1 qm Staat – die große Karlsplatz-Paktion.

24. Januar 2012

Morgen in einer Woche ist es soweit:
Die feierliche Eröffnung von 35 brandneu gegründeten Microstaaten.
Internationale und Staatenlose Künstler beschreiben ihre Verfassung und wagen eine neue Sezession.

Ort: Wien, Karlsplatz / Resselpark

Zeit: 1. Februar, 12.00 Uhr:
Inaugura mit Paul Poet & Stimmgewitter

14.00 Uhr im Künstlerhaus- Kino:
“Empire Me” von Paul Poet, & “Gelée Royale” von Antje Knapp.Eintritt frei.

Apero: Der Cocktail “Stateless”, gemixt von Herrn Phillip (Courtesy of Interconti Hotel)

Herzliche Einladung !

Der Feinste Christbaum der Stadt

24. Januar 2012

Was ist das nur für eine jämmerliche Unsitte, den schönen, teuren Christbaum am 7. Jänner abzuschmücken und achtlos auf die Straße zu werfen ! Barbarisch. Wozu hat das Wesen sterben müssen?

Zum Glück gab es in der Tigergasse 11 die winderbare Jänner-Karaoke-Party mit Illustren Gästen. Und da wurde der Christbaum schön ordentlich an die Decke gehängt und mit neuem Putz versehen.

Der Dresscode lautete übrigens: Oben ohne. Das war eine Party!

Voilá: Der große Out-Kneipen-Führer ist da!

18. Januar 2012

Jetzt, nachdem die Rating-Agenturen ein großes Hungertuch über unser schönes Europa breiten wollen, muss ich endlich ein lang gehegtes Projekt in Angriff nehmen:
Den aktuellen Out-Kneipen-Führer für Wien und Umgebung. (für Wiener: Out-Beisl-Führer)
Es gibt ja schon genug Führer für In-Kneipen, In-Restaurants und Szene-Clubs.

Aber einen Führer durch die Kneipen, die hoffnungslos OUT sind, gibt es bislang noch nicht.

Mein erstes Studienobjekt befindet sich im traditionsreichen Arbeiterbezirk Favoriten, in der Quellenstraße. “Aelbigs Weinhaus” steht in Neon draußen und alles deutet darauf hin, dass es outer schon gar nicht mehr geht. Die Nacht ist kalt und naß, kleine Schneeflocken sterben auf der Quellenstraße einen schmutzigen Tod, und da freut es uns doch sehr, dass draußen auf der Tür das “Raucher”-Schild steht.

Hier im BIld: Das It-Girl in der Out-Kneipe.

Ja, es war alles da, was vor 40 Jahren mal IN war und nun das glatte Gegenteil: Butzenscheiben, altdeutsche Holz-Lamperie, dicke Gäste. Zentral im Bild: Die Maggi-Flasche.

Der Wirt trug ein blütenweißes Hemd, kein T-Shirt, und fragte nach unseren Wünschen. “2 Achtel Rot” orderten wir, doch halt: Was er denn empfehle. Zweigelt, Blaufränkischer? Eine Cuvée ?
Nein, es gäbe nur einen Roten. Naja, eigentlich steht ja “Weinhaus” draußen, heimelig leuchtend über die ganze Quellenstraße. Da denkt man doch, das man irgendwie an einer reichlich sprudelnden Quelle säße. Aber der singulare Rotwein kam, in Out-Gläsern natürlich, nix langstielig, aber die fallen ja auch nicht so leicht um.
Wir scherzten dann noch, dass wir ja auch noch einen Weißen trinken könnten, damit der Magen zu seiner Cuvée käme, also zur Information “Rosé”, aber der Rote war ziemlich gut. Sehr gut, sozusagen. Wir tranken jeder 3 Achtel!!!

Jetzt noch ein Blick in die Speisekarte: Herrliche Out-Gerichte wie der Vanille-Rostbraten. Zu zivilen Preisen. Sensationell günstig sogar die Tiroler Leber.
Leider mussten wir um 22.00 Uhr das Feld räumen, eine frühe Sperrstunde. Nunja, Out – Kneipen haben eben offen, wenn kein In-Typ ausgeht.

Fazit: Diese Out-Kneipe ist super.
- Man spart sich lange Entscheidungen und nutzloses Gegrübel, weil es nur eine Weinsorte gibt.
- Man spart sowieso, weil das Achtel nur € 1,10 kostet. Wenn alle nur noch in Out-Kneipen gehen würden, könnten die Rating-Agenturen zusperren!
- Ich würde sofort wieder hingehen, aber leider muss ich noch 50 anderen Out-Kneipen meinen unbestechlichen Besuch abstatten.

Nachtrag: Aelbigs Weinhaus liegt um die Ecke vom angesagtesten Art Space von Wien, der ehemaligen Anker Brotfabrik. Dort gibt es eine Brotkunsthalle, und vor selbiger warteten aus orangem Eis geformte Alligatoren. Das war auch schon das einzig gute Kunstwerk.
Oben, in den In-nigen schicken Loft-Räumen, bei der Ausstellung “Russian Renaissance”, gab es manch Interessantes und viel langweiliges zu sehen, aber ärgerlicherweise gab es keinerlei Beschriftungen und, unglaublich bei einer russischen Eröffnung, Almdudler.
Almdudler.
Ja, Almdudler.
Wo war der Wodka? Wo der Kaviar?

Ärmlich russelnd war diese Eröffnung, einzig die sibirische Punk-Art-Group BLUE NOSE hielt die Fahne der Dekadenz hoch mit ihren Swarovsky-Kristall-Palästen. Herstellungskosten alleine eine halbe Million € ! Ja, da lacht das Sammler-Herz, da kann man noch richtig Geld bunkern.

Ein weites EulenSpiegelfeld.

15. Januar 2012

Vorgestern gab es Geschichte als Vorspeise.
Als Hauptgang Kreisler und Caesar Cui,
Danach ein prachtvolles Chicken Curry.

Zur Geschichte. Oder zu den Geschichten. Christian Zillner las aus seinem Epos “Spiegelfeld”, im Beisein etlicher Spiegelfelds.
Elf Bände, jeder einem anderen Zeitalter und anderen Vorfahren der zeitlos-paradigmatischen Familie Spiegelfeld gewidmet. Man hört im ersten Band von Kindern, die im 10. Jahrhundert von Südtirol nach den Insel Reichenau im Bodensee wandern, nur weil sie dort eine Schulbildung in Aussicht haben. Auf der Reise, kein Spaziergang, wechseln sich das nackte Grauen mit den totalen Katastrophen ab. Düsterer kann ein Mittelalter nicht sein.
Im letzten Band, in den 90ern des letzten Jahrhunderts, stirbt ein Graf Spiegelfeld auf einer Wolga-Kreuzfahrt, bei dem Kinderspiel “die Reise nach Rom”. Er überließ seiner Gattin den letzten Sessel und sank zu Boden und starb. Dazwischen gehts bergauf und bergab, teils wahr, teils erfunden, teils richtig gut erfunden. Die Spiegelfelds sind bessere Leute, ohne Zweifel, aber eigentlich sind sie erst ab dem 17. Jahrhundert in die Nomenklatura aufgestiegen.
Davor muss es trotzdem irgendwelche Ahnen gegeben haben, Mongolen, Beguinen, Mürzzuschläger. Die kann man sich ausdenken, wenn man in Geschichte bewandert ist, so wie Christian Zillner. Der wusste auch zu berichten, dass die Familie eigentlich Matz-Spiegelfeld heißt, und im für den Adel so harten Jahr 1919 mit der Drohung konfrontiert war, zu nackten Matzen zu verkommen. Allein, sie kämpften, vielleicht bestachen sie sogar, und so verschwand das Matz, damit das Spiegelfeld nur umso heller erstrahlte.

Ich glaub, die wünsch ich mir nächstes Jahr zu Weihnachten. Denn man glaubt ja, laut Christian Zillner, wieder vermehrt an einen Herodotschen Geschichtsbegriff. Weg mit fen Fakten, her mit den Mythen. Sie müssen nur einem Zweck dienen, nämlich Furcht, Mitleid und Identifikation erwecken. Gelungen. Und schön sehen sie auch noch aus, erschienen, hört, im Dornröschen – Verlag.

Das Wunder von Wörgl….

15. Januar 2012

Ja, jetzt isses weg: Österreichs Triple-A- Rating.
Böse, böse Rating -Agenturen. Das ist bestimmt eine geschobene Partie gewesen. Doch halt! Es kann auch sein, dass die Rating -Agenturen doch mal durchs Land gezogen sind und dabei über unermesslich große Beamtenburgen gestolpert sind, über Wirtschaftskammern, Ärztekammern, Apothekerkammern, Gewerkschaften, und über die Prunk- und Prachtbauten der SVA.
Ja, dachten die guten Leute, da kann man ja nicht mehr länger zuschauen, bei diesen Produktivitätsvampiren. Wenn dann nicht gleich das zweite A weg ist. ….

