gefeiert, und es gilt allerhand zu berichten.

Erstens sind bereits 29 Visa ausgefüllt worden, die Amtsstunden der UMO in der Wiener Wunderbar werden rege aufgesucht.

Der Blog für die Dame: Stilvoll überleben….

8. Februar 2012

Ja, Mesdames, der Winter macht den Menschen nicht schöner. Obwohl mir da von Herrn S. widersprochen wurde, der findet, dass der Sommer auch viel Häßliches am Menschen zutage bringt, was ja auch stimmt. Aber darum kümmern wir uns, wenn es Sommer ist. Jetzt gilt es bei Minus 12 überleben.
Haube an !

80% der Körperwärme entweicht über den Kopf. Kurzum: Wer eine Mütze, Haube oder einen warmen Hut trägt, kann darunter nackt gehen. Immer Thermo-Sohlen vorausgesetzt.

2. Pelz. Wer einen hat, krame ihn raus. Ich habe einen, und aus Angst vor hysterischen Pelzfeinden hab ich ihn umgedreht. Nerz nach innen, Futter nach außen. Man sieht sehr nach Vintage aus, aber besser als abgefrorene Brustwarzen.

Stichwort Brustwarzen: Man braucht als drittes survival-tool Melkfett.

Unter den vielen Dingen, die ich von Bäuerlichen vorfahren geerbt habe, befindet sich auch diese Dose “Melkfett Sennerinn”. Die Großmutter hatte die Kühe zwar schon in den 70er Jahren abgeschafft, einer sehr unchristlichen bayerischen Schlachtprämie zuliebe, aber Melkfett, Mistgabel und Milchkanne wurden nicht entsorgt. Melkfett ist ein Naturprodukt wie Honig oder Zucker und verdirbt nicht. Weder riecht es ranzig noch reagiert die Haut mit wütenden Ausschlägen. Jeden Morgen von Kopf bis Zeh mit Melkfett einreiben, das ist wie ein Natur-Pelz. Wohlige Wärme breitet sich aus. Und dann zu Douglas und 3 Parfumproben draufstreuen, Das ist ein Geheimtipp, meine Damen.

Friss oder Stirb im Fox House, Westbahnstrasse

3. Februar 2012

Die Luntisten Franka, Fitsi und Lunt haben annlässlich des 20. Stammtisches ein wunderbares Projekt auf die Beine gestellt, bitte hingehen und schauen. Abends um 6 ist immer einer da.

Und ein hübsches Geldkleid gibt es auch zu sehen, (aus den Tagen, als es noch echtes Geld gab und keinen Horror-Euro ) natürlich eine echte Zufallsproduktion aus dem Jahre 2000 .


Foto Lukas Czjzek

1 qm Staat ist eröffnet !

3. Februar 2012

It was hot. It was cold (-10 grad celsius)

DIe Micro-Staats-Gründung am Wiener Karlsplatz.

Von Hartwig Walchers Wackelstaat bis zu WC – Wolech County.

Momentan haben wir nur eine Sorge: Jonni & Stiryan von der Vinzrast. Sie haben die Security auf dem Karlsplatz und schieben in der Kälte ihren Dienst. Ich möchte, dass sie nach Hause gehen, aber sie gehen nicht, aus Frage der Ehre.

Das ist der Piratenstaat von Susanne Neumann. Rote Fahne, und viel Technik und Nerz.

Abends, im Mondlicht, besonders schön: der Hirnholz-Staat von Peter Pilz.

Ohne Geld ist kein Staat zu machen: Deshalb hat Valentina Wercera “Monetarien” gegründet. Man ruht sanft auf Kissen aus ungültigen Banknoten des 20. Jahrhunderts.

Fortsetzung folgt.

PS: wollt noch sagen: die Kino-Vorführung von Paul Poets Film “Empire me” war gut super und gut besucht, weil Kino wärmer als draußen. Herr Philipp vom Interconti Wien hat seinen Super-Cocktail “Stateless” gemixt.

Ohne Frack & Fliege. Aber dann gab es gleich die Stateless Bottles

Gin von Beefeater, occupied von UMO ( United Micro-States Organisation )

und jede menge gutgelaune Trinker und Trinkerinnen.

hier 3 staatenlose Trinkerinnen. Aufgrund der Minus-Grade war der STATELESS dick wie Öl. Und ein großer Dank ans Künstlerhaus-Café, dass wir diese unterminierende Veranstaltung haben machen können.