Für die Zufallsproduktion ein Grund, auf den Plan zu treten und Lösungen vorzuschlagen. Wenn es nicht mehr so flutscht mit dem Euro, sollte man flugs ein neues, eigenes Geld drucken.

Dafür gibt es ja ein großes Vorbild: Das Wunder von Wörgl.
In den frühen dreissiger Jahren war in Wörgl, Tirol, das Geld fast noch knapper als heute. Es gab dafür Schulden, Niedergang, Arbeitslosigkeit. Wenn der Bürgermeister was investieren wollte, hat er nicht einmal einen Kredit bekommen. Deshalb hat Wörgl kurzum sein eigenes Geld gedruckt. Das Freigeld. Genauer gesagt:
Das Schwundgeld.

Das Schwundgeld ist eine feine Sache: Es wird jede Woche 5% weniger wert. Also, Sie kriegen am 1. Mai 20 Knochen. Die werden datiert. Und am 8. Mai ist der Knochen-Schein nur noch 19 Wert. Und am 15. nur noch 18.
Wer sein Geld auf dem Stand halten will, muss Zusatz-Marken draufkleben. Jede Woche einen Knochen. Das wird teuer auf Dauer, deshalb gibt man das Geld am besten gleich aus. Und fügt der Wirtschaft neuen Schwung zu. Denn wer es einnimmt, muss es ebenfalls bald wieder loswerden….

Weil wir beim Knochen sind: Ein paar Künstler am Prenzlauer Berg haben Mitte der 90er auch eine Art eigenes Freigeld gedruckt. Den Knochen. Es gab 30 Kneipen, die Knochen als Zahlungsmittel akzeptiert haben. Auch der Knochen verlor Woche für Woche an Wert, deshalb hatte man allen Grund, ihn ganz SCHNELL in die Kneipe zu tragen.

Knochen hieß dieses Freigeld deshalb, weil die Künstler meinten, das alte Sprichwort mit dem “stinkt nicht” sei nicht richtig. Wie alte Knochen beginnt Geld zu stinken, wenn es nicht zirkuliert.

Die Knochen vom Prenzlberg waren übrigens wunderbar gestaltet, dieser Schein hier vergleiche einen Orgasmus mit 500 Kalorien, vulgo mit 20 Knochen. Gar nicht so abwegig, weil ein Orgasmus ist ja auch Wochen danach viel weniger wert.

Jedenfalls: In Berlin habe ich damals beim Knochentausch erfahren, wie einfallsreich die Gemeinde Wörgl mit ihrem SPÖ-Bürgermeister Michael UNTERGUGGENBERGER war. Was für ein Name ! Und dann auch noch SPÖ! Und angeblich wurde alles im Gemeinderat mit größter Einigkeit beschlossen.
In einem Jahr gelang es Unterguggenberger, die Arbeitslosigkeit um 25% zu senken, während sie im restlichen Österreich im gleichen Zeitraum um 20% stieg.
Unterguggenberger wurde berühmt, aus aller Welt kamen Anfragen und Unterguggenberger wurde es verwehrt, in die Schweiz einzureisen, aus Angst, er könnte sein Modell dorthin exportieren.

1933 kam es dann – unter Androhung des Einmarsches der Armee – zum Ende des Wörgler Experiments. Schon vorher hatte die Nationalbank sowie die Regierung mannigfaltig mit Sanktionen gedroht, doch die Tiroler Behörden haben – tja, das passiert- dauernd die Anklageschriften verlegt oder an die falschen Unterguggenbergers geschickt und was sich sonst noch an Zeitverzögerungstaktiken gibt.

Wer mehr über das Schwundgeld erfahren möchte, dem sei die Wiener Zeitung ans Herz gelegt:

http://www.wienerzeitung.at/nachrichten/archiv/?em_cnt=95106

und wenn es keine Euros mehr gibt, sollten wir zu Knochen oder sonstwelchem Freigeld kommen.

Die Person, die es nicht gibt… Michael Schirner in Wien

12. Januar 2012

Michael Schirner hörte ich das erste Mal in Berlin, das muss so 86 oder 87 gewesen sein, auf einem dieser wunderbaren Karl Hofer-Symposien, welche die HdK damals veranstaltete. Alle FBs öffneten ihre Ateliers und luden querbeet alles und jeden ein, und so kam auch Michael Schirner mit seinem Vortrag “Werbung ist Kunst”. Es lief mehr oder weniger darauf hinaus, dass er die sixtinische Kapelle mit diversen Werbespots und Anzeigen verglich, und von der Intention her, nämlich Heilserwartungsversprechen auf “Top of Mind” zu setzen, kann man ihm sicher uneingeschränkt beipflichten.

Am 10. Jänner sprach er nun endlich einmal an der Angewandten in Wien, über seine Arbeiten, von der IBM – SchreIBMaschine über seine Jägermeister-Kampagne, über seine Denkweise und von der Aufhebung des Urheberrechtes. Die Studenten der “Klasse für Ideen” wurden gebrieft: Mich gibt’s eigentlich gar nicht, was dann mit einer schönen Plakatidee elegant illustriert wurde. Was es gab, nämlich die Sartre-Brille des Sartririkers steht manifest im Mittelpunkt.

Der Meister verglich Äpfel mit Birnen (beides Rosaceae ) und propagierte in Kunst wie in Werbung das Verschwinden des Kreativen Machers. Eine Idee ist ein kollektiver Prozess, abhängig von den Menschen, mit denen ( und für die ) man arbeitet, von den Bildern und Büchern und Filmen, die uns prägten. Womit wir fast wieder in den Zeiten vor der sixitinischen Kapelle wären, in den Zeiten vor der Reformation, als ein Künstler nichts als der Pinsel Gottes war, in den Zeiten, als die Katholische Kirche ohnehin Top of Mind war und keine künstlerischen Prominenz zu ihrer Aufwertung brauchte.
Für den Werber als kapitalistischen Konsumbeschleuniger kein schlechter Akt der Demut.

Hintersinnig natürlich auch, denn Michael Schirners letztes großes Projekt war eine Fotoausstellung, die das Verschwinden der gelernten Sensation zum Thema hatte.
In minutiöser Kleinarbeit wurden die Pressefotos, die jeder kennt, von ihrer Hauptsache befreit: Lenins Rede ohne Lenin, die Landung in der Normandie ohne Soldaten, die Ermordung Martin Luther Kings ohne Martin Luther King.

Durch das Weglassen entsteht Platz für Neues. Eine aufwendige Übung für den Bildbearbeiter, aber eine wichtige Exerzicie für den Geist. Weglassen und wegwerfen, wichtiger denn je.
Thank you for being in Vienna, Michael.

Winterschlaf und Kartenspiel.

4. Januar 2012

Nachdem die Fron der vergangene Tagen darin bestand, die Myriaden von in den Feiertagen angehäuften Wein-, Bier- und Schnapsflaschen gerecht auf die Container des Botschaftsviertels zu verteilen, sollte heute wieder gearbeitet werden. Zum Beispiel, dringende Telefonate geschäftlicher Natur.
Nichts da ! Alles ist noch im Winterschlaf, und so konnte ich mich getrost meiner Lieblingslektüre zuwenden. Katrin Passigs “Dinge geregelt kriegen ohne einen Funken Selbstdisziplin”.

Ein Geschenk von Zufallsproduzent Thomas und so etwas wie die Bibel der Prokrastination. Man erfährt drin, dass man zu den LOBOs gehört (Lifestyle of Bad Organization) und dass das PÖS (Post-Öffnungs-Syndrom) verbreiteter ist als man denkt. Und halb so schlimm, denn wer etwas von einem will, schreibt ein zweites oder drittes Mal.

Man ist auch nicht der einzige, der langfristig die 4-Stunden-Woche anstrebt und in den Wintermonaten das Bett ungern verlässt. Im Mittelalter war es gang und gäbe, wochenlang zu mehreren im Bett zu kuscheln und so Heizkosten und Kalorien zu sparen. Wie die Bären. Wie nett. In Oberfranken bringt es zum Beispiel Unglück, wenn man in den heiligen 12 Nächten, zwischen Weihnachten und 3-König, Nägel in die Wand schlägt oder Wäsche aufhängt. Man kennt das ja, es gibt ja immer so manische Personen, die die Feiertage nicht ertragen und dann anfangen, einen Kasten zu reparieren oder Bilder aufzuhängen. Oder sie räumen die Kästen auf und entdecken Mottenlager. Das macht die Feiertage extrem ungemütlich, solchen Leuten zuzusehen, deshalb hat man gleich vorgesorgt.

In den Alpenländern durfte man das Bett auch nur verlassen, um Karten zu spielen. Schnapsen. Oder Solitaire auf dem Computer. Oder etwas ganz Neues:

Das Drogen-Quartett der Firma “Weltquartett”

Schon Heilig Abend kamen Sebastijan und Stefan an mit dem herrlichen Quartett “Tyrannen 2″ der selben Firma. Grandios gut gemacht. Die Tyrannen sind in 4er-Banden eingeteilt, zum Beispiel gibt es Charismatiker, oder Wahlbetrüger, oder Isolationisten, undundund.
Als Trümpfe gelten Werte wie “Regierungszeit”, “Regime-Opfer” oder “persönliches Privatvermögen”. Sehr lehrreich. Auch mit einer Knall-Charge wie Petain (Kategorie Nazi-Kollaborateure) kann man noch gewinnen: Alter bei Machtantritt: 84.
Der älteste Jung-Tyrann der Welt. Hielt sich allerdings nur 3 Jahre.

Jedenfalls ist die Firma Weltquartett nicht genug zu loben wegen ihrer Serie “Geißeln der Menschheit”. Ganz oben auf der Wunschliste stehen für mich jetzt auch “Seuchen”, “Tyrannen 1″ und “Ungeziefer”.

Das Drogenquartett ist übrigens auch sehr lehrreich, aber ich werde es vor den Kindern verstecken. Wenn die erfahren, dass Tollkirsche, Lachgas und Kaffee kaum mehr als 100 Todesfälle im Jahr produzieren, werden sie vielleicht leichtsinnig. Und die Preisauskünfte sind auch recht gefährlich. Extasy nur 8€, Kokain sogar nur 7€ pro Rausch – nein, dass solllte ruhig ein bißchen teurer werden…..

Prospero Anno a tutti…..

2. Januar 2012

Ein wunderschönes, gesundes und wirklich bereicherndes 2012 allen Freunden der Zufallsproduktion. Frei von Selbstmitleid soll es sein und ganz der Revolution & der Liebe gewidmet.

Doch zunächst einmal müssen wir feststellen, dass wir wieder etwas ärmer geworden sind. Jopi Heesters, ja, und wieder gibt es einen Raucher weniger. Und dann Kim. Nord-Korea-Kim. Der hatte ja so einen schlechten Leumund, so eine Mischung aus Osama Bin Laden und Saddam Hussein, dass die von Natur aus misstrauische Zufallsproduktion sagt, so schlecht kann er gar nicht sein. Jeder, der verteufelt wird, dem springen wir reflexartig zur Seite. Weil, ja, die Verteufeler, die sind ja auch nicht immer so das Wahre.
Zum Glück war Thomas, Mitarbeiter der Zufallsproduktion, aus London angereist, um mir einige bereichernde Blogs zu zeigen.

Wer grade seine verteufelungsfreien Minuten hat, kann sich im www einen feinen Lenz machen.

http://kimjongillookingatthings.tumblr.com/

Sehr empfehlenswert: Nordkorea-Kim schaut sich Sachen an. Sehr kontemplativ. Und Informativ.

Noch besser:

http://kimjongildroppingthebass.tumblr.com/

Im dorten ausgeliehenen Bild übrigens der 3. von rechts.

Die Zufallsproduktion verabschiedet sich in die Weihnachtsferien

24. Dezember 2011

mit dem offiziellen Weihnachtsfoto…

und dann noch einem inoffiziellen….

® Stefan Röhrle.

Schauen Sie doch nach den Feiertagen mal wieder vorbei !

Daphne.

21. Dezember 2011

Zwischen den hunderten von Weihnachtsfeiern, wo man sich sehr bemüht, den Anschluss an die Menschlichkeit nicht zu verlieren, besuchten wir auch noch die Oper Daphne.

Nun, jetzt können Sie noch beim kleinen Weihnachtsgewinnspiel “Wer ist Daphne ?” mitmachen. Wer von diesen 5 Grazien ?
Sie werden vergeblich raten. Das ist ein Foto von der wohl schönsten Weihnachtsfeier 2011, von Barbaras “Notte Italiano”. Barbara ist die mit dem keck gebundenen Halstuch. Im Studio Alessandri war das. Bekannt als das tanzende Design-Studio. Sobald Adriano “Azurro” schmettert, geht es los mit dem Geschüttel und Geschiebe und Geshake, dann über den ganzen Paolo Conti , etc. pp. Dank an DJ Alexander, im Bild ganz hinten rechts.

Also zurück zur Oper. Daphne. Ein spätmildes Alterswerk von Richard Strauß, mit dem ich mich jetzt als 18-Jahre-in Wien-Lebende vermehrt beschäftigen möchte.
Der Gönner, Bruder im Geiste, begrüßt das, hat er doch noch Vorbehalte gegen Wagner und einen unerschöpflichen Fundus an guten Karten. Hier sieht man sehr gut, wie gut uns die Staatsoper wieder untergebracht hat. In der Loge neben dem Proszenium, über den Orchester.

Daphne ist die weiße Lichtgestalt und die schwarze ist Johann Botha, in Gestalt des Gottes Apollo. So schön es ist, Herrn Botha mit geschlossenen Augen zu hören – wenn man der Handlung auch visuell folgen möchte, ist er wahrlich kein Augenschmaus.
Ich erinnere immer die Kritik des Blogger-Freundes www.innererburghof.de, der Botha als Fidelio sah. Wie Leonore dem armen, verhungernden Gatten ein Stück Brot in die Gefängniszelle schmuggelte. “Nimm hier einen Bissen Brot, Du Armer”. Und Botha hat 190 Kilo ! Ein hörbares Schmunzeln ging durch das Publikum. Aber Herr Botha ist wohl ein sehr oraler Typ und hat nicht die geringste Lust , Diät zu machen.

Egal, ich fand es lieblich bis erholsam, und dann hatten wir ein fulminantes Orchester.
Frau Simone Young, die Direktorin der großartigen HAMBURGISCHEN STAATSOPER, hat ihr Bestes gegeben.

Sowohl Tristan als auch der Gönner behaupten steif und fest, dass weder Geiger noch Bläser auf die leidenschaftlich fuchtelnde Frau Young geschaut hätten. Die Philharmoniker kennen die Weise und kennen den Text…. wer braucht da einen Dirigenten ?

Hinterher, nach dem begeisterten Schlußapplaus, explodierte der Gönner und meinte, sowas an Kitsch, vor allem musikalisch, hätte er lange nicht mehr gehört. Der 74 jährige Strauß, seiner Librettisten Hofmansthal und Zweig beraubt, hätte sich nur mehr aus seinem Gefälligkeitsfundus bedient. Da ja mein eigener Urgroßonkel jahrelang mit Richard Strauß Skat gespielt hat,
war ich über solche Kritik erhaben.
Als Strauß-Beginner bin ich voll zufrieden. Einfache Weisen, gut vorgetragen, fast so wie Adriano Celentano oder Paolo Conte.
Dank an Tristan, der den Opernabend angeregt hat ! Und, liebe Leser, schaut am 7 Jänner mal wieder vorbei, dann gehen wir alle zusammen in die FLEDERMAUS !

Hans Moser revisited, die Fortsetzung.

21. Dezember 2011

Also lieber neuer Besucher, eigentlich sollten Sie erst den Blogeintrag vorher lesen, sonst wüssten Sie nicht, wie ich zu Hans Moser in die Wohnung kam und hätten Lücken, so wie ich mitunter nach Abenden in Hans Moser seiner Wohnung.

Ja der beliebte Volksschauspieler Hans Moser, der immer so nuschelnd sprach und mit dessen Filmen ich als Kind meine Sonntagnachmittage verbrachte, lebte dereinst bei seiner Schwester Marie in der Wiener Trautsongasse. Schräg vis-a-vis vom Palais Trautson.

Was für eine Wohnung ! Kunstgeschmack und alte Werte gehen Hand in Hand, wie hier bei der Hans – Moser- Lampe.

Im Schein dieser Hans Moser -Lampe hat der beliebte Volksschauspieler einst seine Texte gelesen und auswendig gelernt. Bekanntlich hat er durch seine witzige, unverwechselbare Art auch noch das mieseste Drehbuch und das fürchterlichste Theaterstück in ein Kunstwerk umzuwandeln vermocht. Vermutlich durch die weibliche Inspiration dieser Hans Moser-Lampe. Na, wenn die dereinst mal ins Dorotheum kommt !

Hier ein Blick ins Wohnzimmer. Wir sehen die Großnichte von Hans Moser, wie sie gerade Feuer im Moser-Ofen macht. Im Hintergrund Whippet Rosie….

… und hier auch noch im Vordergrund, im Ausgeh-Gwandl. Rosa, wie es sich für eine Rosie gehört. Mei, hier sieht man gar nicht, wie dünn die Rosie seit neuestem geworden ist….
Super-Dünn. Ach, Neid allerorten….

Zum Schluss noch ein Blick auf den Schreibtisch und den Sekretär von Hans Moser. Am Schreibtisch hat er seine Honorarnoten geschrieben und am Sekretär hat sein Sekretär seine Honorarnoten geschrieben. Es wurde ja einiges umgesetzt, denn Moser hat ja gedreht ohne Ende. Und wenn er nicht gedreht hat, hat er Wienerlieder gesungen und Schallplatten auf den Markt geworfen.
Ich hab ja ein besonders inniges Verhältnis zu ihm, weil er war ja nur 1,57 m groß. So wie ich. Super-Abend bei Hans Moser übrigens. Champagner in Strömen, und dann noch Pizza frei Haus. Danke an die famose Großnichte.