Fortsetzung folgt.

Follow UMO on Facebook…

1 qm Staat – die große Karlsplatz-Paktion.

24. Januar 2012

Morgen in einer Woche ist es soweit:
Die feierliche Eröffnung von 35 brandneu gegründeten Microstaaten.
Internationale und Staatenlose Künstler beschreiben ihre Verfassung und wagen eine neue Sezession.

Ort: Wien, Karlsplatz / Resselpark

Zeit: 1. Februar, 12.00 Uhr:
Inaugura mit Paul Poet & Stimmgewitter

14.00 Uhr im Künstlerhaus- Kino:
“Empire Me” von Paul Poet, & “Gelée Royale” von Antje Knapp.Eintritt frei.

Apero: Der Cocktail “Stateless”, gemixt von Herrn Phillip (Courtesy of Interconti Hotel)

Herzliche Einladung !

Der Feinste Christbaum der Stadt

24. Januar 2012

Was ist das nur für eine jämmerliche Unsitte, den schönen, teuren Christbaum am 7. Jänner abzuschmücken und achtlos auf die Straße zu werfen ! Barbarisch. Wozu hat das Wesen sterben müssen?

Zum Glück gab es in der Tigergasse 11 die winderbare Jänner-Karaoke-Party mit Illustren Gästen. Und da wurde der Christbaum schön ordentlich an die Decke gehängt und mit neuem Putz versehen.

Der Dresscode lautete übrigens: Oben ohne. Das war eine Party!

Voilá: Der große Out-Kneipen-Führer ist da!

18. Januar 2012

Jetzt, nachdem die Rating-Agenturen ein großes Hungertuch über unser schönes Europa breiten wollen, muss ich endlich ein lang gehegtes Projekt in Angriff nehmen:
Den aktuellen Out-Kneipen-Führer für Wien und Umgebung. (für Wiener: Out-Beisl-Führer)
Es gibt ja schon genug Führer für In-Kneipen, In-Restaurants und Szene-Clubs.

Aber einen Führer durch die Kneipen, die hoffnungslos OUT sind, gibt es bislang noch nicht.

Mein erstes Studienobjekt befindet sich im traditionsreichen Arbeiterbezirk Favoriten, in der Quellenstraße. “Aelbigs Weinhaus” steht in Neon draußen und alles deutet darauf hin, dass es outer schon gar nicht mehr geht. Die Nacht ist kalt und naß, kleine Schneeflocken sterben auf der Quellenstraße einen schmutzigen Tod, und da freut es uns doch sehr, dass draußen auf der Tür das “Raucher”-Schild steht.

Hier im BIld: Das It-Girl in der Out-Kneipe.

Ja, es war alles da, was vor 40 Jahren mal IN war und nun das glatte Gegenteil: Butzenscheiben, altdeutsche Holz-Lamperie, dicke Gäste. Zentral im Bild: Die Maggi-Flasche.

Der Wirt trug ein blütenweißes Hemd, kein T-Shirt, und fragte nach unseren Wünschen. “2 Achtel Rot” orderten wir, doch halt: Was er denn empfehle. Zweigelt, Blaufränkischer? Eine Cuvée ?
Nein, es gäbe nur einen Roten. Naja, eigentlich steht ja “Weinhaus” draußen, heimelig leuchtend über die ganze Quellenstraße. Da denkt man doch, das man irgendwie an einer reichlich sprudelnden Quelle säße. Aber der singulare Rotwein kam, in Out-Gläsern natürlich, nix langstielig, aber die fallen ja auch nicht so leicht um.
Wir scherzten dann noch, dass wir ja auch noch einen Weißen trinken könnten, damit der Magen zu seiner Cuvée käme, also zur Information “Rosé”, aber der Rote war ziemlich gut. Sehr gut, sozusagen. Wir tranken jeder 3 Achtel!!!

Jetzt noch ein Blick in die Speisekarte: Herrliche Out-Gerichte wie der Vanille-Rostbraten. Zu zivilen Preisen. Sensationell günstig sogar die Tiroler Leber.
Leider mussten wir um 22.00 Uhr das Feld räumen, eine frühe Sperrstunde. Nunja, Out – Kneipen haben eben offen, wenn kein In-Typ ausgeht.