Hans Moser, Revisited.

19. Dezember 2011

Weihnachtsfeiern. Ohne Ende. Wie jedes Jahr gehe ich als 4. Rad am Wagen auf ein Weihnachtstreffen 3er netter & kapriziöser Personen.
Wie kapriziös, das kann man sich eigentlich gar nicht vorstellen, wenn man sie nicht kennt. Und wenn man sie kennt, dann kann man es sich auch nicht vorstellen, weil dieses Weihnachtstreffen die Kapriziositat verdoppelt, was sag ich , verdrittelt – nein, das ist auch nicht das richtige Wort, weil man muss es Hoch 3 sehen. Das ist wie die Geschichte mit dem Schachbrett und dem Reiskorn, mit der Kapriziosität. Es potenziert sich.

Also, die 3 Personen, nennen wir sie mal KK und DoDo und Herrn F, treffen sich seit Jahren und seit einigen davon darf ich dabei sein. Warum, darüber darf ich nur mutmaßen. Vielleicht haben sie sich insgeheim nach einem Chronisten gesehnt?

Weihnachtstreff 2010 war, um das vorauszuschicken, kein besonderer Knaller gewesen, man hatte sich im Demel ob der vielen Touristen kalte Füsse geholt. Das Demel täte eh besser daran, im Winter seine Haustür auszubauen, weil das permanente Auf und Zu sorgt für Blizzardartige Kaltwindböen, die bis in den Rauchsalon vordringen und kapriziösen Personen, die ja über zarte, Reh-Hufartige Füsschen verfügen, den weihnachtlichen Tee-Treff versalzen.

Dieses Jahr sollte es besser werden, deshalb bestellte Herr F. die Bar im Palais Coburg und noch eine 5. Person, Frau M. Mir soll es recht sein, dachte ich, ist doch meine Mutter eine geborene Coburgerin und das Palais Coburg hat sogar eine Zigarren-Lounge. Ich bin nämlich Nikotinistin, und KK zufällig auch.

Nun, man überhäufte sich mit Geschenken – (ich wieder die Miesesten) und es war auch unglaublich gemütlich. Aber halt ! Wenn kapriziöse Personen zusammenkommen, darf es doch nicht allzu gemütlich sein – man hat dann doch keinen Grund, sich bis zum Rande des Nervenzusammenbruchs aufzuregen !
Zum Glück war Samstag vor dem 4. Advent und die Bankomat-Automaten brachen zusammen. Bargeldnot ! Gründe, sich aufzuregen ! Stunden um Stunden flossen unwiderbringlich im Meer der Zeit dahin, so lange dauerte der Bezahl-Vorgang. Der Kellner hat vermutlich 18 Semester “Philosophie der Stoiker” studiert, denn er wurde immer langsamer, je hysterischer wir wurden.

Langer Rede kurzer Sinn: Wir wollten deshalb so schnell weg aus dem Coburgschen Palais, weil Frau DoDo in ihre Wohnung eingeladen hatte. Eine besonders kapriziöse Altwiener Altbauwohnung. Eine Mythenschwangere Altwiener Altbauwohnung – in der noch der Geist Hans Mosers wohnen soll. Und da wollten wir hin.

(Fortsetzung folgt morgen. )

Wintermärchen: Dresden, Berlin und Hopeless.

18. Dezember 2011

Im traurigen Monat November war’s,
Die Tage wurden trüber.
Der Wind riss von den Bäumen das Laub,
da fuhr ich nach Deutschland hinüber…..

Ja, lieber Heinrich Heine: Ich bin erst im Dezember hinüber gefahren, und deshalb war es auch so viel schöner. Die J & J haben eingeladen zum Glühweinempfang in der Krausnickstrasse in 10115 Berlin, nach dem Motto “Die Legende kehrt zurück”.
Und so stieg ich vor dem 3. Advent mit Frau S. in den Nachtzug.
Und stieg zuerst mal in Dresden aus.

Das ist der tote Martin Luther, von Lucas Cranach dem Älteren. Ich bin ja in derselben Stadt geboren wie Lucas Cranach der Ältere, nämlich in Kronach, und überall in der Welt gehe ich in Museen, um wie ein Kind zu staunen, was doch aus einem Kronacher alles werden kann.
Bitte, er hängt sogar im Metropolitan.

Und in Dresden. Ich bin ja ausgestiegen, um den Striezelmarkt zu besuchen und meine liebe Freundin Lena von Lapschina, die in Dresden zu einem Kunst&Technologie-Projekt eingeladen war. Da der Zug schon um 7 Uhr früh in Dresden war, war der Striezelmarkt entsprechend trostlos. Weil zu.

Ernüchternd leuchtet das Punsch-Schild, aber Punsch gibts ja erst in Berlin. Die liebe Lena, die mich später aufgabelte, ist Frühaufsteherin und hatte für die Dresdner, die erst um 11 aus den Federn kommen, ein paar lustige Bezeichnungen erfunden. Trotzdem gibt es auch Positives zu berichten: Die Gemäldegalerie öffnet tatsächlich schon um 10. Hut ab vor den Dresdner Museumsdienern. Sie stehen offensichtlich schon um 9 Uhr auf.

Das ist mein Lieblingsbild in Dresden. Es wurde “ursprünglich Caravaggio zugeschrieben”. Meine Güte, die Kunsthändler sind doch in jedem Jahrhundert gleich. Wer angesagt & teuer ist, dem wird gleich alles zugeschrieben. Eine goldenen Nase haben sie sich an August dem Starken verdient, denn das “Ursprünglich Tizian, ursprünglich Rembrandt, ursprünglich Holbein zugeschrieben” hing unter jedem zweiten Bild. Egal, macht nix, die Bilder sind ja längst bezahlt. Und die Kunsthistoriker, die den Schwindel entlarvt haben, hoffentlich auch.

August hatte ja einen netten Deal gemacht: Er wurde König von Polen, um an die polnischen Steuergelder zu kommen, womit man dann die “ursprünglich Paolo Veronese, Tintoretto und Raffael zugeschriebenen” Bilder kaufen konnte. Dazu musste er katholisch werden, weil die Polen sind da arg streng.

Die protestantischen Dresdner Bürger ( jahrelang haben sie alles von Lukas Cranach gekauft, der ja auch die Werbeagentur von Martin Luther war) haben sich dann mal um 14 Uhr zum Frühstück getroffen und beschlossen, ihrem nun katholischen König eins auszuwischen und die Frauenkirche zu bauen, den schönsten protestantischen Dom deutscher Lande. Der ja neu erstanden eine erstaunliche Karriere als Konzertsaal hinlegt.

Jedenfalls prima, Dresden. Ich hatte dann um 13 Uhr noch die Chance, auf dem endlich sanft erwachenden Strietzelmarkt einen Original Dresdner Stollen und noch viele Erzgebirgische Schnitzereien zu kaufen, aber davon Abstand genommen. Travel Light, dachte ich mir und fuhr stollenlos weiter nach Berlin.

Und da hab ich nach langen Jahren wieder Frl. Andina getroffen. Younger than ever.
Und dann gab es den legendären Glühwein-Empfang in der Krausnickstrasse.
Der ist ein social Event, das vielleicht am ehesten noch mit dem Rotkreuzball in Monaco zu vergleichen ist (wie mir einer der Veranstalter versicherte). Weh dem, der da nicht dabei ist. 77 Leute, habe die Ehre. Marianne war da, Gert und Ellen, und Thomas Mützel, der grade seinen neuen Roman veröffentlicht hat und mir in Windeseile noch eine formidable Hochsteckfrisur machte. Erst Haare auf halb sieben, dann auf dreiviertel elf, und dann Haarnadel rein. Hält bis zum Morgengrauen.

Das ist der Beginn des Ausklang des Abends: Die Fiese Remise. Leider hat ein gastronomischer Tycoon die Fiese Remise verklagt, weil er sich die Remise als Gastro-Konzept hat schützen lassen und Remise ist Tabu. Die Fiese-Remise-Crew hat gekontert, indem sie die Fiese Remise in “Fiesere Mise” umgetauft hat. Ursprünglich wurde das Konzept Caravaggio zugeschrieben….

Mein Caravaggio holte uns traurige Reste des allzu kurzen Glühweinempfangs dann auch ab und fuhr mit uns ins Berliner Nachtleben. Das Bild oben ist die Toilettenspülung im Sage Restaurant, denn da waren wir auch, weil wir aufs Klo mussten. Danach fuhren wir in den Festsaal Kreuzberg und bekamen ein Konzert der “Sterne” vorgesetzt, sowie mehrere Wochenrationen Jägermeister und einen Mutzenburger.

Ja, fragt ihr Euch, was das nun wieder ist. Ein Mutzenburger. Irgend ein Tiroler Koch und ein Berliner Brain haben sich zusammengetan und mit einer unglaublich gutaussehenden Elli ein Restaurant-Konzept namens Mutzenbacher zusammengeschustert. Ja, nach Josephine Mutzenbacher, einer der lebendigsten Romanheldinnen Wiens. Ein sehr lesenswerter Roman. Erstens wegen der schlüpfrigen Stellen. Zweitens wegen der sozialen Pornographie – nirgendwo bekommt man die menschlichen Desaster des Wiens von 1904, der damals viertgrößten Stadt der Welt, so saftig präsentiert. Und drittens hat Felix von Saldern, der Mutzenbacher-Autor, dann noch “Bambi” geschrieben. Und sozusagen den Grundstein von Disneys Imperium gelegt. Ich hoffe, die Mutzenbacher Restaurant-Kette hat eine ähnliche Erfolgsstory vor sich, weil der Mutzenburger doch sehr gut schmeckt. Bosna, geröstete Zwiebeln, Sauce Tyrolienne und selbstgebackenes Brot erster Güte.

Das ist das Letzte Bild vom Konzert der “Sterne” im Festsaal Kreuzberg. Wir haben alle mitgesungen “Was ist da los, was ist passiert ? Was hat Dich nur so ruiniert ?”
Irgendwann war mein Caravaggio weg, vermutlich auf der Suche nach einer anderen Prinzessin oder nach Muntermachern – ja, Berlin, you know, und wir drei Sterne-Fans mussten heimgehen. Absteigen in die U-Bahn Kottbusser Tor. Nachts um 4 in den schmutzigen Schlund des Kotti. Nicht schlüpfrig, sondern mürbschmutzig. Ja. Tiefer kann eine Prinzessin nicht sinken.

Und dann musste ich noch anderntags mit einem Jägermeister-Kater nach Hopeless fahren. Mir bleibt nix erspart. Aber gottlob haben wir Kunst und Künste. Wo war ich stehengeblieben ?
Bei Heine. Wintermärchen.
Ich kenne die Weise, ich kenne den Text, ich kenn auch die Herren Verfasser. Ich weiß, sie tranken heimlich Wein, und predigten öffentlich Wasser.

The Stateless

18. Dezember 2011

Immer im Dienste der Kulturmaximierung haben die Zufallsproduktionen dieses Jahr einen weiten Bogen um fast alle Punschstände gemacht, es sei denn, der Punsch kommt aus gutem Hause.

Statt dessen traf ich mich mit Lieblingsnachbarn in der Bar vom Wiener Interconti, um einen neuen Cocktail zu erfinden. Einen Klassiker. So wie einen Martini, einen Manhattan, einen White Russian. Der Herr Phillip von der wunderbaren Interconti-Bar war auch noch um 01.45 Uhr noch willens, Kulturmaximierung zu betreiben, und hat ihn flugs erfunden.

Mein Briefing: Gin muss drin sein, eine 2. Alkoholsorte und Grenadine Sirup. Der Rest bleibt dem Könner überlassen. Und auch einen Namen hatte ich schon : The Stateless.
Was ja sowohl Staatenlos als auch Zustandslos heißen kann. Weil, wenn man keine Zustände haben will, bestellt man sich am besten einen Stateless. Um den zustandslosen Status herbeizuführen. Und im Zeitalter von Mirgration, Schengen, Lampedusa etc. braucht man ja auch ein Gegenmittel, ein Antidot, zumindest, um mit all den Zuständen der Staatenlosigkeit solidarisch zu sein.

Das ist der Herr Phillipp in seiner mondänen Interconti-Bar. Der Stateless steht jetzt schon auf der Karte, und was außer Gin und Grenadine noch drin ist, wird nicht verraten, denn das Copyright ist ja dort. Aber man kann ihn schon probieren. Also : Die lieben Kinderchen im Eislaufverein abgeben und dann einen kulturmaximierenden Vorweihnachtsabend einlegen. Mit einem Stateless in der Interconti-Bar.

Zenita Komad: Spirituality is not Shopping.

5. Dezember 2011

Zunächst etwas Selbstkritik. In diesem Werbe-Blog werden verschiedenste Kulturereignisse mal positiv, mal negativ bewertet. Wobei der anständige Verriss meist so viel mehr Spaß macht als so manche Lobhudelei. Und zwar sowohl für den Schreiber als für den Leser.

Ein Lob einigermaßen unterhaltsam hinzuwerfen verlangt schon einige Könnerschaft. Das Lob kommt meist anhimmelnd und harmlos daher und klingt unverholen werblich. Meist wirkt das elegisch, schönfärberisch, und das schlimmste von allem: langweilig. Lob ist nicht Lustig.

Nun möchte ich seit Wochen Zenita Komads Ausstellung im jüdischen Museum loben, aber ich fürchte, ich werde dieser Installation mit Lob nicht gerecht. Eine absurde Interaktivität zwischen Besucher und Bühnenbildern, inneren und äußeren Verknüpfungen wird hier auf die Spitze getrieben. Denn der Titel beinhaltet die Negation seiner selbst.

Das kann man in der hochspiritualisierten Adventszeit sehr gut beobachten, wenn die Besinnlichkeit die armen Menschen in die Shopping City Süd treibt. Oder zum Kauf von Rock Christmas-Cds. Emotionalität in großen Haufen ist unerträglich und muss kompensiert werden.

Dagegen setzt Zenita Komad ein Spiel der Widersprüche. Setzt man sich als Besucher diesem Spiel aus, entsteht eine Mischung aus Zen- Buddhismus und Kabbala.
121 Punkte sind im Raum, 121 Zahlen kann man nach dem Zufallsprinzip ziehen, 121 Antworten, teils absurd, teils wahre Lügen. Und dann bekommt man zu seiner Zahl noch ein antwortendes Bild.

Als ich mein Bild fand (die Zahl 22 wird bebildert mit SUCCESS), erschrak ich wie weiland Polykrates. Was will die Künstlerin mir damit wieder sagen ? Der Wunsch ist nicht die Erfüllung?
Jedenfalls: Wer in der Adventszeit einen Ort geistiger Anregung sucht, dem empfehle ich die Ausstellung in der Dependance des Wiener jüdischen Museums am Judenplatz.

TeTy an der Angewandten…

5. Dezember 2011

Um aus schönen Worten etwas mitteilsames zu machen, braucht es eine Form, in unserem Falle eines Typographen. Deshalb hatten wir uns an der Angewandten zu einem Text- Typo-Workshop getroffen. Der eine ist vom anderen abhängig wie nix. Aber Abhängigkeit kann ja auch was Schönes sein. Ein Double Bind ist nicht von der Bettkante zu schubsen.
Wenn dabei Workflow entsteht und Enthusiasmus und Konzentration und ERGEBNISSE.

Kurzum: 40 Studenten und 3 Lehrer hatten Erfolgserlebnisse. Freudvoll für mich war, dass die Typographen selber noch getextet haben – um die Inhalte zu optimieren. Das sieht man gerne.

Leider haben es nicht alle Wörter und Geschichten geschafft, in Form gebracht zu werden. Viele fielen durch das strenge Raster. Hier ein Blick in den Papierkorb, welche Fülle! Denn wenn man nix zum Wegschmeißen hat, ist es ja auch nicht schön.

Die Arena oder das Ende der Spasskultur…

5. Dezember 2011

Zunächst einmal: Wir sind Fans. Patrick-Wolf-Fans. Wir lieben seinen satten Sound, der ELO-Dimensionen annehmen kann, seine Ethno-Pop-Romance-Melodramatik, seine Punk-Beats, die irische Harfe, die uns automatisch an Guinness erinnnert, sozusagen als wären wir vom wärmenden Schaum eines Guinness umhüllt, und nicht zuletzt schätzen wir seine hysterisch-byronsche Bühnenpräsenz. Wir kriegen einfach nicht genug von Patrick Wolf.

Da begeht man natürlich Fehler. Einen Fehler, den Leute auf der Suche nach Glück immer wieder begehen, ist laut Glücksforschung derjenige, dass sie versuchen, Glücksmomente zu wiederholen. Und so trapsten Herr S. , Frl. K., Frl. I. und ich am 1. Advent in die Arena. Weil wir dachten, dem wunderbaren Abend im April, als Patrick Wolf im Wiener WUK gespielt hat, eine 2. Auflage folgen zu lassen. Ach. Ja.

Damit hier keine Missverständnisse aufkommen: Patrick Wolf war großartig wie immer. Es war die Arena im ehemaligen Wiener Schlachthof, welche die Mißtöne aufkommen ließ.
Schon als wir ankamen, herrschte eine Gschaftlhubrigkeit und eine straffe Organisation, die an Jugendclubkonzerte der ehemaligen DDR erinnerte. Diese Tür nein, die Mittlere Tür, da dürft ihr nicht stehen, nicht neben der Tür rauchen, nicht hier anstehen.