Fazit: Diese Out-Kneipe ist super.
- Man spart sich lange Entscheidungen und nutzloses Gegrübel, weil es nur eine Weinsorte gibt.
- Man spart sowieso, weil das Achtel nur € 1,10 kostet. Wenn alle nur noch in Out-Kneipen gehen würden, könnten die Rating-Agenturen zusperren!
- Ich würde sofort wieder hingehen, aber leider muss ich noch 50 anderen Out-Kneipen meinen unbestechlichen Besuch abstatten.

Nachtrag: Aelbigs Weinhaus liegt um die Ecke vom angesagtesten Art Space von Wien, der ehemaligen Anker Brotfabrik. Dort gibt es eine Brotkunsthalle, und vor selbiger warteten aus orangem Eis geformte Alligatoren. Das war auch schon das einzig gute Kunstwerk.
Oben, in den In-nigen schicken Loft-Räumen, bei der Ausstellung “Russian Renaissance”, gab es manch Interessantes und viel langweiliges zu sehen, aber ärgerlicherweise gab es keinerlei Beschriftungen und, unglaublich bei einer russischen Eröffnung, Almdudler.
Almdudler.
Ja, Almdudler.
Wo war der Wodka? Wo der Kaviar?

Ärmlich russelnd war diese Eröffnung, einzig die sibirische Punk-Art-Group BLUE NOSE hielt die Fahne der Dekadenz hoch mit ihren Swarovsky-Kristall-Palästen. Herstellungskosten alleine eine halbe Million € ! Ja, da lacht das Sammler-Herz, da kann man noch richtig Geld bunkern.

Ein weites EulenSpiegelfeld.

15. Januar 2012

Vorgestern gab es Geschichte als Vorspeise.
Als Hauptgang Kreisler und Caesar Cui,
Danach ein prachtvolles Chicken Curry.

Zur Geschichte. Oder zu den Geschichten. Christian Zillner las aus seinem Epos “Spiegelfeld”, im Beisein etlicher Spiegelfelds.
Elf Bände, jeder einem anderen Zeitalter und anderen Vorfahren der zeitlos-paradigmatischen Familie Spiegelfeld gewidmet. Man hört im ersten Band von Kindern, die im 10. Jahrhundert von Südtirol nach den Insel Reichenau im Bodensee wandern, nur weil sie dort eine Schulbildung in Aussicht haben. Auf der Reise, kein Spaziergang, wechseln sich das nackte Grauen mit den totalen Katastrophen ab. Düsterer kann ein Mittelalter nicht sein.
Im letzten Band, in den 90ern des letzten Jahrhunderts, stirbt ein Graf Spiegelfeld auf einer Wolga-Kreuzfahrt, bei dem Kinderspiel “die Reise nach Rom”. Er überließ seiner Gattin den letzten Sessel und sank zu Boden und starb. Dazwischen gehts bergauf und bergab, teils wahr, teils erfunden, teils richtig gut erfunden. Die Spiegelfelds sind bessere Leute, ohne Zweifel, aber eigentlich sind sie erst ab dem 17. Jahrhundert in die Nomenklatura aufgestiegen.
Davor muss es trotzdem irgendwelche Ahnen gegeben haben, Mongolen, Beguinen, Mürzzuschläger. Die kann man sich ausdenken, wenn man in Geschichte bewandert ist, so wie Christian Zillner. Der wusste auch zu berichten, dass die Familie eigentlich Matz-Spiegelfeld heißt, und im für den Adel so harten Jahr 1919 mit der Drohung konfrontiert war, zu nackten Matzen zu verkommen. Allein, sie kämpften, vielleicht bestachen sie sogar, und so verschwand das Matz, damit das Spiegelfeld nur umso heller erstrahlte.

Ich glaub, die wünsch ich mir nächstes Jahr zu Weihnachten. Denn man glaubt ja, laut Christian Zillner, wieder vermehrt an einen Herodotschen Geschichtsbegriff. Weg mit fen Fakten, her mit den Mythen. Sie müssen nur einem Zweck dienen, nämlich Furcht, Mitleid und Identifikation erwecken. Gelungen. Und schön sehen sie auch noch aus, erschienen, hört, im Dornröschen – Verlag.