Ja, da kommt echt Stimmung auf. Patrick rockt und leidet und wälzt sich fast, die PA Anlage um Meilen besser als im Wuk, und das Publikum steht da wie auf einer Gewerkschaftstagung. Ich hab ein bißchen getanzt, was manche natürlich peinlich zu berühren schien. Herr S. und ich waren auch die einzigen, die Bier holten. Die vereinsamte Bardame wollte ihren Laden schon bei der Hälfte des Abends schließen. Wir diagnostizierten beginnenden Besinnlichkeitsterror, immerhin war es der 1. Advent und da beginnt ja immer eine unlustige Zeit.

Aber es war nicht der Advent. Es ist die Arena. Nach der letzten Zugabe – wo tatsächlich so etwas wie Bewegung in die Betschwesternversammlung geriet und sogar ein paar Leute mitsungen – wurden wir quasi wie die Schlachtochsen hinausgetrieben, zur Garderobe getrieben ! Keine Unterhaltung wird zugelassen, das Bier fließt nicht in Strömen, die durch die Musik evozierten Gefühle dürfen sich nicht auf den Mitmenschen stürzen. Wie in einer Kulturfabrik läuft die Stechuhr. Frustriert ziehen wir heimwärts – und suchen eine Cocktailbar, einen Ort menschlicher Wärme und geistiger Getränke.
Herr S. findet trotz seiner Ernüchterung tröstende Worte: I”ch garantiere Dir – In der Arena spielt Patrick Wolf bestimmt nicht mehr.”
Wollen wir es hoffen, sonst spielt er dort ohne seine größten Fans. Denn meine Theorie ist: Die Arena wurde klammheimlich von einem Hedgefonds aufgekauft.

Kein schlechter Tag für die Demokratie….

30. November 2011

Heute tagte das Wirtschaftsparlament in der WKÖ am Wiener Stubenring, und 380 Amicis delle SVA hatten einen Antrag eingebracht. Und außerdem hatte ich ich zum Flshmob aufgerufen: Wir basteln uns ein soziales Netz. (Siehe Bild. Chris Hildebrandt und Mirko Fina basteln am sozialen Netz)

Widerstand ist eigentlich sehr lustig. Die WKÖ hatte all ihre Sekretärinnen abkommandiert, die Besuchertribüne zu besetzen- so sehr misstraut man uns. Die Amicis sollten unten vor dem Beamer in der Lounge sitzen. Aber die Business-Mamas haben es durchgesetzt, dass die Fenster im Oberstock aufgemacht wurden. Hut ab!

Die Präsidentin der WKoe Wien, Frau Jank, hat mir die Hand geschüttelt. Rot und Grün hat sich zahlreiche Wortgefechte geliefert. Ob was weitergeht , ist fraglich. Aber wir sind , unabhängig und überparteilich, doch gar nicht schlecht notiert.

Bezaubert aus dem Kabinetttheater

29. November 2011

Ja, mit triple-t. Das Kabinetttheater in der Wiener Porzellangasse, brachte gestern eine Operetta buffa, Leda mit dem Schwan. Olle Kamelle, denkt man, aber mitnichten. Liegt’s an der Jahreszeit, am Besinnlichkeitsterror oder einfach an den vielen entzückenden Überraschungen, den Sängern, den Puppen, dem Wohnzimmer der Frau Reichert ?
Wir wissen es nicht, es wird wohl das Gesamtkunstwerk gewesen sein. Der Akkordeonspieler, der so sanft das Lohengrin-Motiv erklingen ließ, als sich Gottvater Zeus als Schwan der Leda näherte, ist da einfach noch als Super-Bonus draufzusetzen. Wüsste man nicht, dass es ein einzelnes Akkordeon ist, man könnte glauben, dass man die Wiener Philharmoniker pianissimo gehört hätte.

Hier die etwas überspannte und tragisch untersexte Leda.
Übrigens war ich von der Vorstellung so gebannt, dass ich gar nicht dazu kam, die Bühnenbilder zu fotografieren, aber Herr Eder, maßgeblicher Bühnenbildner, tat nach der Vorstellung mir den Gefallen und fotografierte den Feierabend der Darsteller. Zum Beispiel die 66 Kinder des Zeus im Zwielicht

Die aktuelle Gourmet-Kritik.

27. November 2011

Er ist hart. Er ist quasi unzerstörbar. Wenn es gelingt, ihn zu knacken, braucht man 3 Liter Wasser, um seine mehligen Krümel die Speiseröhre hinunter zu eskortieren. So sehr wehrt sich jedes Körperteil dagegen, mit ihm in Kontakt zu geraten. Jaaaa, Mesdames & Messieurs, hier ist er wieder. Österreichs Antwort auf die Belgischen Pralinen.

Der Weihnachtskeks.

Natürlich selbstgebacken. Ordentliche Bäckereien geben Weichspüler hinein, damit der Keks eßbar wird, um den Umsatz zu fördern, natürlich. Der Selbstbäcker , in unserem Falle die Selbstbäckerin Frl. Kundry, hat jedoch kein Interesse daran, dass der Keks so schnell gegessen wird.
Da müsste Sie ja dauernd erneut im Mehl wühlen. Wer will das schon ?
Der Weihnachtskeks muss ja mindestens bis zum 4. Advent halten. Da gibt es eine wunderbare Haltbarkeitsformel, 3fache Mehlmenge zu 1/2 facher Buttermenge, bloß kein Gewürz wie Zimt, Kardamon oder Vanille. Diese Aromen würden dem um den Adventskranz versammeltem Volk das Wasser im Munde zusammenlaufen lassen. Dann wird unweigerlich zugegriffen. Und die Keksdose hat ihr Ziel verfehlt, Bauwerke für die Ewigkeit zu enthalten.

Apropos Bauwerke für die Ewigkeit:

Der Reifsche Haushalt enthält ein in Österreich wohl einzigartiges Unikat:
Die Keks-Ausstechform “Brandenburger Tor”.
Die Säulen brechen natürlich leicht ab, das liegt am Marmor-Mehl. Was so aussieht wie eine angekokelte Futterrübe, soll eine Erdbeere darstellen und der halbe Stern darunter soll ein Igel sein. Das Auge ißt bekanntlich mit – die Vorstellung, einen Igel zu kauen, lässt also gleich die Hand zurückzucken. Im Sinne der Haltbarkeitsverlängerung keine schlechte Idee.

Hier noch einmal die Keks-Ausstechform “Brandenburger Tor”, ein deutsches Qualitätserzeugnis.
Was wir nach Weihnachten mit den Keksen machen, ist noch nicht sicher. Vielleicht füttern wir die Enten im Stadtpark damit. Und geben damit den Startschuss für einen der längsten Tierschützerprozesse Wiens. Mal sehen. Einen schönen Advent Euch allen.

Amici delle SVA: Es gibt einen neuen Flashmob !

22. November 2011

Liebe Freunde des Widerstands, liebe Artgenossen, die sich nicht alles gefallen lassen!

An Dienstag, den 29. November um 15 Uhr trifft sich das Wirtschaftsparlament, um über einen Antrag von 380 Amicis delle SVA abzustimmen: es geht um die allerschlimmsten sozialen Ungerechtigigkeiten unseres Sozialversicherungssystems.

Deshalb gibt es am 29.11. um 14. 30 Uhr
einen Flashmob vor der Wirtschaftskammer Wien
Stubenring 8-10, 1010 Wien.

Um unseren Forderungen Nachdruck zu verleihen. Die Anträge der Amicis in Vorarlberung und in Niederösterreich wurden bereits erörtert (und abgelehnt, die Niederösterreicher waren nicht ganz so diktatorisch wie die Vorarlberger.)

Bitte kommt gut gelaunt und bringt eine Rolle Spagat mit, damit wir uns zwischen den Bäumen am Ring ein Soziales Netz basteln können !

Die große Enteignung

18. November 2011

Da wir grade in der Götterdämmerung waren, Richard Wagners großer Parabel über den Kapitalismus, können wir uns gleich der widerlichen Finanzkrise und Euro-Krise zuwenden.

Strategie eins der Ober-Kapitalisten: Zwinge alle Bürger dazu, im Grundbuch zu stehen und quetsche sie nachher so aus, dass sie in die Knie gehen.
(Wir haben wieder ein Grundherren-System wie im Mittelalter)

Strategie 2: Etabliere eine Gesundheitsmaschinerie, die scheinbar profitabel ist, mit Frührentnern und Ärzten, die sich teure Röntgen- und Ultraschallgeräte zulegen. Zwinge dann alle Leute, die am System teilhaben wollen, in teure Verträge (SVA et cetera.)

(Wir haben einen Zehnten, wie im Mittelalter, nur dass er mittlerweile ein Fünfundzwanzigster ist….)

Strategie 3: Man gebe das ganze Land in die Hände von Banken, die künstlich Wachstum anheizen können, und dann reguliere man die Banken wieder Staatlich, damit jedes Unternehmertum stirbt. (Basel 3)

Fazit: es wird von Griechenland bis Bayrisch-Zell wieder so große Besitztumswechsel stattfinden, dass man nur von Enteignung sprechen kann.

Und der Staat ?
Eine Demokratie, die sich darauf beschränkt, Rauchverbote in Gaststätten zu erlassen oder die Helmpflicht von Radfahrern zu diskutieren, also dem gegenseitigen Gängelungsverhalten der Bürger nachzugeben, aber die eine große Macht, die alle gängelt, nicht beherrschen kann, ist das Papier nicht wert, auf dem ihre Verfassung gedruckt wird.
Die ZEIT, November 2011.

Und Europa ?

http://alles-schallundrauch.blogspot.com/2011/11/die-rettung-des-euro-ist-doch-gar-nicht.html

Die 10-fach überbuchte Götterdämmerung

15. November 2011

Ja, die Leute standen schon seit Mittwoch, mit ihrem “Suche Karte für die Götterdämmerung” -Schild. Tja. da lächelt man huldvoll, wenn man, gesponsort vom Gönner, in die Oper schlenzt. Ganz entspannt: In die Proszeniums-Loge.

Das ist schon ein bißchen ein anderer Ausgangspunkt als der Stehplatz auf der Galerie. Schön, dass man den Meistern direkt auf die Seiten schauen kann. Und dem Herrn Thielemann direkt auf den Taktstock.

Hier noch einmal zur Orientierung, das Raumvolumen der Proszeniums-Loge. Es handelt sich um ein größeres Wohnzimmer, in dem man kleine Orgien feiern könnte. Leider war die Direktions-Minibar abgesperrt. Aber dafür war man entre nous. Links saß der Gönner, und rechts der Opernkritiker der Wiener PRESSE mit seinem Chefredakteur. In der 2. Reihe kamen noch 2 Japaner, aber die haben nicht weiter gestört. Wir saßen ja vorne.
Da haben wir jeden Make-up-Fehler registriert. Und konnten den Meister Th. sehr genau studieren.

Hier der Gönner und ich, von links nach rechts. Die Vorfreude steht uns ins Gesicht geschrieben, oder?

Doch nun zu den harten Wahrheiten. Frau Watson war ein Notnagel als Brünhilde, sie gab sich wacker, aber eine Kleinigkeit fehlt noch, damit sich das kathartische Heulen einstellt beim letzten Akt. Herr Gould ist ein hehrer Siegfried, aber auch ein eherner Mechaniker. Göttlich war Ildiko Raimondi als Norne, aber leider singt sie nur ein Viertelstündchen. Gurtune ein Flop, aber zum Glück singt sie nur 10 Minuten. Die anderen ? besser als passabel. Nun können wir uns ausgiebig dem Dirigat widmen.

Hier der Meister, etwas verschwommen und ich kann alle Opernfreunde beruhigen: An der Körperhaltung merkt man, dass da schon noch was draus wird. Er war zu fleißig gewesen in den letzten Jahren, und die Akribie und die Perfektion ist nicht immer der Weg zur Kunst. Aber man merkt: Irgendwann ist er so perfekt, dass er schleißig werden kann, und dann entsteht das Wesentliche. (Wenn Sie auf das Bild klicken, wird er etwas größer)
Dem Gönner verdanke ich nämlich eine Einsicht. Ich empfinde Welser-Möst als völlig überschätzten Wagner-Dirigenten, und de Gönner legte mir dar, dass Welser-Möst ein APOLLINISCHER Dirigent sei, Thielemann hingegen ein DIONYSISCHER. Das hochgeistige Prinzip gegen das Triebhafte. “So einen teutonischen Rausch kriegt der Welser-Möst nicht hin”, so der Gönner.
Da schau ich mir wieder die Haltung an, des Herrn Dirigenten, und freu mich, dass er beginnt, sich fallen zu lassen. Er streckt seinen Bauch heraus, und er hampelt weniger. Toll ist eh schon die Kollegialität mit dem Orchester, die Musiker wollen gefordert werden und nehmen ihn an.

Auch wenn ich noch ein paar Jährchen warten muss, bis Herr Thielemann schlafwandelnd dirigiert – das Wiener Publikum war’s zufrieden. Sie tobten und applaudierten und schrieen die Bravis im Stakkato. End dann holte der Meister die Musiker auf die Bühne.

Das war atemberaubend. Danke, Herr Wagner, für diese Fülle !

Der 10-fach überbuchte Siegfried zu Wien.

10. November 2011

Oh Du vernachlässigter Blog! es gab ein Ereignis, dessentwegen sich wieder zu schreiben lohnt. C.Thielemann, der preussische Hampelmann, dirigierte in der Wiener Staatsoper den Ring. Das ist natürlich was. Das nächste Mal greift der Meister erst 2015 für Wgners Ring zum Taktstock.
Da wollten alle dabei sein. Ich auch. Und weil mein Generalsponsor wegen eines Gänsebratenessens die Karten sausen ließ, musste ich auf Stehplatz !

Also, das ist der Besetzungszettel, ja, der Besetzungszettel. Ich merk mir ja nie Sänger. Wenn Sie auf den Besetzungszettel klicken, können Sie hoffentlich auch alles lesen. Wolfgang Schmid hab ich 1993 in New York als Siegfried gehört – na ja. Jetzt singt er den Mime, superb !!!
Gut, dass er endlich angekommen ist.

Des Wurmes Würger – Siegfried ist ja immer das schlimme Kind der Arbeiterklasse. Lieblos erzogen, präpotent und phallisch protzend. Unsympathisch, aber heute kriegte er den meisten Applaus. Die Aufführung war also passabel. Trotz Thielemann. Ich bin nämlich sehr gegen Dirigentenkult. Oder Intendantenkult. Ich plädiere in der Oper immer für ein “DENKMAL FÜR DEN UNBEKANNTEN STEUERZAHLER”. Denn das wahnsinnigste an der Oper ist immer, dass sich Wahnsinnige finden, um sie zu bezahlen.

Und dass 80-jährige 28 minuten applaudieren. Das ist Leidenschaft.

Das ist die Oper aus der Stehplatzperspektive. Ich hatte irre Glück und konnte den 2. und 3. Akt auf einem Sitzplatz, den ich nicht bezahlt habe, genießen.
Deshalb will ich nicht so hart mit Christian Thielemann sein. Er hat sich Mühe gegeben. Sein Dirigat war gekennzeichnet von großem Ehrgeiz, die Instrumente voneinander zu trennen. Pausen einzuschieben, die Hörner nicht gleich von Streichern überschwappen zu lassen. Bei so großem Ehrgeiz kam es natürlich zu Pannen. Also , die Phillis sind per se großartig, aber wenn sie gezwungen werden, solistisch zu spielen, sind sie natürlich nervös und verspielen sich. 2 mal hab ich böse Patzer gehört, aber die Wiener waren fest entschlossen, alles großartig zu finden. Die Brünhilde wars übrigens wirklich.

Wenn da nicht diese scheckliche Inszenierung wäre. Ein gnädiger Gott hat mich die Brille zuhause vergessen lassen, so dass ich mich ganz den Ohren widmen konnte. Nur zum Schluss hab ich auf die Bühne geschaut: Siegfried und Brünhilde flirten auf Teufel komm raus, und dieser Neo-Regisseur Bechtolf stellt sie vor die Rampe wie bei einem Kirchenchor. Mit 10 Meter Abstand müssen die Ärmsten verliebt tun.
Entsetzlich. Bloss weil diese Regisseure 3 mal geschieden sind, brauchen sie ja nicht gleich einen auf Betschwester zu machen.

Trotzdem ein wunderbarer Abend, dank an Thielemann, vor allem dafür, dass er nicht ganz so abstoßend bieder ist wie der Quälgeist Franz Welser Möst, den wir sonst ertragen müssen. Dessen Perfektionismus ist noch viel geschiedener als der von Regisseur Bechtolf.

Und am Sonntag geht es in die Götterdämmerung, hoffentlich Parkett 1. Reihe.

DIe Vienna Design Week…

6. Oktober 2011

ist wieder einmal höchst inspirierend. Zunächst konnten wir das neue Buch von Walking Chair bewundern, ein 8000 Seiten füllendes Werk über die ungebremste Freude am Umgestalten und Verformen. Nunja, vielleicht sind es nicht ganz 8000 Seiten, aber mindestens 8000 feine Ideen. Und es gibt 8000 verschiedene Titel, weil die werden jeweils von Fidel Peugeot und Karl Emilio Pircher persönlich individualisiert. Super, Jungs. Weiter so.

Und dann hab ich 2 neue Lieblinge: Demian Bern aus Stuttgart, der mit seinen Copyright und Copyleft – Spielen und seiner Freude am Design mit Makulaturplakaten, mit seinen Styroporbuchstaben und seinen EXP – Mobiles verwirrt. Feine Sachen gab es in seinem Vortrag zu sehen, zum Beispiel das mit Plakaten Tapezierte “Performance Hotel” eines koreanischen Künstlers. Die Fassade eine charmante Eulenspiegelei, so wie der Anspruch des Hotels: wer eine Performance gibt, kann umsonst übernachten. Wird jetzt übrigens noch getoppt vom Humour Inn: Er eine humorvolle Darbietung gibt, der bekommt sein Essen gratis. Alles Wirtschaftswege, die die Finanzkrise in die ihr zukommende Bedeutungslosigkeit schicken werden.