Das Wunder von Wörgl….

15. Januar 2012

Ja, jetzt isses weg: Österreichs Triple-A- Rating.
Böse, böse Rating -Agenturen. Das ist bestimmt eine geschobene Partie gewesen. Doch halt! Es kann auch sein, dass die Rating -Agenturen doch mal durchs Land gezogen sind und dabei über unermesslich große Beamtenburgen gestolpert sind, über Wirtschaftskammern, Ärztekammern, Apothekerkammern, Gewerkschaften, und über die Prunk- und Prachtbauten der SVA.
Ja, dachten die guten Leute, da kann man ja nicht mehr länger zuschauen, bei diesen Produktivitätsvampiren. Wenn dann nicht gleich das zweite A weg ist. ….

Für die Zufallsproduktion ein Grund, auf den Plan zu treten und Lösungen vorzuschlagen. Wenn es nicht mehr so flutscht mit dem Euro, sollte man flugs ein neues, eigenes Geld drucken.

Dafür gibt es ja ein großes Vorbild: Das Wunder von Wörgl.
In den frühen dreissiger Jahren war in Wörgl, Tirol, das Geld fast noch knapper als heute. Es gab dafür Schulden, Niedergang, Arbeitslosigkeit. Wenn der Bürgermeister was investieren wollte, hat er nicht einmal einen Kredit bekommen. Deshalb hat Wörgl kurzum sein eigenes Geld gedruckt. Das Freigeld. Genauer gesagt:
Das Schwundgeld.

Das Schwundgeld ist eine feine Sache: Es wird jede Woche 5% weniger wert. Also, Sie kriegen am 1. Mai 20 Knochen. Die werden datiert. Und am 8. Mai ist der Knochen-Schein nur noch 19 Wert. Und am 15. nur noch 18.
Wer sein Geld auf dem Stand halten will, muss Zusatz-Marken draufkleben. Jede Woche einen Knochen. Das wird teuer auf Dauer, deshalb gibt man das Geld am besten gleich aus. Und fügt der Wirtschaft neuen Schwung zu. Denn wer es einnimmt, muss es ebenfalls bald wieder loswerden….

Weil wir beim Knochen sind: Ein paar Künstler am Prenzlauer Berg haben Mitte der 90er auch eine Art eigenes Freigeld gedruckt. Den Knochen. Es gab 30 Kneipen, die Knochen als Zahlungsmittel akzeptiert haben. Auch der Knochen verlor Woche für Woche an Wert, deshalb hatte man allen Grund, ihn ganz SCHNELL in die Kneipe zu tragen.

Knochen hieß dieses Freigeld deshalb, weil die Künstler meinten, das alte Sprichwort mit dem “stinkt nicht” sei nicht richtig. Wie alte Knochen beginnt Geld zu stinken, wenn es nicht zirkuliert.

Die Knochen vom Prenzlberg waren übrigens wunderbar gestaltet, dieser Schein hier vergleiche einen Orgasmus mit 500 Kalorien, vulgo mit 20 Knochen. Gar nicht so abwegig, weil ein Orgasmus ist ja auch Wochen danach viel weniger wert.

Jedenfalls: In Berlin habe ich damals beim Knochentausch erfahren, wie einfallsreich die Gemeinde Wörgl mit ihrem SPÖ-Bürgermeister Michael UNTERGUGGENBERGER war. Was für ein Name ! Und dann auch noch SPÖ! Und angeblich wurde alles im Gemeinderat mit größter Einigkeit beschlossen.
In einem Jahr gelang es Unterguggenberger, die Arbeitslosigkeit um 25% zu senken, während sie im restlichen Österreich im gleichen Zeitraum um 20% stieg.
Unterguggenberger wurde berühmt, aus aller Welt kamen Anfragen und Unterguggenberger wurde es verwehrt, in die Schweiz einzureisen, aus Angst, er könnte sein Modell dorthin exportieren.

1933 kam es dann – unter Androhung des Einmarsches der Armee – zum Ende des Wörgler Experiments. Schon vorher hatte die Nationalbank sowie die Regierung mannigfaltig mit Sanktionen gedroht, doch die Tiroler Behörden haben – tja, das passiert- dauernd die Anklageschriften verlegt oder an die falschen Unterguggenbergers geschickt und was sich sonst noch an Zeitverzögerungstaktiken gibt.

Wer mehr über das Schwundgeld erfahren möchte, dem sei die Wiener Zeitung ans Herz gelegt:

http://www.wienerzeitung.at/nachrichten/archiv/?em_cnt=95106

und wenn es keine Euros mehr gibt, sollten wir zu Knochen oder sonstwelchem Freigeld kommen.

Die Person, die es nicht gibt… Michael Schirner in Wien

12. Januar 2012

Michael Schirner hörte ich das erste Mal in Berlin, das muss so 86 oder 87 gewesen sein, auf einem dieser wunderbaren Karl Hofer-Symposien, welche die HdK damals veranstaltete. Alle FBs öffneten ihre Ateliers und luden querbeet alles und jeden ein, und so kam auch Michael Schirner mit seinem Vortrag “Werbung ist Kunst”. Es lief mehr oder weniger darauf hinaus, dass er die sixtinische Kapelle mit diversen Werbespots und Anzeigen verglich, und von der Intention her, nämlich Heilserwartungsversprechen auf “Top of Mind” zu setzen, kann man ihm sicher uneingeschränkt beipflichten.

Am 10. Jänner sprach er nun endlich einmal an der Angewandten in Wien, über seine Arbeiten, von der IBM – SchreIBMaschine über seine Jägermeister-Kampagne, über seine Denkweise und von der Aufhebung des Urheberrechtes. Die Studenten der “Klasse für Ideen” wurden gebrieft: Mich gibt’s eigentlich gar nicht, was dann mit einer schönen Plakatidee elegant illustriert wurde. Was es gab, nämlich die Sartre-Brille des Sartririkers steht manifest im Mittelpunkt.

Der Meister verglich Äpfel mit Birnen (beides Rosaceae ) und propagierte in Kunst wie in Werbung das Verschwinden des Kreativen Machers. Eine Idee ist ein kollektiver Prozess, abhängig von den Menschen, mit denen ( und für die ) man arbeitet, von den Bildern und Büchern und Filmen, die uns prägten. Womit wir fast wieder in den Zeiten vor der sixitinischen Kapelle wären, in den Zeiten vor der Reformation, als ein Künstler nichts als der Pinsel Gottes war, in den Zeiten, als die Katholische Kirche ohnehin Top of Mind war und keine künstlerischen Prominenz zu ihrer Aufwertung brauchte.
Für den Werber als kapitalistischen Konsumbeschleuniger kein schlechter Akt der Demut.

Hintersinnig natürlich auch, denn Michael Schirners letztes großes Projekt war eine Fotoausstellung, die das Verschwinden der gelernten Sensation zum Thema hatte.
In minutiöser Kleinarbeit wurden die Pressefotos, die jeder kennt, von ihrer Hauptsache befreit: Lenins Rede ohne Lenin, die Landung in der Normandie ohne Soldaten, die Ermordung Martin Luther Kings ohne Martin Luther King.

Durch das Weglassen entsteht Platz für Neues. Eine aufwendige Übung für den Bildbearbeiter, aber eine wichtige Exerzicie für den Geist. Weglassen und wegwerfen, wichtiger denn je.
Thank you for being in Vienna, Michael.

Winterschlaf und Kartenspiel.

4. Januar 2012

Nachdem die Fron der vergangene Tagen darin bestand, die Myriaden von in den Feiertagen angehäuften Wein-, Bier- und Schnapsflaschen gerecht auf die Container des Botschaftsviertels zu verteilen, sollte heute wieder gearbeitet werden. Zum Beispiel, dringende Telefonate geschäftlicher Natur.
Nichts da ! Alles ist noch im Winterschlaf, und so konnte ich mich getrost meiner Lieblingslektüre zuwenden. Katrin Passigs “Dinge geregelt kriegen ohne einen Funken Selbstdisziplin”.

Ein Geschenk von Zufallsproduzent Thomas und so etwas wie die Bibel der Prokrastination. Man erfährt drin, dass man zu den LOBOs gehört (Lifestyle of Bad Organization) und dass das PÖS (Post-Öffnungs-Syndrom) verbreiteter ist als man denkt. Und halb so schlimm, denn wer etwas von einem will, schreibt ein zweites oder drittes Mal.