Jerzsy Seymour. Der kanadische Designer packt das Designen organisch vom Unterbewußtsein her an, der Eisberg, bei dem 90 % des Volumens unter Wasser stehen, ist ihm genauso Metapher wie der Vulkan das Bild für Gestaltungswillen. Manchmal kam er etwas zu nachhaltig daher, eine Gutmenschenanhäufung vertrag ich ja nicht sonderlich, aber seine Ur-Möbel aus Plastik, welches er aus selbstgezogenen Kartoffeln selbst herstellte, waren poppig und wild. Ich muss mir das Plastik-Rezept schicken lassen.

Und nach soviel Anregungen gings dann ins MAK, wo Gregor Eichinger die sentimentale Idee hatte, die alten Mak-Kaffeehausmöbel zu einem temporären Café – Experiment zu versammeln. Man hatte sie fast vergessen, wo man doch vor Jahren, als das Café umgebaut wurde, ihr Verschwinden so bitter beweinte. Jung und alt sahen sie aus, als um Mitternacht die letzten Gäste gegangen waren….

Übrigens vielen Dank an Lili Hollein und Tulga Beyerle: Eure 5. Design-Week ist fuminant!

Amici delle SVA: Es bewegt sich was!

3. Oktober 2011

Foto: Ernst Michalek

Die heutige Podiumsdiskussion im sehr schönen Stadtsaal in der Mariahilferstrasse, mit Vertretern der SPÖ und der Grünen, der SVA und dem Sozialministerium, war natürlich eine sehr wienerische Angelegenheit. Alle waren so unglaublich HÖFLICH ! Jeder bedankte sich dauernd bei jedem, dass er so wertvolle Anregungen und Verbesserungsvorschläge machte. Keiner machte Tumult (außer ich, weil ich Zwischenrufe machte) Eine gute Figur machte Dr. Leitl, Wirtschaftskammer- und SVA Obmann. Er war gekommen, um selber mit seinen Kunden und Kundinnen zu sprechen. Hut ab, wo er doch den Herrn MacDonald bezahlt.

Fazit: Wir verstehen Euch, aber das ist eben so. “Die Sozialversicherung ist eben ein großer Tanker, den man nicht so leicht manövrieren kann”.

Danke, liebe Leute, für diese Metapher. Ihr seid der Tanker, und wir werden der Eisberg sein.
Das Publikum war tadellos. Gut vorbereitet, zahlreich, kompetent und leidenschaftlich. Die Podianten natürlich geübte Verlautbarer. jedenfalls: ein großer Dank an Martina Schubert und Wolfgang Brix, die das sehr, sehr gut organisiert haben. Sofort haben sich neue AGs gegründet und es wird getüftelt. Im Grunde genommen werden nur wieder neue Deals zwischen ROUGE & Noir herausspringen, aber die Amicis bleiben am Ball.

All Beaujolais & Boules.

2. Oktober 2011

Das ist ein Klapotetz. Er macht Krach, verscheucht die Stare aus dem Weingarten und sieht wie ein Hexentutensil aus. Man findet ihn in der Südsteiermark. Wo er die Phantasie beflügelt.

Tristan hat seinen 15. Geburtstag, und da er – außer einer Torte – nicht viel bekommen hat, haben wir die Torte in die Südsteiermark geschleppt. Um sie angemessen zu überreichen.

Es war traumhaft sonnig und das ideale Wanderwetter. Und Bettina und Hubert aus Frankfurt waren gekommen.

Und so quälten wir uns über den Glanzer Hofweg (9 Heurigen-Einkehrmöglichkeiten auf 10 km ) via Slowenien.

Ein Weingarten-Traum. Und dann haben wir noch Katharina Tinnacher vom Weingut Lackner-Tinnacher besucht und 12 Flaschen Wein geschenkt bekommen. Wein, den man nirgends mehr kaufen kann.

Aus dem südöstlichst dem Abendwesten am zugeneigtesten Weingut. (Katharina ist sehr streng mit ihrem Wein, fast schon vestalisch)

Jedenfalls: es ist nicht alles Baujolais & Boules, wie der Franzose sagt, es ist hartes Rechnen und viel Arbeit, und bloß weil wir jedes Wochenende irgendwo Gottes feine Erde loben, heißt das noch lange nicht, dass wir schon in Pension sind.

Bilderbuchsonntag.

25. September 2011

Sonntag, 25. September 2011.

Hohenwarth, westliches Weinviertel.

Der Herbst meint es gut mit den Epikuräern. 40° im Schatten.

Der Wein wird sensationell werden, bei so einem Herbst. Gute Zeiten stehen bevor.

Denen wir natürlich ganz gelassen entgegensehen, den Zeiten, den guten.

(Und dann sind wir noch alle zum Herrn Rauch, um seinen Marillenschnaps und seinen Vogelbeerschnaps und seinen Birnenschnaps und seinen Slibowitz und seinen Grappa zu probieren. Hoch die Tassen auf die Hedonisten!)

Tod in Wien oder : bye, bye, Mitzi Bushi.

24. September 2011

Es reißt nicht ab : dauernd muss man jemanden beerdigen. Das ist die Hölle des Alters. Man beerdigt Eltern, Geschwister, Haustiere, Onkels und Tanten.

Jetzt muss ich mich mal richtig beschweren: Alle reden von der unglücklichen Kindheit. Alle.

Und wer vom unglücklichen Alter? Wo man dauernd, andauernd sich von jemandem verabschieden muss?

Ja, das bin ich – beim Abschied von Mitzi Bushi. Das treueste aller Autos (Bj. 1986) hatte PLÖTZLICH merkwürdige Geräusche von sich gegeben. Unerklärlicherweise.

Die Antriebswellen. Sagt die Firma Ringseis. Eine Reparatur sei SEHR zu überlegen.

Nun, ich und die Vorbesitzerin ( hier rechts) überlegten nicht lange. Wir fuhren zur Autoverwertung Neuwirth, um Mitzi anständig zu beerdigen. Wir setzen unsere Beerdigungs-Hüte auf und Herr Neuwirth hat unseren Abschied dokumentiert. Leider hat er den Finger aufs Objektiv gelegt – nun, er ist ja nicht Fotograf von Beruf.
Für uns war es jedenfalls ein Zeichen, dass die Sonne untergeht.

Es ist übrigens ein wunderbarer Ort, der Autofriedhof von Herrn Neuwirth.
Mitzi hätte es schlechter treffen können. Sie ist umgeben von Mitzibushis, BMWs und Hummers.

Hier sehen Sie die trauernde Witwe. Frühherbstliche Rosensträuße hatte ich mitgebracht, um den Schmerz zu versüßen.

Wie sagt die Edda ? Erst stirbt das Ross, dann sterben die Freunde, und endlich stirbt man selbst. Wenn das Ross stirbt, das Fortbewegungsmittel, ist es schon sehr schlimm.

Über all dem Elend ist es ein gewisser Trost, wenn man bei so einem Abschied nicht alleine ist.
Getröstet und getapfert wurden wir von Herrn Neuwirth, dem stoischen Schrotthändler.

Ein weiterer Segenspunkt war, dass Fräulein Doris, die Vorbesitzerin, mich auf dem letzten Wege begleitete.
Doris fuhr mit mir im Konvoi, damit ich nicht etwa in DIESEM ZUSTAND mit dem Omnibus nach Hause fahren musste. Sondern mit ihr. Im Auto. Ja.

Wohl dem Menschen, der noch solche Freunde hat.

Ich hielt übrigens auf dem Schrottplatz noch eine kleine Ansprache für Mitzi Bushi, und Doris hat alles gewissenhaft gefilmt. Jetzt sag ich nur noch eins, für Mitzi Bushi, die nie ein Maserati oder ein 911er Porsche war, sondern ein Haflingerpferdchen wie Du und Ich…..

Alles Vergängliche ist nur ein Gleichnis. Das Unzulängliche.
Hier ward’s Ereignis.

Neues von den Amici delle SVA

24. September 2011

Wir sind guter Dinge, aber auch nicht euphorisch: Amici delle SVA hat auf Facebook 1.830 Mitglieder.

Der Flashmob lief ganz gut (ich war als Suppenköchin im Fernsehen !) und im großen und ganzen sieht es so aus, als ob wir einigermaßen Rückhalt bei 240.000 Freiberuflern hätten. Wir könnten Demokratie wagen !!!

Wer nicht auf Facebook ist: Es gibt eine Podiumsdiskussion am Montag, 3. Oktober um 11.00 Uhr im Stadtsaal, Mariahilfer Strasse 81.

Mit den Amicis, Werner Brix, Herr Macdonald von der Wirtschaftskammer, etc.
Wäre toll, wenn alle 240.000 kämen !