Man ist auch nicht der einzige, der langfristig die 4-Stunden-Woche anstrebt und in den Wintermonaten das Bett ungern verlässt. Im Mittelalter war es gang und gäbe, wochenlang zu mehreren im Bett zu kuscheln und so Heizkosten und Kalorien zu sparen. Wie die Bären. Wie nett. In Oberfranken bringt es zum Beispiel Unglück, wenn man in den heiligen 12 Nächten, zwischen Weihnachten und 3-König, Nägel in die Wand schlägt oder Wäsche aufhängt. Man kennt das ja, es gibt ja immer so manische Personen, die die Feiertage nicht ertragen und dann anfangen, einen Kasten zu reparieren oder Bilder aufzuhängen. Oder sie räumen die Kästen auf und entdecken Mottenlager. Das macht die Feiertage extrem ungemütlich, solchen Leuten zuzusehen, deshalb hat man gleich vorgesorgt.

In den Alpenländern durfte man das Bett auch nur verlassen, um Karten zu spielen. Schnapsen. Oder Solitaire auf dem Computer. Oder etwas ganz Neues:

Das Drogen-Quartett der Firma “Weltquartett”

Schon Heilig Abend kamen Sebastijan und Stefan an mit dem herrlichen Quartett “Tyrannen 2″ der selben Firma. Grandios gut gemacht. Die Tyrannen sind in 4er-Banden eingeteilt, zum Beispiel gibt es Charismatiker, oder Wahlbetrüger, oder Isolationisten, undundund.
Als Trümpfe gelten Werte wie “Regierungszeit”, “Regime-Opfer” oder “persönliches Privatvermögen”. Sehr lehrreich. Auch mit einer Knall-Charge wie Petain (Kategorie Nazi-Kollaborateure) kann man noch gewinnen: Alter bei Machtantritt: 84.
Der älteste Jung-Tyrann der Welt. Hielt sich allerdings nur 3 Jahre.

Jedenfalls ist die Firma Weltquartett nicht genug zu loben wegen ihrer Serie “Geißeln der Menschheit”. Ganz oben auf der Wunschliste stehen für mich jetzt auch “Seuchen”, “Tyrannen 1″ und “Ungeziefer”.

Das Drogenquartett ist übrigens auch sehr lehrreich, aber ich werde es vor den Kindern verstecken. Wenn die erfahren, dass Tollkirsche, Lachgas und Kaffee kaum mehr als 100 Todesfälle im Jahr produzieren, werden sie vielleicht leichtsinnig. Und die Preisauskünfte sind auch recht gefährlich. Extasy nur 8€, Kokain sogar nur 7€ pro Rausch – nein, dass solllte ruhig ein bißchen teurer werden…..

Prospero Anno a tutti…..

2. Januar 2012

Ein wunderschönes, gesundes und wirklich bereicherndes 2012 allen Freunden der Zufallsproduktion. Frei von Selbstmitleid soll es sein und ganz der Revolution & der Liebe gewidmet.

Doch zunächst einmal müssen wir feststellen, dass wir wieder etwas ärmer geworden sind. Jopi Heesters, ja, und wieder gibt es einen Raucher weniger. Und dann Kim. Nord-Korea-Kim. Der hatte ja so einen schlechten Leumund, so eine Mischung aus Osama Bin Laden und Saddam Hussein, dass die von Natur aus misstrauische Zufallsproduktion sagt, so schlecht kann er gar nicht sein. Jeder, der verteufelt wird, dem springen wir reflexartig zur Seite. Weil, ja, die Verteufeler, die sind ja auch nicht immer so das Wahre.
Zum Glück war Thomas, Mitarbeiter der Zufallsproduktion, aus London angereist, um mir einige bereichernde Blogs zu zeigen.

Wer grade seine verteufelungsfreien Minuten hat, kann sich im www einen feinen Lenz machen.

http://kimjongillookingatthings.tumblr.com/

Sehr empfehlenswert: Nordkorea-Kim schaut sich Sachen an. Sehr kontemplativ. Und Informativ.

Noch besser:

http://kimjongildroppingthebass.tumblr.com/

Im dorten ausgeliehenen Bild übrigens der 3. von rechts.